Auf einmal gab es einen Knall

Erdbeben in Tirol erschüttert auch Bayern - Forscher von Stärke überrascht

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Seismogramm eines Erdbebens. (Symbolbild)

In der Nacht auf Mittwoch gab es im Raum Kufstein (Tirol) ein Erdbeben der Stärke 3,9. Die Auswirkungen waren auch im Landkreis Rosenheim deutlich zu spüren.

  • Ein Erdbeben schreckte Menschen in der Nacht auf Mittwoch im Raum Kufstein aus dem Schlaf. 
  • Gegen 1.35 Uhr war das Erdbeben mit einer Stärke von 3,9 in Österreich und in Bayern spüren.

Update vom 24. Oktober 2019: Auf einmal bebte der Boden: In der Nacht zum Mittwoch wurden zahlreiche Menschen in Tirol aus dem Schlaf gerissen. Der Grund war ein Erdbeben südöstlich von Kufstein. Kaum zwei Wochen später schreckt nun ein Erdbeben Anwohner auf der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) aus dem Schlaf.  

„Die Stärke des Bebens ist für die Region nicht üblich“, sagt Helmut Hausmann, Seismologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. In einem Umkreis von 35 Kilometern konnten die Bürger die plötzlichen Erdbewegungen spüren, im Bereich des Epizentrums gab es zirka fünf Sekunden lang stärkere Erschütterungen.

„Im Durchschnitt kommt es maximal alle sechs Jahre vor, dass es in Tirol zu einem Beben dieser Stärke kommt, die meisten sind schwächer“, erklärt Hausmann vom ZAMG. Trotzdem sind Erdbeben in der Grenzregion zwischen Bayern und Österreich keine Seltenheit. Hier grummelt die Erde sogar sehr häufig. Allein in Bayern gibt es jährlich zwischen 150 und 200 Erdbeben. 

„Die meisten sind aber so schwach, dass man sie nicht spürt“, erklärt Joachim Wassermann vom Geophysikalischen Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität in Fürstenfeldbruck. Meistens folgten nach einem Erdbeben auch noch ein oder mehrere Nachbeben. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es noch einmal in der Region wackeln wird.“ Aber der Experte beruhigt: „Die Nachbeben sind fast nie stärker als das eigentliche Beben.“ Entscheidend für die Auswirkungen von Erdbeben ist auch die Tiefe. Also wie weit unter der Erdoberfläche der Herd des Erdbebens sitzt. „Im aktuellen Fall war der Herd zirka zwölf Kilometer tief“, sagt Wassermann. „Je tiefer, desto schwächer ist es zu spüren, wenn die Spannung von zwei aufeinander zu driftenden Krustenplatten entladen wird.“

Joachim Wassermann ist Seismologe beim Observatorium der LMU.

Die Stärke von Erdbeben – und ihre Messung

Die Messgeräte zeichneten bei dem Erdbeben in Tirol 3,9 auf der Magnituden-Richterskala auf. Zusätzlich wird die Intensität anhand von Beobachtungen eingestuft. Doch was bedeuten diese Messungen und Einheiten? 

„Grundsätzlich ist zwischen Intensität und Magnitude zu unterscheiden“, erklärt Joachim Wassermann, Seismologe vom Geophysikalisches Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität München in Fürstenfeldbruck. „Die Intensität ist die Wirkung der Beben am Ort des Betrachters.“ Also die Auswirkungen auf Menschen, Gebäude und Landschaft. „Diese Zahl beruht rein auf Beschreibungen“, erklärt Wassermann. Die Intensität kann sich zwischen Stufe eins bis zwölf bewegen. Ab Stufe sechs sind meist auch Gebäudeschäden durch das Beben festzustellen. „Die Magnitude ist das tatsächliche Maß für die Stärke von Erdbeben.“ Hier ist im Gegensatz zur Intensität die Skala nach oben offen.

Erdbeben in Tirol erschüttert auch Bayern - Auswirkungen deutlich spürbar

Erstmeldung vom 23. Oktober 2019:

Rosenheim - Ein nächtliches Erdbeben in Österreich ist auch in Grenznähe in Bayern zu spüren gewesen. Vereinzelt hätten Menschen im Landkreis Rosenheim angegeben, Druckwellen verspürt zu haben, sagte ein Polizeisprecher am frühen Mittwochmorgen. Auch ein Knall sei gemeldet worden. Wie die Bewohner der Gemeinde Kiefersfelden den Vorfall erlebten, berichtet rosenheim24.de*.

Rosenheim: Erdbeben in Tirol hat Auswirkungen nach Bayern

Verletzt wurde ersten Erkenntnissen zufolge niemand. Auch Sachschäden waren zunächst keine bekannt. Nach Angaben der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ereignete sich das Beben um 1.35 Uhr südöstlich von Kufstein in Tirol und hatte eine Stärke von 3,9.

Erdbeben in Rosenheim spürbar: Auswirkungen aus Tirol bis nach Bayern

Die Bevölkerung habe das Beben in einem Umkreis von etwa 35 Kilometern verspürt, so die Zentralanstalt. Im Bereich des Epizentrums sei die Erschütterung „teilweise stark wahrgenommen“ worden. Strukturelle Gebäudeschäden seien nicht zu erwarten. Auch im Landkreis Rosenheim nahmen Anwohner wahr, wie ihre Häuser wackelten. Eine betroffene Redakteurin von ovb-online.de* berichtet, wie sich ihr „Bett spürbar mehrere Sekunden“ lang bewegte

Bei einem Erbeben der Stärke 3,9 handelt es sich laut der Richterskala um ein sehr leichtes Beben. Erst ab Stufe fünf muss mit Schäden gerechnet werden, wie das Deutsche Geoforschungszentrum mitteilt.

Im Juli hatte ein Erdbeben Garmisch-Partenkirchen aufgeschreckt: Kurz nach 13 Uhr wackelt die Erde, die Bevölkerung ist beunruhigt. Ein Experte gibt Auskunft, doch vieles ist noch unklar.

mm/tz/kah

*ovb-online.de und rosenheim24.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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