Denkmalschutz hat entschieden

Traditions-Gasthaus wird nicht abgerissen

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Darf das Gasthaus Glasl bleiben? Ja, finden Denkmalpfleger.

Rottach-Egern - Die Denkmalpfleger haben entschieden: Das Gasthaus Glasl in Rottach-Egern ist ein Baudenkmal und darf nicht abgerissen werden. Was jetzt mit dem Wirtshaus passiert, ist allerdings völlig ungewiss.

„Ich jubiliere“, sagt Angela Brogsitter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT). Am Dienstag hat das Landesamt für Denkmalpflege seine lange erwartete Entscheidung über den seit November geschlossenen Gasthof Glasl gefällt. Ergebnis: Das Traditions-Haus, in dem schon Wildschütz Jennerwein seinen Stammtisch hatte, muss erhalten bleiben. Damit sind die Pläne, Wohnhäuser an die Stelle des Gasthofs zu setzen, vom Tisch. Laut Mitteilung des Landesamtes erfolgte am Dienstag der Eintrag des Glasl in die Bayerische Denkmalliste.

Gute Nachrichten für die Kämpfer gegen den vom Gemeinderat bereits im Oktober bewilligten Abriss. Wie berichtet, hatte Musiker Thomas Tomaschek mit Unterstützung der SGT rund 800 Unterschriften für den Erhalt gesammelt. Mit seinem Engagement hat sich Tomaschek nicht nur Freunde gemacht. In einer persönlichen Erklärung machte Glasl-Eigentümer und Wirt Wolfgang Lentner Ende November deutlich, in welch schwierige Lage ihn die Initiative gebracht hat. Die Immobilie sei seine Altersvorsorge, hieß es dort: „Ich bitte, meine persönliche Entscheidung des Verkaufs zu akzeptieren.“ Im Moment erlebe er einen Spießrutenlauf, den er keinem wünsche. Anlass der Erklärung war ein Antrag der FWG-Gemeinderätin Gabriele Schultes-Jaskolla. Sie wollte juristisch geklärt wissen, ob der Erhalt des Gasthofs im Bebauungsplan festgeschrieben werden kann und forderte eine Veränderungssperre. Der Gemeinderat lehnte mit 5:12 Stimmen ab – man wollte nicht ans Recht des Eigentümers rühren. Im Zuhörerraum kam es zu einem kurzen, aber heftigen Disput zwischen Ex-Wirt Lentner und Unterschriftensammler Tomaschek.

„Ich will ja, dass der Wirt sein Geld bekommt“, sagt Tomaschek jetzt. Nur eben von einem Investor, der das Gebäude erhält. Dem werde er dann die Unterschriftenlisten überreichen: „Das ist doch ein schönes Einstandsgeschenk.“ Rottachs Bürgermeister Franz Hafner bezweifelt, dass dieser Investor existiert. „Ich habe schlimme Befürchtungen“, meint Hafner. Es gebe Beispiele im Tal, wie etwa den Gmunder Maximilian, die zeigen, wie schnell ein unter Denkmalschutz gestelltes Objekt zum furchtbaren Schandfleck werde. Dass jemand das Gasthaus wieder als solches betreiben wolle, halte er für äußerst unwahrscheinlich. Schließlich müssten laut Eigentümer Lentner gut 450 000 Euro investiert werden, um alle Auflagen zu erfüllen. Es gehe also nur um den Erhalt des Gebäudes. Dem Glasl-Abriss habe er nur ungern zugestimmt, ließ Hafner durchblicken. Schließlich bedeute der Gasthof ein Stück Ortsgeschichte. Trotzdem freut ihn das Urteil der Denkmalschützer angesichts der ungewissen Zukunft nicht unbedingt: „Ich bin da zwiegespalten.“

Was weiter mit dem Gasthaus passiert, ist ungewiss. Eigentümer Lentner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Mit einer Tegernseer Immobiliengesellschaft war er schon weitgehend handelseinig. Doch jetzt ist die Situation eine andere. Ein Abriss des Gebäudes kommt nach Auskunft des Landratsamtes zwar nicht in Frage, wohl aber eine Umnutzung. Voraussichtlich, so Landratsamt-Sprecherin Gabriele Dorby, werden sich Bauherr und Architekt mit geänderten Plänen an die Untere Denkmalschutzbehörde wenden. Im Anschluss entscheide dann ein Gremium aus Kreisbaumeister, Kreisheimatpfleger und Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege, inwieweit die Vorstellungen umsetzbar sind. „Es gab Investoren, es gibt Investoren und es wird künftig welche geben“, ist die SGT-Vorsitzende Brogsitter-Finck überzeugt. Interessenten hätten sich schon bei der Glasl-Initiative gemeldet. Nun, da die Entscheidung der Denkmalschützer gefallen sei, würden sich besagte Investoren sicher auch an Eigentümer Lentner wenden. Für sie ist das Urteil der Denkmalpfleger Bestätigung: „Ich verstehe nicht, dass man überhaupt auf die Idee kommen kann, ein so wunderschönes Haus abzureißen.“

Christina Jachert-Maier

Deshalb ist das Gasthaus Glasl ein Denkmal:

In einer ausführlichen Stellungnahme begründet das Landesamt für Denkmalpflege die Aufnahme des Gasthofs Glasl in die Bayerische Denkmalliste. Das ehemalige Wirtshaus stamme aus dem Jahr 1865 und habe geschichtliche Bedeutung. Mit der doppelflügligen, reich geschnitzten Haustür setze es sich von den gleichzeitig entstandenen Bauernhäusern ab.

Das stattliche Gebäude sei auch ein Zeugnis für die touristische Nutzung am Tegernsee  und im Tegernseer Tal im 19. Jahrhundert. Nachdem die Wittelsbacher den Tegernsee und die Umgebung zur Erholung und als Jagdgebiet auserkoren hatten, kamen auch Sommerfrischler hierher. Die Erneuerung des Gasthauses in den 1930er Jahren sei dem Anstieg des Fremdenverkehrs in Oberbayern in diesen Jahren geschuldet. Das Gasthaus habe auch künstlerische Bedeutung. Das Gebäude gehöre zum Typus der in den 1860er Jahren errichteten Bauernhäuser als Einfirsthof mit Flachsatteldach und einem zweigeschossigen Wohnteil mit Mezzanin sowie Balkonen. Aus dieser Gruppe von Bauten trete das Gasthaus Glasl auf Grund seiner Größe und der aufwendig gestalteten Haustüre hervor. Mit den bei der Ungestaltung gesetzten Dekorelementen im Heimatschutzstil sei das Gebäude ein besonderes Beispiel für eine zeitgenössisch aktuelle Gestaltungsform, die der Stärkung des Heimatbezugs diente. Zudem gebe es auch eine volkskundliche Bedeutung: Das Gebäude habe sowohl als Gasthaus als auch als landwirtschaftliches Anwesen gedient. Das Gebäude gebe damit Zeugnis ab, dass bei einem ländlichen Gasthaus im 19. Jahrhundert zumeist eine landwirtschaftliche Nutzung mit angegliedert war.

mm

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