Gasthaus Maximilian wird übernommen

Ruine von Gmund wird wieder Wirtschaft

+
Verwilderter Biergartern, vernagelte Fenster: Das Maximilian in Gmund.

Gmund - Seit über 30 Jahren verfällt Im Ortszentrum von Gmund am Tegernsee der denkmalgeschützte Gasthof Herzog Maximilian in Bayern. Doch jetzt gibt es neue Hoffnung.

Für Faschingsnarren ist die Ruine ein Schandfleck.

Der Gasthof Herzog Maximilian in Bayern sorgt in Gmund am Tegernsee für eine gefühlte Ewigkeit für mächtig Ärger bei Einheimischen, Ausflüglern und Touristen. Jedes Jahr bekam die leer stehende Wirtschaft neue Spitznamen, wobei Brennnessel-Biotop wohl der Schmeichelhafteste gewesen sein dürfte. Und wie Spitznamen wechselten auch mögliche Nutzungen der uralten Gemäuer, selbst ein Fastfood-Restaurant war mal im Gespräch.

Bürgermeister Georg von Preysing.

Doch nun keimt Hoffnung auf: Das Herzogliche Brauhaus in Tegernsee übernimmt das Maximilian von einem niederländischen Investor – schon im Frühjahr 2016 könnten die Gäste wieder einkehren. Für den Tegernsee eine Nachricht, wie sie nicht mehr zu erwarten war. Der Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing schwärmte wegen der Entwicklung und dem Käufer: „Das Brauhaus ist ja mit dem Maximilian fest verwurzelt.“

Das Herzogliche Brauhaus in Tegernsee übernimmt die Gaststätte und will sie wieder zur richtigen Wirtschaft machen.

Der Eigentümer von Schloss Tegernsee, König Max I. Joseph, war im 19. Jahrhundert drei Jahre lang auch Besitzer der heutigen Ruine. „Insofern ist die Übernahme und Renovierung für uns eine Verpflichtung und Herzensangelegenheit“, so das Herzogliche Brauhaus in einer Erklärung. Für das Erdgeschoss sei eine „typische Dorfwirtschaft für jedermann“ geplant. Im ersten und zweiten Stock sollen Gewerbe integriert werden. Der bisherige Besitzer des Wirtshauses, der Investor Ter Brinke Gruppe, bleibt im Boot. Das Unternehmen will sich um weitere Gebäude auf dem Areal kümmern. Darunter um einen Supermarkt.

Seinen Namen erhielt der Gasthof von Herzog Maximilian in Bayern, der mit dem Wirt Max Obermayer (1821 bis 1898) befreundet war (siehe unten). Obermayer gilt auch als Begründer der Fleckviehzucht in Oberbayern, auf ihn gehen die Kühe zurück, die er aus der Schweiz einführte und die unsere Almen nun so bereichern. Irgendwie passend, dass sich einige heute noch an folgende Begebenheit über die letzten lebenden Gäste im Maximilian erinnern. Vor Jahren haben sich in den Räumen Kälber verlaufen. Im Tal hieß es: Selbst d’ Rindviecher suchen jetzt einen Wirt!

675 Jahre lange Geschichte

1822 der Besitzer: König Max I. Joseph.

Das Maximilian blickt auf eine stolze Geschichte zurück: Schon 1339 wird in Urkunden ein Wirtsbetrieb an seiner Stelle erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg brannte die Taverne aber nieder, das Kloster Tegernsee baute sie wieder auf. In Anerkennung der gastronomischen Leistung wird dem Haus um 1780 der Name Herzog Maximilian in Bayern verliehen.

Herzog Maximilian, der Zither-Maxl.

Nach einem staatlichen Intermezzo ersteigert König Max I. Joseph 1822 die Tafernwirtschaft, nachdem er bereits den Hof Kaltenbrunn gekauft hatte. 1824 erwerben Joseph und Franziska Obermayer das Haus, das an Sohn Max, den Begründer der bayerischen Fleckviehzucht, übergeben wird. Damals kam viel Prominenz: Fast schon Stammgast war etwa Kaiserin Sisis Vater Herzog Maximilian in Bayern (1808 bis 1898), der wegen seiner Leidenschaft fürs Saiteninstrument Zither-Maxl genannt wurde.

1898 folgt die herzogliche Güteradministration, die an die Gmunder Familie Glasl verkauft. In den 1970er-Jahren erlebt das Anwesen eine Blütezeit bei rauschenden Festen.

Gerti Reichl/Markus Christandl

Auch interessant

Meistgelesen

Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
„Es war nicht die erste Alte, die ich umgenietet habe“
„Es war nicht die erste Alte, die ich umgenietet habe“
Am Mittwoch heulen wieder die Sirenen
Am Mittwoch heulen wieder die Sirenen
Hotline: Hier finden seelisch Kranke Hilfe
Hotline: Hier finden seelisch Kranke Hilfe

Kommentare