Vier Tage vor Anschlag: Attentäter flog von Düsseldorf nach Manchester

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Mordanschlag gescheitert

Rocker mit Ladehemmung vor Gericht

Roding - Schon zum zweiten Mal muss sich Rocker Lothar K. (46) wegen eines missglückten Mordanschlags vor Gericht verantworten.

Nur gut, dass Rocker Lothar K. (46) aus Roding so dämlich ist. Wäre dies anders, dann müsste sich der Ex-Vizepräsident des MC Falkenstein derzeit nicht zum zweiten Mal wegen eines missglückten Mordanschlags vor Gericht verantworten, sondern wegen Mordes. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ließ ihn bei beiden Versuchen seine Steyr-Pistole im Stich – Ladehemmung!

Das eiserne Rocker-Gesetz des Schweigens half Lothar K. (genannt „Lotte“) nichts, als er 2002 wegen versuchten Mordes an einem Gärtner angeklagt wurde. Der hatte K. am 27. April 2001 gegen 22 Uhr beim Thuja-Diebstahl (Wert: 150 DM!) ertappt. Viermal drückte Lothar K. vergeblich den Abzug seiner 9-Millimeter-Waffe, zweimal schoss der Gärtner mit seiner Kamera zurück – das Foto überführte K., bescherte ihm neuneinhalb Jahre Haft.

Bei einer Durchsuchung stieß die Kripo auf Waffen, Bargeld-Bestände und 75 Kilo Rauschgift. Ein Rocker nach dem anderen marschierte in der Folge in U-Haft, der MC Falkenstein wurde zerschlagen. Weil Lotte damals den Kronzeugen spielte, machte er sich Feinde.

Das sollte sich im Januar dieses Jahres rächen: Bei einer Regensburger Polizeiinspektion ging ein Brief ein, in dem Lothar K. ein Mordversuch von vor 20 Jahren zur Last gelegt wurde. Näheres sollten die Ermittler ausgerechnet auf der Homepage des MC Falkenstein nachlesen können. Die Kripo nahm die Fährte auf und ließ dann fix die Handschellen bei K. und seinem mutmaßlichen Komplizen Harald C. (50) klicken.

Was ihnen Oberstaatsanwalt Helmut Hasenstab nun vor dem Landgericht Aschaffenburg vorwirft, klingt im doppelten Wortsinn nach Räuberpistole: Lothar K. habe 1993 der Drogenkonsumentin Melitta B. (heute 55, Name geändert) versprochen, ihr ein Kilo Amphetamin für 10 000 D-Mark zu besorgen. Die Regensburgerin packte also Geld und Pistole ins Handtäschchen und fuhr mit K. nach Leidersbach, wo der Deal stattfinden sollte. Unterwegs soll Harald C. zugestiegen sein, der ihr eine Drahtschlinge um den Hals gelegt haben soll. Diesen Angriff soll Melitta B. noch abgewehrt haben, doch dann habe Lothar K. in ihre Handtasche gegriffen und die Pistole auf sie gerichtet. Mit dem Leben kam Frau nur davon, weil sie die Pa­tronen entfernt hatte. Danach sei sie aus dem Auto geflohen.

Vor Gericht schweigen die Angeklagten. Doch unmittelbar nach seiner Festnahme hatte Harald C. seine Beteiligung eingestanden. Der Bruder von C. belastete beide schwer: Lothar K. habe sich über das Verhalten von Harald bei dem missglückten Mord „kaputtgelacht“. Als die Drogenkäuferin Melitta B. um ihr Leben gebettelt habe, habe er von ihr abgelassen und sich davongemacht. Lothar K. soll gelästert haben: „Abgehauen ist der dumme Hund.“

Melitta B. ist übrigens wegen des fehlgeschlagenen Drogendeals von 1993 inzwischen zu 500 Euro Strafe verurteilt worden. „Das Gericht hat den in der Anklage beschriebenen Sachverhalt als gegeben angenommen“, sagte ihr Anwalt Hubertus Werner.

tz

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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