Dreifacher Mordversuch vor Gericht

Schießerei im Zug: So überlebte ein Polizist

+
Am Tattag herrschte auch am Bahnhof in Kempten Alarmzustand, denn niemand wusste, was passiert war.

Kempten - Bei der Schießerei im Regionalexpress von München nach Lindau starb im vergangenen März ein Angreifer, der andere steht jetzt vor Gericht. Ein Bundespolizist verdankt einer Schutzweste sein Leben.

Lag im Koma: der angeklagte Michael W.

Schüsse im Regionalexpress – das war im März 2014 keine Fiktion, es war brutale Realität. Als die beiden Bundespolizisten Andreas U. (45) und Karlheinz W. (57) zwei Passagiere kontrollieren wollten, gingen diese sofort mit gezogener Waffe auf die Beamten los. Es folgte eine Verfolgungsjagd im Zug. Dabei fielen viele Schüsse. Am Ende war der eine Angreifer, Victor P., tot, der andere lag im Koma. Ein Polizist wurde niedergeschossen, der andere bewusstlos geprügelt. Dazwischen 300 panische Fahrgäste, die teils auf freier Strecke aus den Abteilen flohen.

Seit Donnerstag muss sich der überlebende Angreifer Michael W. (45) vor dem Landgericht Kempten u.a. wegen dreifachen Mordversuchs verantworten.

Bis 14.18 Uhr war die Kontrolle der Regionalbahn von München nach Lindau Routine für Andreas U. und seinen Kollegen Karlheinz W. Doch zwei Passagiere in einem ansonsten leeren Abteil kamen den Beamten seltsam vor. Sie fragten die Personalien ab. Gegen den vorbestraften Michael W. lag nichts vor. Doch bei Victor P. kam die Meldung: Ausgeschrieben zur Festnahme. „Noch bevor ich ihm die Festnahme erklären konnte, fiel ein Schuss“, erinnerte sich Karlheinz W. Victor P. hatte eine Gaspistole abgefeuert, der andere, Michael W., stürzte sich nun von hinten auf U. Der wehrte sich: „Ich lag auf den Sitzen, versprühte eine halbe Dose Pfefferspray – ohne Wirkung.“

Panisch wollte sein Kollege seine Dienstwaffe ziehen, doch er bekam sie nicht aus dem Holster. Der Beamte floh deswegen, aber die beiden Gewalttäter verfolgten ihn. Victor P. holte ihn ein und schlug ihn mit seiner Pistole nieder. Während W. bewusstlos zu Boden ging, raubte der jetzt Angeklagte ihm die scharfe Waffe.

Im Abteil hatte sich inzwischen der benommene Andreas U. berappelt. Im Gang kam dem Bundespolizisten mit gezückter Waffe Michael W. entgegen. „Er hat gleich geschossen.“ Ein Treffer ins Bein riss den Polizisten zu Boden, seine Schutzweste machte einen Bauchschuss unschädlich. Er selbst konnte achtmal feuern, verletzte dabei W. leicht.

Karlheinz W. kam ein zufällig mitreisender LKA-Beamter zu Hilfe. Gemeinsam rückten sie vor. Direkt hinter der Lok trafen sie auf die schießwütigen Passagiere. „Ich knall Euch ab, Ihr kriegt mich nicht“, rief Michael W. Staatsanwalt Bernhard Menzel: „Angesichts der aussichtslosen Lage sprang der Angeklagte aus dem mit zirka 90 Stundenkilometer fahrenden Zug.“ Sein Begleiter Victor P. war vorher abgesprungen und unter den Zug geraten. Er kam dabei ums Leben.

Der Prozess wird fortgesetzt, W. droht lebenslange Haft.

Auch interessant

Meistgelesen

Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Mann vergisst Auto - und dann macht er was ziemlich Dummes
Mann vergisst Auto - und dann macht er was ziemlich Dummes
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
Motorradfahrer übersieht abbiegenden Traktor - mit tödlichen Folgen
Motorradfahrer übersieht abbiegenden Traktor - mit tödlichen Folgen

Kommentare