Sie waren Konkurrenten und Spezln zugleich

Tödliches Drama: Ski-Asse Dominik und Michael starben in der Lawine am Großglockner

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Sie waren Konkurrenten und Spezln zugleich, zwei, die eines verband: die unbändige Liebe zum Skifahren: 

Zwei junge Skifahrer aus dem Raum Rosenheim sind in Tirol von einer Lawine begraben worden. Die beiden waren Profis und gut ausgestattet – dennoch konnten sie nach ihrer Fahrt abseits der Piste nur noch tot geborgen werden.

Rosenheim - Sie waren Konkurrenten und Spezln zugleich, zwei, die eines verband: die unbändige Liebe zum Skifahren. Es sollte der perfekte Skitag werden. Drei Skifahrer aus den Landkreis Rosenheim waren am Freitag im Bereich des Großglockner Resorts in Tirol unterwegs. Gegen 10.30 Uhr verließen sie nach Polizeiangaben die gesicherten Pisten und fuhren oberhalb des „Kals-Matreier-Törls“ auf rund 2300 Metern Höhe in Richtung Matrei ab. Zwei Stunden später fuhren Michael O. (26) aus Stephanskirchen, der beste Skirennfahrer des SC Rosenheim, und der gleichaltrige Nachwuchstrainer Dominik W. aus Aschau noch einmal nach oben – ausgestattet mit Lawinenairbags und speziellen Suchgeräten. Ihr Begleiter wartete an der Talstation Happeck.

Gegen 15 Uhr bemerkten zwei einheimische Skifahrer ein rund 400 Meter langes und 100 Meter breites Schneebrett im Bereich der sogenannten Ladstatt. „Da in den Lawinenkegel zwei Skispuren hineinführten, jedoch keine heraus, setzten sie einen Notruf ab und suchten nach möglichen Vermissten“, sagt der Einsatzleiter der Alpinpolizei. Er sprach von einer Lawine von „riesigem Ausmaß“. Der Begleiter der beiden hatte in der Zwischenzeit die Bergbahnen informiert, dass er seine Freunde vermisse.

Bei der sofort eingeleiteten Suchaktion entdeckten Rettungskräfte Dominik W. – begraben unter zwei Metern Schnee. Sie bargen den Aschauer, konnten ihn jedoch nicht mehr reanimieren. Mit Einbruch der Dunkelheit musste die Suche nach Michael O. wegen der hohen Lawinengefahr zunächst unterbrochen werden. „Das ist ein riesiger Graben. Keiner kann abschätzen, wann der nächste Rutsch kommt“, begründete ein Polizeisprecher die Unterbrechung. Am frühen Samstagmorgen konnten die Einsatzkräfte den 26-jährigen Skifahrer aus Stephanskirchen schließlich orten. Er war von den Schneemassen in einen anderen Graben mitgerissen und dort unter rund einem Meter Schnee begraben worden. Auch für ihn kam jede Hilfe zu spät.

Skiverband trauert und sagt geplantes Rennen ab

In der oberbayerischen Heimat der beiden erfahrenen Wintersportler stehen die Menschen nach der tragischen Nachricht unter Schock. Der Vorstand des Skiverbands Inngau hat eine Traueranzeige auf seiner Internetseite veröffentlicht, in der er den Angehörigen und Familien der beiden im Namen der gesamten Skifamilie sein Mitgefühl ausspricht. Die für das Dreikönigs-Wochenende angesetzten Ski-Rennen in der Wildschönau wurden abgesagt. Nach der schrecklichen Nachricht sei niemand in der Lage gewesen, die Veranstaltung durchzuführen, hieß es.

Michael O. und Dominik W. hatten den Ski-Verband viele Jahre lang regional und überregional erfolgreich vertreten. Beide waren bei zahlreichen Rennen im Einsatz. Michael O. war unter anderem bayerischer und deutscher Städtemeister. In dieser Woche hätte er seinen 27. Geburtstag gefeiert. „Wenn er gefahren ist, hat er gewonnen“, erinnert sich Markus Pongratz, der Vorsitzende des SC Rosenheim. „Das waren Vollblutsportler.“ Sie seien keine Draufgänger gewesen, sondern bestens ausgebildet und ausgerüstet – und seit vielen Jahren in extremem Gelände unterwegs. Aber ein gewisses Restrisiko bleibe eben immer. „Es ist eine Riesentragödie für die Familien.“ Einige Vereinsmitglieder reisten gestern nach Tirol, um den Familien beizustehen.

Es war nicht der einzige Lawinenabgang in Tirol am Wochenende. Und auch in Bayern herrscht weiterhin Lawinengefahr, auch wenn sich die Lage zum Ende des Wochenendes leicht entspannt hat. Am Sonntagabend galt noch im gesamten Bereich der bayerischen Alpen Lawinenstufe 2. Auch wenn sich die Lage in den nächsten Tagen weiter entspannen dürfte, mahnt der Lawinenwarndienst, die Absturzgefahr auf der vereisten Schneeoberfläche nicht zu unterschätzen.

Sehen Sie den Facebook-Post des Skiverbands Inngau

Der Skiverband schreibt: „Wir werden beide stets in sehr guter Erinnerung behalten.“

Lesen Sie hier unseren News-Ticker zur Lawinengefahr in Bayern und Tirol.

hud/lby/mc/dg/duc

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