Holpriger Prozessauftakt

Wegen Menschenhandels: Bordellchef vor Gericht

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Der als mutmaßlicher Helfer des Bordellbetreibers angeklagte Stefan S. mit seinem Anwalt vor dem Landgericht Schweinfurt.

Schweinfurt - Ein Bordellbetreiber und zwei Helfer stehen seit Donnerstag vor dem Landgericht Schweinfurt, weil sie Frauen zur Prostitution gezwungen haben sollen. Doch der Prozessauftakt endete abrupt.

Im Prozess gegen einen Bordellbetreiber und zwei mutmaßliche Komplizen wegen Menschenhandels hat die Verteidigung die Aussetzung der Hauptverhandlung gefordert. Die Anklageschrift entspreche nicht dem Gesetz und solle in dieser Form nicht verlesen werden, beantragte der Rechtsanwalt des 38 Jahre alten Hauptangeklagten am Donnerstag vor dem Landgericht Schweinfurt. Die Männer sollen acht Frauen mit Gewalt und Drohungen zur Prostitution gezwungen haben. Die Anklage umfasst 40 Punkte, darunter schwere Körperverletzung, Erpressung und Vergewaltigung.

Verteidiger erkennen Anklage nicht an

Verteidiger Michael Schulze argumentierte, die Anklage sei so formuliert, dass die Vorwürfe als feststehender Sachverhalt missverstanden werden könnten. Sie enthalte zudem Details, die für die Beweisführung nicht nötig seien. „Offensichtlich sollen sie jedoch die Angeschuldigten in einem durchgehend negativen Licht erscheinen lassen“, erläuterte Schulze vor Gericht. Das Verfahren solle ausgesetzt werden, bis eine nachgebesserte Anklage vorliegt. Staatsanwalt Johannes Koschek betonte hingegen, die Anklageschrift entspreche den Anforderungen.

Außerdem stellte die Verteidigung einen Antrag gegen die Besetzung der Großen Strafkammer mit drei statt zwei Berufsrichtern. Das Gericht unterbrach die Verhandlung und will am kommenden Donnerstag (19. Dezember) über die Anträge entscheiden.

Deutschland als Zentrum von Zwangsprostitution?

Die Polizei hatte den Bordellbetreiber und die zwei Männer, die als Aufpasser für ihn gearbeitet haben sollen, im August festgenommen. Das Trio sitzt in Untersuchungshaft. Für das Verfahren sind rund 30 Verhandlungstage geplant.

Deutschland gilt als wichtiges Zielland des Menschenhandels. 2011 registrierte das Bundeskriminalamt 640 Opfer - die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus.

Menschenhandel - ein politisches Thema

Das Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution steht derzeit auch auf der politischen Agenda: Der ausgehandelte Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht vor, künftig Freier zu bestrafen, wenn sie wissentlich die Dienste von Zwangsprostituierten in Anspruch nehmen. Außerdem sollen Bordelle stärker kontrolliert werden. Deutschland hat seit 2002 eines der liberalsten Prostitutionsgesetze weltweit. Kritiker bemängeln, es habe die Zwangsprostitution gefördert. Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen argumentiert hingegen, die Zahl der gemeldeten Opfer habe seit Einführung des Gesetzes abgenommen.

dpa

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