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Schutzengel: Sie nahm es mit einem wilden Stier auf

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Wielenbach - Sie hat einem Mann das Leben gerettet - indem sie mit ihrem Auto einen wildgewordenen Stier in Schach gehalten hat. Dafür wird Monika Gailler aus Wielenbach jetzt ausgezeichnet.

Ein Mann wird durch die Luft geschleudert. Ein 600 Kilogramm schwerer Stier hat ihn auf die Hörner genommen. Wie eine Puppe schlägt der Mensch auf den Boden auf – und das Tier nimmt erneut Anlauf. Aus ihrem Auto heraus beobachtet Monika Gailler im Oktober 2009 genau diese Situation, als sie auf der B 11 bei Bad Heilbrunn (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) unterwegs ist. Sie eilt dem Mann zu Hilfe – und wird dafür am Montag, 23. Mai, von Ministerpräsident Horst Seehofer mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet.

Josef Bergmann ist der Landwirt, dem Gailler das Leben rettete. Der 51-Jährige ist eigentlich hart im Nehmen. Auch nachdem ihm der Stier die Rippen gebrochen hat, holt er erst einmal noch das Grünfutter ein, bevor er zum Arzt geht. Mittlerweile sind die Blessuren verheilt. „Ohne Monika Gailler wäre ich jetzt aber tot“, sagt er. Die Frau aus Wielenbach (Kreis Weilheim-Schongau) war die einzige, die es mit dem Stier aufnahm. Etliche Autos jagten an der Unfallstelle vorbei. Gailler wendete ihren Wagen – und hielt Kurs auf das wild gewordene Tier. Langsam steuerte die damals 31-Jährige ihren Wagen auf den Stier zu. Tastete sich heran, bis die Stoßstange des Nissan fast den Kopf des Tieres berührte. Gailler drückte auf die Hupe, der Stier wich zurück. Gailler hielt ihn so lange unter Kontrolle, bis die Polizei kam – und ihn erschoss.

„Angst habe ich nicht gehabt“, sagt Gailler heute. Sie ist selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen, weiß, wie Tiere reagieren: „Aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Instinktiv handelte sie an diesem Tag allerdings richtig, brachte Bergmann außer Lebensgefahr. Doch auch eine Heldin kommt nicht immer ohne Hilfe aus: Während Monika Gailler den Stier in Schach hält, ruft sie per Handy ihre Mutter an. „Was soll ich tun? Was soll ich tun?“, habe sie sie immer wieder gefragt. Mama antwortete: „Mach einfach so weiter.“

Bergmann weiß, was er der jungen Frau zu verdanken hat: „Als ich da unter dem Stier lag, hatte ich schon mit dem Leben abgeschlossen“, sagt er. An seine Tochter habe er ganz fest gedacht Und dann kam er plötzlich, der Schutzengel auf vier Rädern.

Gesehen haben sich Gailler und Bergmann seitdem nicht mehr. Sie wohnen knapp 50 Kilometer auseinander. Ein Geschenk hat der Landwirt trotzdem vorbeibringen wollen: „Leider war sie nicht zu Hause.“ Das hat seine Gründe: „In eineinhalb Jahren hat sich mein komplettes Leben verändert“, sagt Gailler. Sie kam mit ihrem Lebensgefährten zusammen, wurde schwanger, im Oktober kam das Töchterchen.

Über die Verleihung der Christophorus-Medaille freut sich Gailler: „Das gibt ein hübsches Foto fürs Familienalbum.“ Das soll aber demnächst auch noch mit Heilbrunner Motiven vervollständigt werden. Gailler: „Einen Besuch bei Josef Bergmann plane ich auf jeden Fall.“

Steffi Brendebach

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