Diskussion über Mitgliedsanfrage von Flüchtling

Darf Asylbewerber in Schützenverein? "Es geht um die Sicherheit" 

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Das Vereinsheim der Feuerschützen ist nur wenige hundert Meter von Samins Wohnung entfernt. Er läuft oft daran vorbei. Mitglied werden darf er wohl nicht.

Gars - Ein 15-jähriger Asylbewerber möchte Mitglied werden bei den Feuerschützen in Gars im Landkreis Mühldorf. Es ist das erste Mal, dass im Schützenheim über eine Anfrage von einem Flüchtling diskutiert wird. Die Bedenken sind groß – seine Chance, aufgenommen zu werden, gering.

Samin ist im Irak aufgewachsen – dazugehört hat er in seinem Leben noch nie richtig. Denn seine Mutter ist Afghanin. Und die Afghanen sind im Irak alles andere als wohlgelitten. Deshalb ist seine Familie vor zwei Jahren geflüchtet. Seitdem lebt Samin in Gars. Er hat Deutsch gelernt, will nächstes Jahr die Mittlere Reife machen und Polizist werden. Vor allem möchte er endlich dazugehören.

In Gars leben knapp 4000 Menschen. Acht Schützenvereine gehören zu der Verwaltungsgemeinschaft. „Die Schützen sind bei uns im Ort immer präsent“, sagt Bürgermeister Norbert Strahllechner (FWG). Er ist selbst Mitglied bei den Feuerschützen. Vor kurzem klopfte Asylhelferin Solveig Kiesel mit dem 15-jährigen Samin an seiner Tür. Um anzufragen, ob er bei den Schützen Mitglied werden könne. Strahllechner gab die Anfrage weiter an Schützenmeister Josef Bühn.

Für die Feuerschützen in Gars ist es die erste Anfrage eines Flüchtlings. Sie ist beim Vereinsabend lange diskutiert worden. Denn die Entscheidung über jeden Mitgliedsantrag trifft die Vorstandschaft. Schützenmeister Bühn fand klare Worte. Solange er Schützenmeister sei, werde kein Asylbewerber Mitglied werden. Es könne nicht sein, dass Menschen aus Kriegsgebieten flüchten und dann aktiv an der Waffe sein möchten, zitiert ihn das Internetportal „rosenheim24“ von diesem Abend. Einige Tage später begründet er seine Entscheidung dem Münchner Merkur gegenüber mit einem anderen Hauptargument: „Primär geht es um die Sicherheit – nicht um die Herkunft.“ Als Schützenmeister müsse er gewährleisten, dass jeder Schütze die sicherheitstechnische Unterweisung verstehe. „Da geht es um jedes Wort.“ Bühn hat Zweifel, dass das bei einem Asylbewerber möglich sei. Die Entscheidung über die Anfrage sei noch nicht endgültig getroffen, sagt er. Doch die Mehrheit habe sich dagegen ausgesprochen.

Schützenmeister Josef Brün ist gegen die Aufnahme von Flüchtlingen.

Bürgermeister Strahllechner, der Samin persönlich kennengelernt hat, teilt die Bedenken des Schützenmeisters nicht. „Samin spricht sehr gut Deutsch“, sagt er. Er hat beim Landratsamt angefragt, um eine Empfehlung zu bekommen, was die juristische Seite betrifft. Doch das Landratsamt Mühldorf möchte den Schützenvereinen keine Empfehlung aussprechen. Es verweist auf die Satzung, nach der die Vereinsverantwortlichen über Neumitglieder entscheiden.

Auch der Bayerische Sportschützenbund will bewusst keine Vorgaben machen. Noch habe es aber keine Nachfrage zu diesem Thema gegeben, berichtet Geschäftsführer Alexander Heidel. Ihm ist nicht bekannt, dass bereits irgendwo in Bayern ein Flüchtling Mitglied in einem Schützenverein ist. „Grundsätzlich spricht nichts dagegen“, sagt er. Das Schießen sei eine Sportart, sagt er. Die Waffen sind Sportgeräte, keine Kriegsgeräte, betonte auch der Sportwart bei der Versammlung.

Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Doch Solveig Kiesel ist schon jetzt ziemlich sicher, dass Samin nicht aufgenommen wird. „Er war enttäuscht“, erzählt sie. „Ich bin immer nur Asylbewerber“, hat er zu ihr gesagt – er wartet seit zwei Jahren auf die Anerkennung. Kiesel konnte ihm nicht erklären, warum er wieder nicht dazugehören darf. Sie betont: „Wir Asylhelfer kennen die Flüchtlinge sehr gut – wir würden nie jemanden, der traumatisiert oder unvernünftig ist, an einen Schützenverein vermitteln.“ Aber sicher, ob Samin in dem Verein geblieben wäre, ist sie nicht. „Er hat einfach Zukunftsangst und will unbedingt etwas aus seinem Leben machen.“ Samin hat vor einigen Tagen das Basketball-Training des Sportvereins besucht. Er will wieder hingehen. Dort wird darüber nicht so viel diskutiert.

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