Trauer und Fassungslosigkeit

Schongauer SPD-Chef Robert Bohrer (56) ist tot

Robert Bohrer war seit 1991 Ortsvorsitzender der SPD in Schongau.

Schongau - Trauer und Fassungslosigkeit bei der Schongauer SPD: Robert Bohrer (56), langjähriger Ortsvorsitzender und Stadtrats-Fraktionschef, ist tot.

Für gestern Nachmittag war eigentlich eine Bauausschuss-Sitzung angesetzt, bei der Bohrer dabei sein sollte. Als Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) am späten Vormittag die Nachricht erhielt, dass Bohrer offenbar freiwillig aus dem Leben geschieden war, wurde die Sitzung kurzerhand abgesagt. „Auch wenn sich dadurch vielleicht wichtige Bauprojekte verschieben, kann man nicht im wahrsten Sinne des Wortes einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagte Gerbl. Da pflichtete ihm Parteifreundin Ilona Böse bei: „Ich kann mich nicht neben Roberts leeren Stuhl setzen und über den Radweg an der Marktoberdorfer Straße diskutieren, wo er um jeden einzelnen Baum gekämpft hätte“, sagte sie bestürzt.

Böse hatte zuletzt am Freitag mit ihm telefoniert, Gerbl hatte ihn am Donnerstag bei der Sportlerehrung getroffen - nichts hatte auf so eine Tat hingedeutet, betonen beide. „Wir ringen um Fassung“, sagt Gerbl. „Es ist Wahnsinn, dass so ein Mann von einem auf den anderen Tag nicht mehr im Stadtrat sitzt. Mich trifft es zutiefst.“

Die Verbindung zwischen beiden bestand schon seit Jahrzehnten. 1990 wurde Gerbl erstmals zum Hohenfurcher Bürgermeister gewählt, Bohrer erstmals in den Schongauer Stadtrat. Bohrer war es auch, der Gerbl 2008 als Schongauer Bürgermeisterkandidat gewann. „Mir hat seine besonnene Art imponiert, seine Schlichtheit“, sagt Gerbl. „Er hat sich unwahrscheinlich engagiert und viel Zeit für die SPD geopfert. Er hinterlässt eine nicht zu schließende Lücke für die Schongauer SPD“, sagt Gerbl.

In der Tat stand beim alleinstehenden und kinderlosen Bohrer die SPD und die politische Arbeit, neben seinem Beruf als Grundschullehrer, an Nummer eins. Seit 1991 hatte er den Ortsvorsitz inne, seit 1990 saß er im Stadtrat und übernahm 2008 auch das Amt des Fraktionschefs von Heinrich Forster. Am Wochenende ist der leidenschaftliche Bahnfahrer oft mit dem Zug umhergefahren, manchmal auch, um sich etwa gute Beispiele von Häusern oder Stadtplanung in anderen Städten anzuschauen, von denen zuvor im Stadtrat gesprochen worden war. „Vor zwei Wochen erst sind wir noch mit dem Rad in Schongau herumgefahren und haben uns über einige wichtige Projekte informiert“, sagt Falk Sluyterman, Bürgermeisterkandidat der SPD. Auch ihn hatte Bohrer in die örtliche SPD eingeführt, „er war immer mein Ansprechpartner“, so Sluyterman. Mindestens zweimal pro Woche habe man telefoniert.

Der leidenschaftliche Spezi-Trinker und glühende Borussia Dortmund-Fan Bohrer war ein Überzeugungstäter, der immer seine Ideale verteidigte. Dass er dabei auch mal beschimpft wurde, wie beispielsweise bei der Diskussion um das Asylbewerberheim im ehemaligen Forstamt, nahm er in Kauf. Das schätzte an ihm auch sein „Lieblingsgegner“ im Stadtrat, CSU-Fraktionschef Michael Eberle: „Wir sind nicht immer einer Meinung gewesen.“ Aber gerade weil Bohrer so ein harter Kontrahent in der politischen Diskussion war, habe er sich Achtung erworben. „Er war ein guter Redner und hat sich mit ganzem Herzen für die Stadt engagiert, die er geliebt hat“, würdigte ihn Eberle. Mit Bohrer verliere die örtliche SPD ihr Gehirn.

Dass das nicht zu ersetzen sein wird, ist auch den Genossen klar. „Mit ihm fehlt ein großer Wissensträger“; sagt Sluyterman. Doch die Debatte über politische Folgen muss noch ruhen. Jetzt ist die Zeit der Trauer.

bo

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