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Neuer Eberhofer im Kino: „Wir schreiben Filmgeschichte!“ Autorin Falk und Darsteller Bezzel im Interview

Autorin Rita Falk und Franz-Eberhofer-Darsteller Sebastian Bezzel stellten sich über den Dächern Münchens zum Interview.
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Autorin Rita Falk und Franz-Eberhofer-Darsteller Sebastian Bezzel stellten sich über den Dächern Münchens zum Interview.

„Kaiserschmarrndrama“: Erfolgsautorin Rita Falk und Eberhofer-Darsteller Sebastian Bezzel sprachen über den neuen Film aus der bayerischen Kultreihe.

Ein Jahr Eberhofer-Pause. Spielt Corona überhaupt eine Rolle im Film?
Sebastian Bezzel: Nein, wir haben ja noch in glücklichen Vor-Corona-Zeiten gedreht. Obwohl – der Simon und ich hätten da schon eine Idee (lacht): Der Birkenberger wär der perfekte Hygienebeauftragter, Abstand halten! Maske auf, Rudi hätte das super im Griff! Und der Papa wär in der linken Querdenkszene...
Rita Falk: Die Oma näht Masken, Susi und Franz flippen aus, weil der Kleine nicht mehr in Kindergarten kann. Ganz wunderbar würde das in den Eberhofer-Kosmos passen.
Sebastian, musstest Du Dich nach der Pause wieder neu in den Eberhofer einleben?
Bezzel: Eigentlich reicht es, das Kostüm anzuziehen. Jeans, Hemd, Lederjacke an und los geht’s. Aber auch das ganze Drumherum, die Kollegen, der gleiche Regisseur – da bin ich gleich wieder drin.
Die Lederjacke gibt’s nur einmal, oder?
Bezzel: Ja, die Brusttasche ist so schön verknickt, das kannst gar nicht herstellen. Das ist ein Fundstück von unserem Kostümbildner. Der ist ein Trüffelschwein, der sucht alte tolle Sachen. Auch das Hemd ist immer das gleiche. Aber diesesmal hab ich eine neue Jeans bekommen. Die alte war so durch, ich konnt mich schon nicht mehr in den Audi setzen, ohne das sie reisst.
Das ist aber auch keine neue Designerjeans?
Bezzel: Naa, das findet auch unser Kostümbildner. Das ist ein gutes Beispiel wie detailverliebt die Filme sind. Das haben wir auch Ed Herzog zu verdanken. Deshalb bleiben die Filme gut, weil die Details stimmen.

Rita Falk: „Wir schreiben gerade bayerische Filmgeschichte“

Ein Erfolgsgeheimnis der Filme..
Bezzel: Ja, man könnte auch sagen, mei, dann kauf ich halt schnell eine neue Jeans. Nein, die Kleinigkeiten müssen stimmen.
Mittlerweile ist es die siebte Eberhofer-Verfilmung, hätte keiner gedacht am Anfang...
Falk: Das muss man sich mal vorstellen. Wir schreiben gerade bayerische Filmgeschichte.
Bezzel: Deutsche Filmgeschichte! Die letzte gut gehende Kinoreihe in Deutschland in war Schulmädchen-Report.
War weniger schwarzhumorig...
Bezzel: Hat aber auch Leute ins Kino gebracht.
Was hat Kaiserschmarrndrama für einen Charakter?
Bezzel: Er ist böshumorig, gerade wenn der Rudi mit der Urinflasche nach der Krankenschwester schmeisst. Aber es ist teilweise auch ganz traurig, fast melancholisch...
Falk: Ich habe sogar beim Schreiben von der Szene im Krankenhaus am Schluss (Eberhofer-Bruder Leopold wieder nochmal Vater, Anm.) eine Träne verdrückt, die zwei Brüder lieben sich schon auch sehr.
Bezzel: Weil der Franz keine Veränderung will. Und Leopold ist verlässlich scheisse, deshalb mag er ihn (lacht). Der Gerhard spielt ihn genial, ein toller Kollege.

Rita Falk: „Ich habe die Schauspieler beim Schreiben immer vor Augen“

Und Rita hat Leopold erfunden. Denkst Du beim Schreiben überhaupt an die Schauspieler?
Falk: Auf jeden Fall, ich habe die Schauspieler beim Schreiben immer vor Augen, egal wer grad auf den Plan kommt. Seitdem tue ich mich auch viel leichter.
Also können wir mit weiteren Eberhofer-Romanen rechnen?
Falk: Ich weiß es nicht. Immer wenn ich einen neuen anfange, denke ich, es ist der letzte. Dann sind die Fans aber so aufsässig (lacht), dann mach ich halt noch einen. Ich find nix peinlicher, als ihn erst sterben lassen und dann wieder auferstehen zu lassen. Das mach ich auf keinen Fall.
Bezzel: Er muss ja nicht sterben. Man kann auch in fünf Jahren den nächsten drehen, dann ist er Sohn vom Franz halt mitten in der Pubertät...
A propos älter werden. Du bist grad 50 geworden...
Bezzel: Nein, das ist eine Lüge! Ja, stimmt leider. Aber groß feiern ging ja nicht, ich hab einfach einen großen Topf Spaghetti Amatriciana gekocht und wir waren in Garmisch bei meinen Eltern mit den Kindern. Irgendwann, wenn wir dürfen machen wir ein schönes Fest. meine Frau ist ja letztes Jahr 50 geworden. Zusammen sind wir jetzt 101.
Warst Du schon im Urlaub?
Bezzel: Ja, Wohnmobil-Urlaub! Das kam über Grenzgänger, da mussten wir aufs Wohnmobil wegen Corona umsteigen. Letztes Jahr haben wir als Familie dann zum ersten Mal ein Wohnmobil gemietet und eine Deutschland-Tour gemacht, kreuz und quer, Familie und Freunde besucht. Und dieses Jahr wieder, wir waren an der Atlantik-Küste an einem Naturcampingplatz. Tür auf, Barfuss, Kinder weg, viel geradelt, fast nicht erkannt worden...
,Schau mal, da ist der Eberhofer‘ heißt’s dann...
Bezzel: Es ist ja nicht bös gemeint von den Leuten, aber zum Beispiel in Niederbayern ist es schwierig, da kann ich kaum noch essen gehen, fünf Fotos werden’s da mindestens.
Du bist halt für viele der Parade-Bayer...
Bezzel: Das nervt, die Betonung des Bairischen mag ich gar nicht. Es sind keine Komödien über Bayern, sondern Provinzkomödien, die in Bayern spielen, das ist ein großer Unterschied. Bairisch an sich ist nicht lustig. Ich mag Bayern gern und diese Sprache, aber ich mag auch andere Dialekte.
Falk: Der Eberhofer kann genauso in der Nähe von Hamburg spielen. Das würde auch funktionieren.

Das Interview führte Maria Zsolnay

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