Nicht alle stöhnen unter dem harten Winter

Die schönen Seiten der Weißen Pracht: Wo der Schnee sehnlichst erwartet wurde

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Skulpturen aus Schnee baut Bildhauer Frank Bergmann in Lindenberg im Allgäu.

Seit anderthalb Wochen sorgt der Winter in Bayern für Chaos und Arbeit. Doch an manchen Orten wurden Schnee und Kälte sehnlichst erwartet. Drei Menschen berichten, warum der Winter für sie einen besonderen Zauber hat:

Schlange am Skilift

Die Schlange ist lang vor dem kleinen Schlepplift in Landsberied im Landkreis Fürstenfeldbruck. Dicke Schneeflocken fallen auf die rund 20 Kinder, die gespannt neben ihren Eltern darauf warten, nach oben zu fahren und ihre ersten Versuche auf Skiern zu machen. Direkt neben ihnen üben Snowboarder im Funpark Tricks und Sprünge. Für Wintersportler ist die kleine Liftanlage am Filzberg wie eine Oase auf dem Weg in die Alpen.

Seit Oktober betreiben die drei Freunde Benedikt Fuchs (35), Yves Eisenreich (29) und Florian Keller (33) die traditionsreiche Liftanlage. Ihr Vorgänger Dieter Schlederer musste nach 40 Jahren aus Altersgründen aufhören. „Als wir gelesen haben, dass ein Nachfolger für den Lift gesucht wird, waren wir gleich Feuer und Flamme“, sagt Fuchs. Die drei Freunde haben sich abgewechselt, um auch unter der Woche den Lift zu betreiben. „Das ist eine Auflage von der Gemeinde, von der wir die Anlage gepachtet haben, immer zu öffnen, wenn es möglich ist“, erklärt Fuchs. Seit Anfang Januar läuft der Betrieb nun und sie haben schon über 250 Tickets verkauft. Dem Schnee sei dank!

Auf dem kleinen Hügel in Landsberied haben viele Kinder ihre ersten Fahrversuche auf Skiern gemacht. Betreiber Benedikt Fuchs hilft beim Einstieg in den Lift (links).

Doch jetzt ist erst einmal Pause mit dem Skivergnügen. Tauwetter hat eingesetzt. „Wir hoffen, dass wir kommendes Wochenende wieder öffnen können“, sagt Eisenreich. Die Meteorologen sehen aber schwarz für Neuschnee in nächster Zeit.

Im Schlitten unterwegs

Je mehr Schnee, desto besser: Meistens gilt das auch für Leonhard Walch. Der Kreuther (Kreis Miesbach) kutschiert Menschen durchs Oberland – im Winter auf einem Schlitten aus dem Jahr 1900, „der so robust ist, dass er mich noch überleben wird“. Bei gutem Wetter ist er mit seinen Haflingern auf zwei Routen rund um Kreuth unterwegs. Sechs Passagiere passen in den historischen Schlitten, bis zu zehn in den größeren, einen Nachbau mit Dach. Vor dem heftigen Wintereinbruch samt Katastrophenfall war er tagelang ausgebucht – dann kamen die Schneemassen. Zu viel ist dann tatsächlich auch für den Mann mit dem Schlitten ein Problem: „Wenn nicht geräumt ist, kannst nicht mehr fahren“, sagt er.

Im Pferdeschlitten unterwegs: Leonhard Walch genießt den vielen Schnee.

Trotzdem: Wenn er sich aussuchen kann, ob er im Winter mit dem Schlitten oder im Sommer mit der Kutsche fahren kann, würde er sich immer für den Winter entscheiden: „Es ist zwar ein bisserl schwieriger zu lenken, dafür ist eine Fahrt im Schnee romantischer“, sagt er. Und kommt direkt ins Schwärmen: „Wir haben eine Traumlandschaft hier. Wenn die Sonne rauskommt, ist es fast schon kitschig.“

Schnee als Kunstwerk

Auch für Frank Bergmann kann es gar nicht winterlich genug sein. Wenn sich bei ihm im Allgäu vor den Fenstern der Schnee häuft, dann beginnen in seinem Kopf bereits die Planungen für den ganz großen Schneezauber. Das hängt nicht nur mit seiner Begeisterung für Eis zusammen – sondern auch mit seinem Beruf.

Der 43-Jährige ist Bildhauer. Die meiste Zeit des Jahres beschäftigt er sich mit Stein. In seinem beruflichen Alltag sind der Kreativität aber gewisse Grenzen gesetzt. Doch jedes Jahr Ende Januar kann er beweisen, was schöpferisch möglich ist. Denn dann findet in Lindenberg das große Winterfest statt.

Und dazu gehört laut Tradition auch ein Eisskulpturen- und Schneemann-Wettbewerb. „Wir machen das schon seit zehn Jahren“, sagt er. „Genug Schnee gab es aber nur dreimal.“ Deshalb ist er notgedrungen oft auf Eisskulpturen umgestiegen. Dieses Jahr könnten endlich wieder gigantische Schneefiguren dazukommen.

Noch hat er nicht entschieden, welche Figur er erschaffen wird. Aber es wird eine riesen Schneegaudi werden – so viel steht fest. „Meine Begeisterung für Schnee hat sich bereits auf meine ganze Familie übertragen“, sagt Bergmann. Für einen Bildhauer gibt es eben keinen Grund, die Euphorie über starken Schneefall zu kaschieren. „Die Kunstwerke sind zwar vergänglich“, sagt Bergmann. „Dafür gibt es keinen günstigeren Werkstoff als Schnee.“

tel/kb/kwo

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