Schüler müssen um Schlüssel bitten

Kot an den Wänden: Schule sperrt WCs ab

Bad Tölz-Wolfratshausen - Um aufs stille Örtchen zu gehen, müssen sich Kinder einer Schule im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beim Lehrer den Schlüssel holen. Grund: Ekelhafte Sauereien auf den WCs.

Unappetitliches spielt sich derzeit an Schulen in der Region ab. „Die Putzfrauen müssen Kot aus den Waschbecken und von den Wänden kratzen", sagt der Schulleiter einer Bildungsanstalt im Isarwinkel. Aus Angst um den Ruf seiner Schule will er sich namentlich nicht nennen lassen. „Es wird mitten auf den Boden der Toilette gebieselt." Ganz offen ist unterdessen Michael Basel, Konrektor der Südschule in Bad Tölz. „Verschiedene Exkremente - nennen wir es mal so - werden auf den Fliesen verteilt und mit Toilettenpapier verziert."

Beide wussten sich nicht anders zu helfen, als die Toiletten abzuschließen. „Den Schlüssel kriegt jeder und jederzeit", betont der Isarwinkler Rektor. „Aber das ist unsere einzige Chance einzugrenzen, wer das gewesen sein könnte", sagt er. „Wir können uns ja nicht in die Toiletten reinstellen oder eine Kamera aufhängen." Die Zustände seien nicht mehr tragbar gewesen. „Wenn in aller Früh wieder die Putzfrau an die Bürotür klopft, da schämt man sich aufs Gröbste."

So sieht es auch Basel. „Das ist einer Putzfirma nicht zuzumuten, das geht einfach nicht." Da die Südschule neben der Mittel-, auch eine Grundschule hat, weiß der Konrektor, dass auf einem WC auch mal was daneben gehen kann. „Da sagt auch keiner was. Aber das ist mutwilliger Vandalismus, und der hat seine Grenzen."

Seit Montag müssen sich die Südschüler bei ihrem Lehrer den Toilettenschlüssel und eine Rolle Klopapaier holen. Der Lehrer notiert dann Name, Uhrzeit und welche Toilette besucht wurde.

Im Isarwinkel gibt es dieses Konzept bereits seit Schuljahresbeginn. „Es hat danach deutlich nachgelassen, ganz abstellen konnten wir's leider nicht." So ließ der Isarwinkler Schulleiter die Türen nach den Weihnachtsferien wieder auf - jedoch nicht lange: „Innerhalb einer Woche wurde wieder fünfmal mitten auf den Boden gebieselt."

Zuvor fanden bereits ausführliche Gespräche mit den knapp 230 Schülern, Lehrern und den Mitgliedern des Elternbeirats statt. Auch ein Elternbrief ging raus. Gefruchtet haben diese Maßnahmen nicht. „Wir waren ratlos." Der Rektor suchte bei Kollegen anderer Schulen Rat und erfuhr dort von ähnlichen Vorfällen. Welche Schulen konkret betroffen sind, will er nicht verraten.

An der Südschule sieht Basel die verschlossenen Türen zunächst als Versuch bis zu den Osterferien. Ändert sich nichts, wird wieder zugesperrt. Denn er betont: „Die Schüler müssen sehen, dass das nicht akzeptiert wird."

Warum so etwas überhaupt passiert, können weder Basel noch sein Isarwinkler Kollege sagen. „Diese Frage habe ich mir auch gestellt." Basel schließt Absprachen in Sozialnetzwerken im Internet nicht aus. „Nach dem Motto: Heute sch... wir dem mal die Wand voll."

Julia Pawlovsky

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Die German Toilet Organization hatte im Januar bemängelt, dass bundesweit ekelhafte Zustände auf Schultoiletten herrschen - lesen Sie mehr!

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