Bundespolizei ächzt über Belastung

Flüchtlingsstrom: Kritische Lage am Rosenheimer Bahnhof

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Nicht nur der Bahnsteig ist überfüllt am Rosenheimer Bahnhof - zum Teil ist auch kein Platz mehr in der provisorischen Unterkunft, dann fahren die Züge direkt weiter nach München.

Rosenheim/München - Die Bundespolizei schlägt Alarm: An nur einem Tag kommen hunderte Flüchtlinge in Zügen nach Rosenheim und müssen registriert werden, bevor es nach München weitergeht. Die Beamten sind am Ende ihrer Belastbarkeit.

Das Pensum ist enorm: Allein am Dienstag, den 11. August, mussten die Bundespolizisten in Rosenheim innerhalb von 24 Stunden rund 300 unerlaubt Eingereiste abfertigen. Das berichtet rosenheim24.de. Alle Flüchtlinge müssen in der Dienststelle der Rosenheimer Bundespolizeiinspektion kontrolliert und in der "Bearbeitungsstraße" registriert werden.

Registrieren heißt Durchsuchen, ärztliche Untersuchung auf ansteckende Krankheiten wie Tuberkulose, Krätze oder Keuchhusten, und es heißt erkennungsdienstliche Behandlung - Fingerabdruck und Foto. Im Idealfall dauert die Prozedur pro Einreisendem zwei Stunden. Für detaillierte Vernehmungen bleibt dabei keine Zeit.

Großes Problem: Die wenigsten Flüchtlinge kommen mit einem Ausweis in Deutschland an. In einer Regionalbahn aus Kufstein trafen die Beamten am Dienstagnachmittag beispielsweise auf über 80 Eritreer ohne Papiere. 60 weitere Männer und Frauen machten sich ohne Pässe oder Visa mit einem Fernreisezug von Italien aus auf die Reise. Sie stammen unter anderem aus Eritrea, Äthiopien, Nigeria und Syrien. Bereits am Tag zuvor waren in nur einem EuroCity aus Verona etwa 140 illegal Eingereiste vorwiegend eritreischer, sudanesischer oder syrischer Abstammung festgestellt worden. In Rosenheim laufen zudem die Hauptrouten der Flüchtlinge zusammen, die "Brennerroute" und die "Balkanroute". 

Polizeisprecher: "Belastungslimit überschritten"

Rainer Scharf, Pressesprecher der Bundespolizei Rosenheim, sagte gegenüber Focus Online: „Das Belastungslimit für uns ist überschritten.“ Die Kontrolle und die Registrierung der vielen Migranten sei eine enorme Herausforderung. Die Beamten seien mit 550 Leuten im Einsatz am deutsch-österreichischen Grenzgebiet, dennoch müsse man Züge auch unkontrolliert nach München in Richtung Erstaufnahmestelle weiterfahren lassen, wenn die Kapazitäten in der Sporthalle auf dem Dienstgelände ausgereizt seien. Hinzu komme auch noch der psychische Stress, wenn die Polizisten tagtäglich in solchen Massen mit dem schweren Schicksal von geflüchteten Kindern, Frauen und Männern konfrontiert werden.

Allein im südlichen Abschnitt des deutsch-österreichischen Grenzgebiets verzeichnet die Bundespolizei bereits jetzt mit rund 20.500 registrierten Fällen mehr als doppelt so viele unerlaubte Einreisen wie im gesamten Jahr zuvor. Der Flüchtlingsrekord stellt auch die Polizei in München vor besondere Herausforderungen.

kg

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