Thomas L. verschwindet vor angeordnetem Strafantritt

Samba statt Knast: Mörder auf der Flucht

Straubing - Wer will schon für immer ins Gefängnis, wo doch auf der anderen Seite des Atlantiks, und zwar im heißen Brasilien, ein Leben voller Exotik lockt? Der "Strohballen-Mörder" ist immer noch auf der Flucht.

Thomas L. (33), dem der Spitzname Strohballen-Mörder anhaftet, er hatte sein Opfer in Straubing zwischen Strohballen abgelegt, hat sich für die erfreulichere Alternative entschieden. Er ist auf der Flucht. Im Dezember 2012 war er wegen des Mordes an seinem Onkel Karl H. (48) vom Landgericht Regensburg zur Höchststrafe verurteilt worden. Dabei hatte es im Jahr 2008 in einem ersten Prozess gut für ihn ausgesehen: Freispruch aus Mangel an Beweisen. Doch der Bundesgerichtshof (BGH) hob den Freispruch auf und wies den Fall zur Neuverhandlung zurück.

Schließlich lautete im Dezember 2012 Lebenslang das Urteil im zweiten Prozess. Nach dem Urteil erließ Oberstaatsanwalt Klaus Dieter Fiedler sofort Haftbefehl, Knast für Thomas L., die Verteidigung ging vor dem Bundesgerichtshof in Revision. Drei Monate später entschied das Oberlandesgericht Nürnberg: Der Haftbefehl muss wieder aufgehoben werden. Die Gründe hierfür sind ein juristisches Schmankerl: Thomas L. wäre früher schon trotz einer Anklage auf freiem Fuß gewesen, zudem war vor dem Prozess ein Haftbefehl außer Vollzug gesetzt worden. Ein bereits außer Vollzug gesetzter Haftbefehl kann nur dann neu erlassen werden, wenn wesentlich neue Umstände existieren. Dies sei nicht gegeben. Somit kam Thomas L. wieder in Freiheit, und erhielt auch gleich den Pass wieder, „auch Auflagen musste er wegen des aufgehobenen Haftbefehls nicht erfüllen“, sagt Oberstaatsanwalt Fiedler. Man kann sich vorstellen, dass Thomas L. nun seine wiedergewonnene Freiheit nicht nur mit Warten auf Karlsruhe ausfüllte, sondern auch eine Flucht plante.

Am 19, August traf schließlich bei der Staatsanwaltschaft Straubing die BGH-Entscheidung ein, per Behördenpost. Kurz: Urteil bestätigt, Strafantritt. Fiedler schickte Polizisten zwecks Inhaftierung zur Straubinger Wohnung des verurteilten Mörders. Doch der hatte nicht gewartet – dank eines Informationsvorsprungs, den ihm die reguläre Deutsche Post verschafft hatte. Bereits drei Tage zuvor hatte sein Regensburger Rechtsanwalt Michael Haizmann den Beschluss in den Händen. „Ich nehme an, dass es bei meinem Mandanten genauso war“, sagte Haizmann der tz.

Fiedler ist zu bedauern: Er leitet nun die erneute Suche nach einem Mann, den er schon längst hinter Gitter geschickt zu haben glaubte. Doch eine Festnahme dürfte sich schwierig gestalten. Thomas L. wird in Brasilien vermutet, von dort schickte er jedenfalls der Bildzeitung einen Gruß: „Ich brauche Luft, um Hilfe und Aufmerksamkeit zu bekommen. Meine einzige Chance. Ich bin unschuldig.“ Er habe vor Ort über die französiche Botschaft Kontakt zum Bundeskriminalamt aufgenommen. Ob das alles stimmt? Tja …

In Brasilien kennt sich L. jedenfalls gut aus, er besuchte das Land häufig und war mit einer Einheimischen verheiratet.

Markus Christandl

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