Prozessauftakt am Mittwoch

Rottach: In diesem Haus quälten drei Männer ein älteres Ehepaar

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In diesem Haus fand das Martyrium für ein älteres Ehepaar statt.

Rottach - Ein älteres Ehepaar wurde 16 Stunden mit Todesangst gequält. Drei Männer stehen deshalb seit Mittwoch vor Gericht - wegen versuchten Mordes.

Sie litten 16 Stunden lang Todesangst, hatten schrecklichen Durst und konnten nicht auf die Toilette. Die schlimmste Situation im Leben eines vermögenden Ehepaars (73 und 76 Jahre) wird ab Mittwoch vor dem Landgericht München II aufgerollt. Es geht um versuchten Mord, es geht um ein Komplott – also um eine Verabredung zu einem Verbrechen.

Ingo W. (42).

Im Januar 2014 wurden die Eheleute Dagmar und Heinz J. in ihrer Villa in Rottach-Egern (Kreis Miesbach) überfallen. In dem Haus voller Luxusgegenstände gab es zwar einen Alarmknopf, doch das wussten offenbar auch die mutmaßlichen Täter, ein Brüderpaar (42 und 49 Jahre) aus dem westfälischen Lünen. Denn in dem Moment, in dem sie in das Haus eindrangen, schnitten Thomas W. und der jüngere Ingo W. dem Ehepaar den Weg zur Alarmanlage ab. Sie wussten wohl vom dritten Angeklagten Ralf K. gut über die Örtlichkeit Bescheid: Der 56-Jährige aus Hagen pflegte offenbar Beziehungen zu älteren, wohlhabenden Damen. Nicht nur, dass er es sich an deren Seite gut gehen ließ, so nebenbei sammelte er auch Informationen.

Martyrium für die Rottacher

Thomas (49).

Monate vor dem Überfall gelang es ihm, auf einem Geburtstagsfest in Bad Wiessee einen Platz am Tisch der beiden späteren Opfer zu erhalten. Dann soll er mit den Brüdern Kontakt aufgenommen haben. Der nun folgende Überfall geriet für die Eheleute zum Martyrium. Sie wurden getreten, mussten den Tresorschlüssel herausgeben und wurden auf Stühlen gefesselt. Die Täter entwendeten Uhren, Schmuck, Bargeld und eine Sammlung von Porzellanfiguren von immens hohem Wert. Ihre Beute packten sie in mehrere Taschen einer Nobelmarke, ob absichtlich oder weil Plastiktüten fehlten, ist unklar. Danach türmten sie mit dem Audi der 76-jährigen Frau.

Die herzkranke Dame und ihr Mann wurden am nächsten Tag von einem Nachbar gefunden. Der war vom Sohn des Ehepaars alarmiert worden, nachdem der als korrekt geltende Heinz J. ohne Entschuldigung nicht bei einem Termin erschienen war. Die Sorge über das Fernbleiben rettete dem Paar das Leben. Viel länger hätten die beiden die Gefangenschaft kaum überlebt.

Ralf K.

Voraussichtlich am 18. November werden sie im Prozess als Zeugen gehört. Die zwei Haupttäter dürften keine Angaben machen. Sie gelten als Profis, haben Etliches auf dem Kerbholz. Dennoch konnten sie neun Monate nach dem Überfall im Ausland gefasst werden. Zu diesem Zeitpunkt war von privater Seite eine Belohnung für Hinweise auf die Täter und die gestohlenen Stücke in Höhe von 250 000 Euro ausgelobt worden – eine der höchsten Belohnungen, die es je gab. Auf der Anklagebank wird auch der Antiquitätenhändler Bernd K. (75) sitzen: Bei ihm wurden Stücke der Hehlerware gefunden. 

wal/mc

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