Seit 65 Jahren führt sie ihren Laden in Bad Tölz:

Rita Brauns (83) Leben für die Tracht

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Rita Braun vor ihrem Geschäft.

Bad Tölz - Es riecht nach Leder und duftet nach Holz. Hier, im Trachten Kirner in Bad Tölz am Amortplatz, findet sich der Kunde weit entfernt von durchgestylten Boutiquen der Großstädte.

Es riecht nach Leder und duftet nach Holz. Hier, im Trachten Kirner in Bad Tölz am Amortplatz, findet sich der Kunde weit entfernt von durchgestylten Boutiquen der Großstädte – wo die großen Ketten ein „Corporate Design“ pflegen und sich überall gleich einrichten. Doch beim Kirner an der Isarbrücke herrscht auch ein Tölzer Original: die Braun Rita, 83 Jahre alt und seit exakt 65 Jahren Chefin des Betriebs.

Sie hat alles so eingerichtet wie sie es mag: grüner Teppich, Girlanden, Autogrammkarten, dazwischen Sprüche an der Wand. Das alles rahmt Zehntausende an Trachtensachen in so gut wie allen Größen und Farben ein, vom Wadlstrumpf übers Kropfband zum Hut und natürlich unzählige Trachtenjacken, -joppen und -mäntel. Und die Dirndl halt; mei, so viel Dirndl auf so viel Kleiderständern, in Mini, Midi, Maxi. Ois!

Wer durch die Tür kommt, geht auch auf Zeitreise. Eine Reise, die im September 1948 ihren Anfang nimmt. Da ist Rita 18 Jahre alt, mit Oma, Mutter und Schwester aus der damaligen Tschechoslowakei nach Bad Tölz vertrieben und voller Tatendrang. Die Währungsreform steht an, und Rita sitzt beim Säcklermeister Joseph Kirner und hilft beim Lederhosnnähen. Eine Sach’, „die ich in drei Tagen gelernt habe – auch, weil ich dem Joseph imponieren wollte“. Ihr schwebt ein eigenes Trachten-Unternehmen vor. „Die D-Mark war ja da, die Leute hatten Geld und wollten kaufen. Das war der richtige Zeitpunkt.“

Rita Braun mit ihrem Lehrbua Hansi: Der ist inzwischen auch schon über 80

Den Laden findet sie am inzwischen abgerissenen Khanturm. Gesponsert wird sie von der Großmutter, die aufgrund des Lastenausgleichs über viel harte Währung verfügt. Die Oma bürgt und zahlt für Ware und Einrichtung. Rita macht im September 1948 den Trachtenladen auf, nicht ohne Probleme. „Weil ich nicht viel Ware hatte, hängte ich Regale mit Vorhängen ab. Die Leute sollten nicht sehen, dass ich nicht viel habe.“ 1951 Hochzeit mit Joseph Kirner – der dem Trachtengeschäft seinen Namen gibt. Rita arbeitet jetzt ohne Pause, „in zwei Stunden habe ich 23 Lederhosn ausgemessen“, und die Leute zahlen für die Stücke ein Vermögen. 800 Mark – das mehrfache des Monatslohns eines Durchschnittsverdieners. Die erste Tochter kommt auf die Welt, doch in dieser Zeit geht auch die Ehe in die Brüche. Zweimal gibt sie später den Männern das Jawort – dem Heinz (Scheidung 1961) und dem Helmuth (Scheidung 1971). Drei Jahre vor der Trennung hat sie die Örtlichkeit am Amortplatz 1 bezogen, genau 20 Jahre nach ihrem Start ins Geschäftsleben. Unter den Kunden weiß die nunmehr zweifache Mutter auch viele Prominente: Sirikit, Königin von Thailand, Petra Schürmann, Ingrid Steeger, den Rubenbauer etwa. Alle vertrauen ihr, vielleicht weil sie nach der Vorgabe lebt, „die Leute schöner zu machen als sie schon sind“.

Das diesjährige Jubiläum wird aber das letzte bleiben. Nächstes Jahr soll Schluss sein, sie sucht einen Nachfolger. Für ihre Zukunft hat sie spezielle Pläne. Welche? „Das bleibt noch ein Geheimnis.“

Markus Christandl

Die tollen Maße der Liz

Mit Filmstar Liz Taylor verbanden Rita Braun drei Chiffon-Kreationen in den Farben Pink, Hellblau und Zitrongelb, die nach Hollywood geschickt wurden. 1961 war der Kontakt zwischen den beiden über eine gemeinsame Freundin zustande gekommen. „Die Kleider mussten ein bisschen verrückt sein“, erinnert sich Braun. Topsecret die Maße der Taylor: 89-58-89. Foto: dpa

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