Retter rücken mit Bodyguards zusammen

Milliardär sorgt für Verwirrung bei Wasserwacht

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Usmanows Bootshütte: Im Hintergrund ist die der Wasserwacht zu sehen, die die Einsatzkräfte nur noch mit vorheriger Anmeldung betreten sollten. Das Missverständnis wurde allerdings schnell geklärt.

Rottach-Egern - Einer der reichsten Russen lebt in einer Villa am Rottacher Seeufer - und sorgte jetzt für Verwirrung bei der Wasserwacht. Die rückte mit seinen Bodyguards zusammen.

Gazprom-Manager Alisher Usmanow hat die Villa am See 2013 umgebaut. Sogar ein Bunker soll sich dort jetzt befinden.

Franz Weiß, Vorsitzender der Rottacher Wasserwacht, erinnert sich noch gut an das erste Zusammentreffen mit Alisher Usmanow. Das war schon vor etwa eineinhalb Jahren. Damals hatte der Gazprom-Manager Usmanow – geschätztes Vermögen 17,7 Milliarden Dollar – die Prachtvilla am Rottacher Schorn gerade erst erworben. „Er stellte sich als neuer Eigentümer und unser Nachbar vor“, berichtet Weiß. Als Übersetzer habe Usmanow einen „blonden Herr mit sehr schickem Anzug“ neben sich gehabt, der hervorragend Deutsch sprach.

Usmanow ließ das schon 1936 von SS-General Karl Wolff errichtete Haus am Rottacher Schorn aufwändig renovieren und umbauen. Es soll nun unter anderem über einen Bunker verfügen. Die Ansiedlung des Oligarchen am Tegernsee sorgte im vergangenen Jahr für viel Aufsehen, auch das Fernsehen berichtete.

Die Wasserwachtler sollten die Hütte nur noch mit Anmeldung betreten

Inzwischen ist Ruhe eingekehrt. Die Arbeiten an der riesigen Villa und dem Bootshaus sind abgeschlossen. Letzteres befindet sich ganz in der Nähe der Rottacher Wasserwachthütte. Geschützt wird das Anwesen des Russen von einer deutschen Sicherheitsfirma. Als nun ein Wasserwachtler im Frühjahr die daneben liegende Bereitschaftshütte ansteuerte, hieß es: Stopp. Das Betreten der Hütte solle aus Sicherheitsgründen künftig vorher angemeldet werden.

„Aber das geht nicht“, meint Weiß. Die Wasserwacht müsse schließlich auf Notfälle reagieren. Und Ertrinkende melden sich eben auch nicht vorher an. „Aber das konnten wir schnell klären“, berichtet Weiß. Die Wasserwacht könne ihre Hütte jetzt völlig uneingeschränkt nutzen. Usmanow halte sich ohnehin nicht oft in seinem Haus in Rottach-Egern auf, berichtet Weiß. „Dieses Jahr habe ich ihn nur einmal auf dem Steg gesehen.“ Ansonsten bewegten sich nur Angestellte auf dem Grundstück.

Mit dem russischen Nachbar kommt man gut aus

Im Übrigen, merkt Weiß an, sei die Renovierung der Villa am Seeufer sehr schön und ortstypisch erfolgt. Der Russe habe beim Umbau lauter einheimische Handwerker beschäftigt, unter anderem auch ihn persönlich. Die Zusammenarbeit sei sehr angenehm gewesen, erinnert sich Weiß: „Und das Pulver hat auch gestimmt.“

Usmanow ist schon seit etlichen Jahren immer wieder zu Gast in Rottach-Egern. Vor dem Hauskauf logierte er in einem Luxushotel am See. Er gilt als drittreichster Russe und ist stets von Sicherheitskräften geschützt. In Rottach-Egern, das bestätigt auch Bürgermeister Christian Köck, lebt er sehr unauffällig. Dass dies möglich sei, schätze der Russe auch sehr.

Von Christina Jachert-Maier

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