Sechs Menschen sterben bei verheerendem Brand

Flammen-Inferno: Wussten die Behörden Bescheid?

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Bei einem verheerenden Brand in einem Schneizlreuther Eventhotel starben in der Nacht auf den 23. Mai sechs Menschen. 

Traunstein - Schuld ja, aber nicht alleine - im Prozess um das tödliche Feuer von Schneizlreuth hat sich der Angeklagte bei den Opfern entschuldigt. Wussten die Behörden von seinem Betrieb?

Mit einem Schuldeingeständnis des Angeklagten hat der Prozess um den verheerenden Brand mit 6 Toten und 20 Verletzten im oberbayerischen Schneizlreuth begonnen. „Ich hätte dort niemanden übernachten lassen dürfen“, sagte der 47-Jährige am Montag vor dem Landgericht Traunstein. Er entschuldigte sich bei den Hinterbliebenen der Toten sowie bei den Verletzten und bat sie, „die Entschuldigung auch anzunehmen“.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Der Angeklagte sitzt am 11. Januar hinter einer Aktentasche im Gerichtssaal des Landgerichts Traunstein. Der 47-jährige Eventmanager muss sich wegen fahrlässiger Tötung in sechs Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in 20 Fällen vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor. Der gelernte Koch habe seine Gäste ohne Genehmigung in einem einstigen Bauernhof beherbergt, so der Vorwurf. Er soll für den Tod von sechs Männern verantwortlich sein. Die Opfer im Alter zwischen 30 und 42 Jahren waren in der Nacht zum 23. Mai 2015 in dem Inferno erstickt. Das Feuer war in einem Wäscheschrank ausgebrochen.

Tragen die Behörden eine Mitschuld?

In einer gut 20-minütigen Erklärung vor der Großen Strafkammer deutete der Angeklagte ein Mitverschulden der Behörden an: „Ich bin schon der Meinung, dass die Behörden genau Bescheid wussten, dass ich im Pfarrerbauernhof Gäste übernachten ließ.“ So habe die Elektroinstallation in dem umgebauten Anwesen vom früheren Bürgermeister Schneizlreuths gestammt.

Vorsätzliche Brandstiftung in dem Bauernhof?

Auch sprach der Eventmanager von mehreren Sabotageakten. Im Jahr 2008 seien Kletterhaken von Gästen angesägt worden. In der Brandnacht habe es zudem Einbruchsspuren in einem Nachbargebäude gegeben. Die beiden Verteidiger des einstigen Bundeswehrsoldaten mit traumatischen Kriegserfahrungen in Somalia gehen von vorsätzlicher oder fahrlässiger Brandstiftung in dem Bauernhof aus.

Die meisten Opfer stammen aus Niederbayern

In der Brandnacht hatten 54 Gäste in dem Gebäude geschlafen, das der auf Firmen-Events spezialisierte Unternehmer 1994 gepachtet hatte. 47 von ihnen waren Mitarbeiter der Baufirma Lindner aus Arnstorf in Niederbayern, die aus Anlass des 50-jährigen Bestehens in den Alpen ein Abenteuerwochenende verbrachten. Auch alle sechs Todesopfer gehörten dem Unternehmen an.

Das könnte den Angeklagten erwarten

Für den Prozess sind weitere sechs Verhandlungstage angesetzt. Es werden Dutzende Zeugen und Sachverständige gehört. Das Urteil soll im Februar verkündet werden. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

dpa

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