Dramatische Szenen im Pendlerzug aus München

Schießerei im Allgäu-Express: Ein Toter, drei Schwerverletzte

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Kleines Bild: In diesem Zug fielen am Freitag Schüsse. Großes Bild: Das Gelände rund um den Kemptener Bahnhof wurde am Freitagnachmittag weiträumig abgesperrt.

Kempten - Dramatische Szenen in einem Pendlerzug aus München: Als Polizisten die Fahrgäste kontrollieren, kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung. Ein Polizist wird angeschossen, ein zweiter verletzt, ein Täter stirbt.

Dramatische Szenen in einer Regionalbahn: Als Polizisten am Freitagnachmittag die Fahrgäste kontrollieren, fallen plötzlich Schüsse. Großalarm im Allgäu! Die Bilanz am Ende des Tages: Ein Täter tot, ein zweiter schwerverletzt, dazu zwei verletzte Polizeibeamte.

München Hauptbahnhof, 13.19 Uhr am Freitag: Auf Gleis 27 setzt sich die Regionalbahn mit Ziel Lindau in Bewegung. An Bord sind 120 bis 150 Pendler, die ihre Arbeit beendet haben und sich aufs Wochenende freuen. Was sie noch nicht wissen: Ihnen steht die dramatischste Zugfahrt ihres Lebens bevor.

Schaffner macht Durchsage: "Im Zug wird geschossen!"

Mit im Zug sind zwei Beamte der Bundespolizei. Sie durchstreifen die Waggons, kontrollieren den einen oder anderen Reisenden. Als sie beim Check zweier Männer – einer soll 44 Jahre alt sein – feststellen, dass gegen einen ein Haftbefehl besteht, gerät die Situation außer Kontrolle. Es fallen Schüsse! So ganz aufgeklärt ist der genaue Ablauf noch nicht, doch hat offenbar der eine Täter eine Pistole bei sich gehabt, der andere hat einem Beamten die Waffe entwendet. Ein Polizeibeamter erleidet einen Beinschuss, der zweite wird durch einen Hieb auf den Kopf verletzt. Der Zug befindet sich zu diesem Zeitpunkt zwischen Kaufbeuren und Kempten.

Eine Reisende berichtet, die Fahrgäste seien vom Schaffner nach der Durchsage „Im Zug wird geschossen!“ aufgefordert worden, in einen der hinteren Waggons zu gehen. Einige seien in Panik nach hinten gestürmt. Dann habe der Zug auf offener Strecke gestoppt.

Kemptener Innenstadt weiträumig abgesperrt

Viele Fahrgäste nutzen die Gelegenheit, springen aus dem Zug und verstecken sich in einem nahen kleinen Wäldchen. Dann aber sind die Zugtüren plötzlich wieder zu. Es gibt eine Durchsage „Sie sind in Sicherheit“, dann setzt sich die Bahn wieder in Bewegung. In Kempten stoppt der Zug auf Gleis drei, die Reisenden werden aufgefordert, die Waggons schnell zu verlassen. Am Bahnhof sind bereits mehr als hundert Einsatzkräfte versammelt: Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten, Feuerwehrler, Ärzte und Sanitäter. Die Kemptener Innenstadt wird weiträumig abgesperrt, es herrscht Ausnahmezustand. Schließlich geht es um die Frage: Wo sind die Täter?

Ziemlich schnell macht die Meldung die Runde, dass an der Bahnstrecke zwischen Günzach und Wildpoldsried eine Leiche liegt – es ist die eines der beiden Täter. Ob er beim Sprung aus dem Zug zu Tode gekommen ist oder durch einen Schuss, bleibt bis zum Abend unklar.

Fotos: Schießerei im Zug nach Kempten - Täter tot

Fotos: Schießerei im Zug nach Kempten - Täter tot

Die Einsatzkräfte der Polizei durchkämmen derweil den im Kemptener Bahnhof stehenden Zug und das Bahnhofsgebäude. Der zweite Täter sei geflohen, heißt es. Ein Polizeihubschrauber steigt auf, um die Suche nach ihm zu unterstützen.

Auch die Gegend an der Bahnstrecke wird genauestens abgesucht. Prompt entdecken Polizeibeamte den zweiten Täter: Er ist schwer verletzt und hat sich in dem Wäldchen versteckt, wo auch die fliehenden Fahrgäste beim Stopp des Zuges hingerannt waren. Der Mann wird ins Krankenhaus geflogen.

Über die Identität der beiden Kriminellen war bis zum Abend nichts bekannt.

mdu

Update: Auch die genauen Hintergründe sind weiter unklar. Vor allem der Hergang des dramatischen Geschehens muss noch ermittelt werden. Da auch ein zufällig anwesender Beamter des Landeskriminalamtes an dem Schusswechsel beteiligt war, hat das Innenministerium die weitere Bearbeitung dem Polizeipräsidium München übertragen.

dpa

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