„Teile aus der Beute weggeworfen“

Rottach-Egern: Einer der Täter räumt Überfall ein

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Die vier Angeklagten (von links): Thomas W., Ralf K., der mutmaßliche Hehler Bernd K. und Ingo W.

Rottach-Egern - Im Fall des äußerst brutalen Raubüberfalls auf ein vermögendes Ehepaar in Rottach-Egern hat jetzt einer der Täter gestanden und berichtet, wie die Viererbande vorgegangen ist.

Eine Stunde Autofahrt liegt zwischen dem westfälischen Lünen und Hagen. In diesen Städten wuchsen sie auf. Thomas (49), sein Bruder Ingo (42) und Ralf, genannt „Kalli“ (56). Das Quartett vervollständigte Bernd K. (75), der als Kaufmann auch Kunstwerke ankauft. Lange haben sich die Männer nicht gesehen. Schließlich sitzen zwei von ihnen – Thomas W. und Ralf K. – seit einem Jahr in U-Haft, Ingo W. seit Ende Juni. Am Mittwoch trafen sich alle wieder vor dem Vorsitzenden Richter Martin Rieder am Landgericht München II, wo sie anhören mussten, was ihnen Staatsanwalt Florian Gliwitzky vorwarf: versuchter Mord, schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung bei den Brüdern, unter anderem Anstiftung zum schweren Raub bei Ralf K., und Bernd K. soll ein Hehler sein. Es geht um den Fall Rottach-Egern, den äußerst brutalen Raubüberfall auf ein vermögendes Ehepaar.

Im Januar 2014 wurden Dagmar und Heinz J. (76 und 73) in ihrer Villa von zwei Männern überfallen und gefesselt. Es folgten qualvolle 16 Stunden. Die Täter, für die Staatsanwaltschaft waren es Thomas und Ingo W., verließen die Villa mit einer riesigen Beute: Uhren und Schmuck im Gesamtwert von 256.000 Euro, Porzellan und Golddosen mit einem Gesamtwert von über einer Million Euro. Als sie verschwanden, „war den angeklagten Thomas W. und Ingo W. bewusst, dass sich die Geschädigten in einem schlechten Zustand befanden. Sie wussten zudem, dass es alleine vom Zufall abhängt, ob beide lebend angetroffen und von ihren Fesseln befreit werden“, sagte Ankläger Gliwitzky. Sie hätten billigend in Kauf genommen, dass die Geschädigten verdursten, verhungern. Dass sie noch leben, verdanken sie der Sorge des Sohnes, der einen Nachbarn alarmierte.

Nur einer der Angeklagten äußerte sich zu den Vorwürfen: Thomas W., der ältere der Brüder, so etwas wie der Beschützer des Kleineren, den er in seiner von Verteidiger Patrick Ottmann verlesenen Stellungnahme nur als „Mittäter“ bezeichnete. Thomas W., der im Alter von Anfang 20 zum ersten Mal im Jugendgefängnis einsaß und es auf neun Vorstrafen bringt – übrigens acht weniger als Ralf K. – gestand dabei den Überfall. Schulden plagten ihn damals. Sein Freund Kalli, dem vorgeworfen wird, er habe am Tegernsee Informationen zu lohnenden Einbruchsobjekten gesucht, habe gemeint: „Du brauchst Kohle, ich gebe dir einen Tipp, wo was zu holen ist.“ Kalli hatte nämlich auf einer Geburtstagsfeier das Ehepaar J. kennengelernt und ausgehorcht.

Ursprünglich wollte W., der die Villa mehrmals ausbaldowert hatte, selbst einsteigen. Als er aber eine Alarmanlage entdeckte, schwenkte er auf Überfall um. „Ich habe einen Mittäter gesucht.“ Mit diesem sei er eingedrungen, eine Waffe habe er nicht gehabt, nur Pfefferspray. Das sei aber wirkungslos gewesen, als ihn der Hausherr angegriffen habe. Heinz J. wurde überwältigt und zunächst mit Kabelbindern gefesselt, „Ich habe nicht bemerkt, dass die Geschädigten bei schlechter Gesundheit waren.“ Wenn es stimmt, was er berichtet, hat sich das Ganze für ihn nicht gelohnt: Beim Abtransport der Beute wurden Porzellanstücke beschädigt, er habe sie weggeworfen. Entlohnt wurde er angeblich mit einer Nautilusuhr und 2000 Euro in bar.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Markus Christandl

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