Sie steht in Arget bei Sauerlach

Das Geheimnis der Corona-Kapelle - Seit der Pandemie ist sie eine Pilgerstätte geworden

Die St.-Corona-Kapelle in Arget bei Sauerlach: Seit der Pandemie kommen mehr Menschen hierher.
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Die St.-Corona-Kapelle in Arget bei Sauerlach: Seit der Pandemie kommen mehr Menschen hierher.

Seit über 400 Jahren gibt es die Kapelle St. Corona in Arget bei Sauerlach. Die Pandemie hat sie zu einem beliebten Wanderziel gemacht.

Arget – „Die heilige Corona soll bei Zahn- und Augenweh und bei Geldsorgen geholfen haben“, sagt Helmut Berthold. „Mancherorts wurde sie auch bei Seuchen angerufen.“ Ein Zufall ? Helmut Berthold kennt die Geschichte von Sauerlach wie seine Westentasche. Der 81-Jährige ist Chronist der Gemeinde, zu der auch eine kleine Kapelle im Ortsteil Arget gehört. Das Besondere an der Gedenkstätte: die Kapelle ist der heiligen Corona* gewidmet.

„Das ist sie, die heilige Corona“, sagt Pfarrer Josef Steinberger und geht auf eine Malerei auf der linken Seite des Altars zu. Er deutet auf das Bild. „Hier sieht man ihr Martyrium. Sie wurde wegen ihres Glaubens getötet, weil sie Christin war“, erklärt der 57-Jährige. „Das sind die Palmen, zwischen denen sie aufgehängt und grausam auseinandergerissen wurde – zumindest der Legende nach.“

Rund drei Jahre ist Steinberger schon Pfarrer der katholischen Gemeinde Sauerlach. Vorher hatte der Kapelle kaum jemand Beachtung geschenkt, doch seit Ausbruch der Pandemie hat sich das geändert. „Corona war eine junge Frau, die im zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus in Syrien gelebt haben soll“, erzählt Steinberger weiter. Am 14. Mai ist ihr Namenstag. An diesem Datum finden auch immer Gottesdienste ihr zu Ehren statt.

Kapelle St. Corona: Sie wurde 1599 erstmals in Aufzeichnungen erwähnt„

„Sie trägt eine Krone auf ihrem Kopf. Corona bedeutet übersetzt Krone“, sagt er. Daher auch die Namensgleichheit mit dem Virus. Denn dieses ähnelt, unter dem Mikroskop betrachtet, einer Krone.

Die Kapelle St. Corona in Arget gibt es schon seit über 400 Jahren. Sie wurde 1599 erstmals in Aufzeichnungen erwähnt. Früher kannten fast nur Ortsansässige die kleine Gedenkstätte im Wald auf dem Weg nach Gumpertsham. „Davor sind die meisten Leute einfach vorbeigefahren. Die Kapelle ist ja auch eher unauffällig“, sagt Berthold. Der Chronist kennt die Kapelle schon seit seiner Kindheit. Er kommt alle paar Wochen, um nach dem Rechten zu schauen. „Höchstens ein paar Wanderer sind vorbeigekommen, um Rast zu machen. So, wie es außen an der Kapelle geschrieben steht.“ Er liest die Inschrift auf der Außenfassade des Gebäudes: „Müder Wanderer stehe still, mach bei Sankt Corona Rast. Dich im Gebet ihr fromm empfiehl, wenn Du manch Kummer und Sorgen hast.“ Dass die Menschen wegen der Pandemie auf einmal so viel Interesse an der Kapelle finden, damit hatte Berthold nicht gerechnet.

„Das hat man richtig mitgekriegt“, erzählt er und deutet auf die kleine Waldfläche neben der Kapelle. „Auf einmal waren Autos da von München*, Freising, Ebersberg*, Schongau und Weilheim. Das hat man an den Kennzeichen gesehen“, sagt er. „Die sind von überall hergekommen. Auch Spaziergänger, Radlfahrer und Senioren-Fahrradgruppen halten hier.“

Kapelle St. Corona in Arget / Sauerlach: „Spendet in dieser schwierigen Zeit Trost“

Das erzählt auch der Pfarrer der Kapelle St. Corona, Josef Steinberger. Vor allem an Samstagen und Sonntagen kommen viele „Gottsuchende“, wie er sagt, um zu beten und eine Kerze anzuzünden. Im Vorraum der Kapelle hängen Bilder und Gebete an den Wänden. Am Boden ist ein Kreuz aufgestellt, vor dem bereits einige Kerzen brennen. „Davor hat dort nur ein Licht gebrannt“, erzählt der Pfarrer und hebt ein leeres Teelicht auf. „Jetzt ist meistens der ganze Boden bedeckt. Zwei oder drei Mal die Woche muss jemand vorbeikommen, um die abgebrannten Lichter wegzuräumen.“

Für viele Gläubige ist die Gedenkstätte der heiligen Corona wegen der Pandemie zu einer Art Pilgerstätte geworden. So wie für einen Münchner, der die Kapelle als Ziel für seine Fahrradtour gewählt hat. Er hält an der Kapelle, holt ein paar Münzen aus seinem Rucksack und betritt den Vorraum der Gedenkstätte. Dort zündet er ein Teelicht an und stellt es behutsam zu den anderen Kerzen, die bereits den Boden bedecken. Schließlich hält er inne und betet für sich im Stillen. „Ich suche mir immer eine Kapelle als Ziel für meine Fahrradtouren“, erzählt er. 70 Kilometer hat er zurückgelegt, um an der Kapelle zu rasten. „Ich mache das für die Gesundheit, aber auch als Zeichen der Achtsamkeit. Ich zünde immer eine Kerze an, für die Kranken.“ Auch ein Radfahrer aus Oberhaching hält bei der Kapelle. „Aus persönlichen Gründen“, wie er erzählt. „Gerade in dieser stressigen Zeit tut es gut, für ein paar Minuten zur Ruhe zu kommen.“

Die Beweggründe der Besucher sind individuell. „Die Kapelle ist ein Ort, der vielen in dieser schwierigen Zeit Trost spendet. Viele haben das Bedürfnis herzukommen“, erklärt der Pfarrer. Durch die Pandemie sei lange vieles in der Gemeinde weggebrochen. Und Gottesdienste waren nur mit strengen Abstands- und Hygieneregeln möglich. Steinberger ist froh, dass Orte wie die Kapelle trotzdem aufgesucht werden. „Hier können die Leute ihren Glauben ausleben.“

St. Corona: Pfarrer Steinberger und seine persönliche Pilgerfahrt

Die meisten kommen mit dem Fahrrad oder dem Auto. „Es gibt auch einen kleinen und sehr schönen Weg durch den Wald. Er beginnt unten bei der Kirche“, sagt Pfarrer Steinberger. Der 30- minütige Spaziergang sei zwar nicht mit Wallfahrten wie dem Jakobsweg zu vergleichen, dennoch findet er: „Das ist wie ein kleiner Pilgerweg, weil man sehr gut zur Ruhe kommen kann.“

Auch für den Pfarrer selbst hat der Ort durch die Pandemie eine neue Bedeutung bekommen. Bevor er die Stelle in der Gemeinde Sauerlach annahm, wusste er nicht, dass die Kapelle existiert. Schicksal? „So einmal die Woche komme ich selbst her“, erzählt Josef Steinberger. „Ich fahre dann immer von Sauerlach mit dem Fahrrad zur Kapelle, um zu beten.“ Das sei seine ganz persönliche Pilgerfahrt. - MERLE HUBERT - *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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