In der Schongauer Altstadt

Ausgesetzt! Asyl für zitternde Meerschweinchen

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Über diese Besucher hat sich auch die kleine Agnes (1) sehr gefreut: Die beiden Meerschweinchen saßen zitternd vor Manuela Drehers Haustür in der Schongauer Altstadt. Sie hat die offenbar ausgesetzten Tiere gerettet.

Schongau - Sind bei Ihnen schon mal zwei bibbernde Meerschweinchen vor der Tür gesessen? Nein? Bei Manuela Dreher in der Schongauer Altstadt schon. Die hat den beiden offenbar ausgesetzten Tierchen kurzerhand ein liebevolles Übergangs-Zuhause gegeben.

Es war genau vor einer Woche. Manuela Dreher muss ihre kleine Tochter Agnes (1) zur Kindergarten-Eingewöhnung bringen. Sie ist zu spät dran, reißt die Tür auf. Und da sitzen sie, schauen die Schongauerin mit großen, verängstigten Augen an: Zwei Meerschweinchen dicht aneinandergedrängt. Direkt auf der Türschwelle in der Schongauer Altstadt.

„Die müssen da schon lange gesessen haben – zumindest, wenn man nach dem Mist geht, der da noch lag“, sagt Manuela Dreher. Die Mutter fackelt nicht lange, packt die Tierchen schnell in eine Kiste und bringt sie – des Kindergartens wegen – erstmal zu einer tierlieben Freundin ins Büro. „Die hat die beiden gefüttert und mit einer Tier-Wärmflasche wieder aufgewärmt, die waren ja völlig durchgefroren.“ Bei den Temperaturen kein Wunder.

Bei der Kälte: Einfach auf die Straße gesetzt

Eben diese Temperaturen lassen auch darauf schließen, dass die beiden kuscheligen Tierchen nicht einfach aus einem Garten entlaufen sind. Zum einen gibt’s in der Schongauer Altstadt nicht wirklich viele Gärten, die in Frage kommen. Zum anderen hätte sich das Wetter an besagtem Tag nicht wirklich für einen Meerschweinchen-Freigang geeignet. „Die können nicht weit gelaufen sein“, ist sich Manuela Dreher sicher. Der Verdacht liegt auf der Hand: Irgendjemand wollte die Tierchen los haben und hat sie kurzerhand auf die Straße gesetzt.

Das Schlimmste hat dann Manuela Dreher verhindert. Sie suchte schnell im Internet, was ein Meerschweinchen so alles glücklich macht, und kaufte kurzerhand im Zoofachhandel einen geräumigen Käfig mit Meerschweinchen-Domizil und entsprechendes Futter. Auch frisches Grünzeug bekommen der kuschelige rot-weiße Große und der braun-schwarz-weiße Kleine zum Knabbern. Vielleicht lässt sich so der Schock über den offensichtlichen Rausschmiss durch den Vorbesitzer ein wenig leichter verdauen. Immerhin: Die flauschigen Viecherl seien – zumindest optisch – gut gepflegt gewesen, als sie so verfroren wahrscheinlich schon eine ganz Nacht zusammengekauert vor der Tür in der Bauerngasse verharrt hatten.

Such-Aufruf brachte viel Resonanz - aber nicht vom Besitzer

Ein Such-Aufruf über Facebook hat Manuela Dreher zwar wahnsinnig viel Resonanz gebracht. Der Besitzer der Meerschweinchen konnte allerdings nicht ausfindig gemacht werden. Vielleicht ist es ja auch besser so. Denn ein neues, hoffentlich liebevolleres Zuhause ist schon gefunden. Weil Manuela Dreher aus familiären Gründen zwischen Schongau und Berlin hin- und herpendelt, kann sie die Meerschweinchen nicht behalten. Auch wenn das der kleinen Agnes sicherlich gut gefallen hätte.

Wie gut, dass sich gleich zwei Freiwillige gemeldet haben, die den Meerschweinchen gerne ein neues Zuhause bieten wollten. Für eine „Bewerberin“ hat sich Manuela Dreher entschieden – erst nachdem sie sich davon überzeugt hatte, dass es den Tieren bei der Frau mit Meerschweinchen-Erfahrung gut gehen würde. „Die hat auch Hasen, einen großen Stall, ein Außengehege, zwei Kinder, die sich freuen.“ Und die beiden neuen kuscheligen Weggefährten sicherlich so ins Herz schließen werden, dass sie nie wieder in der Kälte um ihr Leben bibbern müssen.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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