Brauchtum artet aus

Klausen verprügeln Mutter vor ihren Kindern

Bad Reichenhall/Immenstadt - Düstere Gestalten sind schon seit Jahrhunderten rund um den Nikolaustag in Bayern unterwegs. Doch heuer ist der alte Brauch an einigen Orten ausgeartet.

Schaurige Gestalten mit gruseligen Masken, furchterregenden Kostümen, lauten Glocken und animalischen, unheimlichen Geschrei waren am Wochenende wieder in Bayern unterwegs: Am Vorabend vor Nikolaus machen Krampusse und Klausen traditionell die Straßen unsicher und erschrecken die Passanten. Doch für manche Schaulustige war der Schreck dieses Jahr weitaus größer, als es Sinn des Brauchtums ist. Was heuer in einigen Orten Bayerns passierte, hat längst nichts mehr mit der Tradition des Krampus- und Klausentreibens zu tun. Einige Schaulustige wurden bei dem Spektakel  zum Teil schwer verletzt.

Schädelbasisbruch in Bad Reichenhall

In Bad Reichenhall liegt, wie unser Partnerportal rosenheim24berichtet, eine Frau nach dem Besuch eines Krampuslaufs sogar auf der Intensivstation. Die 57-Jährige wurde gegen 20 Uhr zwischen zwei Christkindlmarkt-Buden in der Nähe der Pizzeria Il Centro von einem Mädchen umgerannt. Dadurch stürzte sie gegen einen Baum und fiel zu Boden. Sie erlitt einen Schädelbasisbruch.

Auch eine Familie wird das Krampustreiben in Bad Reichenhall sicher nicht so schnell vergessen.  Wie das Portal aktivenews  schreibt, versuchte ein Vater seine elfjährige Tochter vor einem Krampus zu beschützen und wurde deshalb selbst angegriffen. Durch die Schläge hat der Vater Wunden am Oberkörper und am Bein davongetragen. Erst der Nikolaus konnte - passend zu seinem Ruf als guter Heiliger - die Situation beruhigen. Der Täter tauchte unerkannt im Getümmel unter.

Einige Krampusse selbst wiederum wurden gegen 19.30 Uhr von drei Männern attackiert, schreibt rosenheim24. Die Besucher traten die gruseligen Gestalten und zogen an ihren Masken. Danach zettelte einer der Männer eine Schlägerei mit einem anderen Besucher an. Er wurde von der Polizei kurzzeitig in Gewahrsam genommen, seine beiden Kumpanen sind entkommen.

Bei dem Krampusslauf in Bad Reichenhall waren die Polizisten fast im Dauereinsatz. Gegen 21 Uhr griff ein Mann mit Sturmhaube andere Besucher an. Er konnte auf der Flucht gestellt werden.

Die Polizeiinspektion Bad Reichenhall (08651/970-0) sucht Zeugen, die Angaben zu dem Mädchen, das die Frau umgerempelt hat, machen können. Das Mädchen ist sehr schlank, ungefähr 1,70 Meter groß und trug dunkle, enge Jeans, einen olivfarbenen Parker, eine schwarz-graue Strickjacke, eine Beanie-Mütze und auffällige weiße, knöchelhohe Nike-Turnschuhe. Die Gesuchte hat lange, glatte blonde Haare. Sie war mit einem anderen Mädchen, das lange dunkle Haare hat, und eine enge Lederjacke sowie eine enge Jeans trug, unterwegs.

Kind in Immenstadt geschlagen

Im Allgäu waren nicht die Krampusse unterwegs, sondern die Klausen. Doch auch diese Tradition ist in einigen Orten ausgeartet.  Einen riesen Schock bekam bei einem Treiben in Immenstadt ein kleines Mädchen. Ein gruselig verkleideter Mann mit Holzmaske und einer ungefähr 20 Zentimeter langen Nase packte das Kind und zog es auf die Straße. Die Mutter konnte ihre Tochter nicht mehr festhalten. Die "Hästräger" zerrten das Mädchen einige Meter fort, bevor sie es wieder los ließen. Dann schlugen sie es mit Ruten. Obwohl wenn die Schläge nicht heftig waren, hatte das Kind große Angst: Es schrie während der gesamten Attacke laut und panisch.

Auch ein 19-jähriger wurde in Immenstadt von einem Klausen aus der Besucherreihe gezogen und mit der Rute geschlagen. Er trug schmerzhafte Striemen auf beiden Oberschenkeln davon. Der Krampus, der den jungen Mann angegriffen hatte, hatte deutlich helleres Fell als die anderen Teilnehmer seiner Gruppe. An seiner Maske war ein auffällig langer Bart, die Hörner waren zur Seite gedreht und standen etwa 50 Zentimeter weit ab.

Mutter vor Kindern verprügelt

Ein erschreckendes Erlebnis war das Klausentreiben wohl auch für drei Kinder aus Sonthofen. Ein Klause schlug mehrere Minuten auf ihre Mutter ein. Die 42-jährige Frau erlitt massive Prellungen und Blutergüsse an den Beinen. Die Polizei Sonthofen sucht dringend Zeugen für den Vorfall vor dem Cafe Elsässer.

Eine 25-jährige Sonthoferin wurde außerdem beim Klausentreiben in Burgberg verprügelt. Sie trug mehrere Schürfwunden am rechten Unterschenkel davon.

Klausen provozieren Unfall

In Schwangau ist durch eine übermütige Aktion während des Klausentreibens ein Unfall passiert, wie die Augsburger Allgemeine berichtet. Ungefähr zehn Klausen sprangen auf der Füssener Straße vor ein Auto. Dann legten sie Holzscheite vor die vorderen Räder, um zu verhindern, dass das Auto weiter fahren konnte. Der Fahrer setzte zurück und fuhr dabei einen anderen Pkw an. Wer Hinweise zu dem Unfall geben kann, wird gebeten sich bei der Polizei Füssen unter der Telefonnummer 08362/9123-0 zu melden.

cla, pi

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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