Bairische Sprachwurzel für Rosenmüller

„Ich mag auch ,tschüss‘ und ,lecker‘“

+
Die Bairische Sprachwurzel geht an den Regisseur Marcus H. Rosenmüller aus Hausham. Wir sprachen mit dem Preisträger kurz nach dem Festakt auf dem Gäubodenfest Straubing.

München - Die Bairische Sprachwurzel geht an den Regisseur Marcus H. Rosenmüller aus Hausham. Wir sprachen mit dem Preisträger kurz nach dem Festakt auf dem Gäubodenfest Straubing.

Papst Benedikt XVI. hat sie schon, der Stückl Christian, Ringsgwandl, Haindling, die Wellküren, Luise Kinseher... Die diesjährige Bairische Sprachwurzel geht an den Regisseur Marcus H. Rosenmüller aus Hausham (Kreis Miesbach), bekannt für Filme wie „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Beste Zeit“ oder „Räuber Kneißl“. Sepp Obermeier vom Bund Bairische Sprache verlieh dem 40-Jährigen die gläserne Skulptur, weil dieser bei offiziellen Anlässen ganz selbstverständlich immer Mittelbairisch rede. Wir sprachen mit dem Preisträger kurz nach dem Festakt auf dem Gäubodenfest Straubing.

Bei allem Respekt für Ihren Preis, Herr Rosenmüller, ein kleiner Bairisch-Test muss sein. Bereit?

Ohhhh.

Was macht Sie so richtig zinddig*?

Wenn ich selber zu viel jammer. Und wenn Sie meinen, ich weiß nicht, was das heißt, werd ich auch gleich zinddig!

Sind Sie einer, der gern dischkriert**?

Ja. Bis zu einem gewissen Punkt bin ich schon recht redselig. Bis es politisch wird.

Eine Frage für Ihre weiblichen Fans: Sind Sie ein Oaschichtiger***?

Nein, ein Vielschichtiger.

Das kann man aber verkehrt verstehen.

Warum? Ich bin nicht einfach gestrickt, ich habe viele Schichten.

Ein Oaschichtiger ist ein Junggeselle.

Oh, das hab ich meiner Lebtag noch nicht gewusst. Aber nein, ich bin verheiratet.

Das lassen wir mal durchgehen. Wann wechseln Sie vom Bairischen ins Hochdeutsche?

Wenn das Gegenüber Bairisch nicht versteht. Das ist eine Frage von Höflichkeit. Bei mir gibt es auch keine Aufkleber mit „Tschüss-freie Zone“. Ich mag sogar das Wort „lecker“. Ich bin da nicht so. Wir sprechen, wie wir wollen – und die anderen sollen das genauso machen können.

Gibt es bairische Wörter, die man sowieso nicht übersetzen kann?

Ja, weil bei vielen Ausdrücken ein Gfui mitschwingt. Schon als Kind saugt man Begriffe auf, man versteht gar nicht, was man sagt – sondern fühlt es.

Dialekt ist Emotion. Könnte ein Preuße Filme drehen wie Sie? Zum Beispiel „Wer früher stirbt, ist länger tot“...

Der dürfte den Film halt nicht so machen wie ich, sondern auf seine Art. Ich glaube, dass so was im Ruhrpott oder in Sachsen genauso funktioniert – nur eben mit dem Dialekt von dort. Man soll zu dem stehen, woher man kommt. Ich würde auch gern mal einen Film in England drehen, aber da muss ich mich gut vorbereiten, oder mich auf das verlassen, was mir andere sagen.

Dieses „Zum Dialekt stehen“ ist gerade in der Pubertät nicht einfach. Wie war das bei Ihnen?

Vollkommen wurscht. Ich hatte damals schon ein paar hochdeutsche Freunde, aber wir haben alle geredet wie uns der Schnabel gewachsen ist. Da gab es niemanden, der einen dumm angeschaut hat. In der Schule, im Deutschunterricht, war das anders.

Bairisch-freie Zone?

Wir sind mit der bairischen Literatur überhaupt nicht konfrontiert worden. Das moniere ich heute noch. Wir wussten nicht, dass es da richtig gute Autoren und Lyriker gibt. Wenn ich zum Beispiel an Harald Grill denke! Das wäre wichtig für die Schüler, die Kinder würden merken: „Wow, das ist eine tolle Sprache, damit kann man sogar Gedichte schreiben. Das ist hohe Kunst.“

Letzte Frage: Was ist Ihr bairisches Lieblingswort?

Das Gfui. Das mag ich gern.

Das Interview führte – selbstverständlich auf bairisch:

Carina Lechner

Übersetzung:

* wütend, erzürnt, grantig

** ratschen, sich unterhalten

*** ledig, ohne Partner

Auch interessant

Meistgelesen

Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
In Kreisverkehr: Fahrer wird von Traktor geschleudert und stirbt
In Kreisverkehr: Fahrer wird von Traktor geschleudert und stirbt
Junger Motorradfahrer (17) stirbt bei Unfall
Junger Motorradfahrer (17) stirbt bei Unfall
Vollsperrung auf der A9: Schwerer Unfall mit zehn Verletzten
Vollsperrung auf der A9: Schwerer Unfall mit zehn Verletzten

Kommentare