Um Bayern verdient gemacht

Seehofer ehrt 53 Persönlichkeiten - Orden für Fürstin

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Fürstin Gloria von Thurn und Taxis mit Horst Seehofer.

München - Ministerpräsident Horst Seehofer hat am Mittwoch 53 Persönlichkeiten mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt. tz-Verleger Dr. Dirk Ippen hielt die Festrede.

Es ist viel Prominenz versammelt im prachtvollen Antiquarium der Residenz: Minister, geistliche Würdenträger, Militärs, Schauspieler. Und natürlich Fürstin Gloria, die eine der 26 Frauen ist, die den Bayerischen Verdienstorden von Horst Seehofer verliehen bekommen. „Eine Frauenquote von 49 Prozent, das ist fast sensationell“, freut sich der Ministerpräsident darüber, dass erstmals in der 57-jährigen Geschichte des Verdienstordens die Hälfte der Auszeichnungen an die Damenwelt geht.

Etwa an Margarete Quell, Ex-Europameisterin im Rollstuhltanz. Oder Annemarie Leutzsch, eine fränkische Mundartdichterin aus dem Hummeltal südlich von Bayreuth. „Ich denk, ma kricht den Orden für andere mit“, sagt sie der tz – und scherzt: „Darf i jetzt mit dem Orden öffentliche Toiletten umsonst benutzen?“

Während die meisten Geehrten gemessenen Schritts die Stufen zu Horst Seehofer emporsteigen, stürmt Fürstin von Thurn und Taxis im Sauseschritt die Treppe hoch.

Es sind nicht nur beruflich oder politisch erfolgreiche Persönlichkeiten unter den Gewürdigten – auch ganz normale und vielleicht gerade deshalb umso bewundernswertere Frauen gehören dazu: Maria Magerl etwa, eine Hausfrau aus dem niederbayerischen Perkam. Seit 37 Jahren pflegt sie ihren schwerstbehinderten Sohn Lothar – „ein besonderes Beispiel für gelebte Nächstenliebe“, wie es in der Begründung der Würdigung heißt. „Ich bin stolz! Diese Auszeichnung gemeinsam mit so bedeutenden Persönlichkeiten wie Fürstin Gloria oder Erzbischof Marx zu bekommen, bedeutet mir sehr viel“, sagt Maria Magerl der tz mit Tränen in den Augen. „Für uns ist es das Normalste der Welt, dass wir meinen Sohn daheim pflegen – aber heute ist das leider nicht mehr selbstverständlich.“

Ihr Lothar leidet an einer seltenen schweren Epilepsie, hat immer wieder Krampfanfälle. Er kann nicht sprechen und sich nur mit Hilfe fortbewegen. Hausfrau Maria Magerl gehört nun zu den „Top 2000“ in Bayern, wie es Festredner und tz-Verleger Dr. Dirk Ippen ausdrückt (siehe unten).

Denn der Verdienstorden, der „als Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk“ verliehen wird, darf von maximal 2000 lebenden Personen getragen werden – derzeit sind es 1717 Bayern, die mit dem Orden gewürdigt wurden – und die nun kleine Privilegien genießen: freien Eintritt in die staatlichen Museen, freie Fahrt auf den Schiffen, die über den Starnberger See oder den Chiemsee fahren.

Auch etliche bekannte Münchner wurden am Mittwoch geehrt: Professorin Monika Führer von der Uni-Klinik, die am Haunerschen Kinderspital eine Pallitivmedizin für unheilbare Kinder aufbaute. Oder Walter Haupt, der Komponist, der 1995 mit seiner monumentalen Open-Air-Inszenierung der Carmina Burana auf dem Königsplatz die Münchner begeisterte. Politiker wie Ex-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch, Staatskanzleichef Marcel Huber und Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (die verhindert war) wurden ebenso ausgezeichnet wie FC-Bayern-Ehrenpräsident Bernd Rauch, der „Vater“ der Allianz Arena.

Bei allem Stolz dieser Preisträger auf ihre Würdigung: Keinem bedeutet dieser Verdienstorden so viel wie Henry G. Brandt, dem Gemeinde-Rabbiner der Is­rae­litischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg und ehemaligen Landesrabbiner. „1939 kam ich gerade noch mit dem letzten Zug aus München raus“, sagt der 87- Jährige der tz. „Mit dieser Auszeichnung hat sich nun ein Kreis geschlossen: Der verlorene Sohn ist wieder zurück in München, fast 75 Jahre, nachdem er ausgestoßen wurde. Das ist sehr bewegend für mich.“

Klaus Rimpel

Bayerischer Verdienstorden: Das sind die Preisträger

Bayerischer Verdienstorden: Das sind die Preisträger

tz-Verleger hält die Festrede

Fester Bestandteil der Feierstunde zur Verleihung der Bayerischen Verdienstorden ist der Festvortrag eines bereits früher Geehrten. In diesem Jahr fiel tz-Verleger Dr. Dirk Ippen diese Aufgabe zu, der schon seit 1992 Träger des Bayerischen Verdienstordens ist. Ein „Mann mit starker Meinung“, wie ihn Ministerpräsident Horst Seehofer vorstellte.

Ippen sprach in seiner Rede über sein ur­eigenstes Metier: die Medien. Der Verleger schlug dabei einen weiten Bogen vom Frühmenschen, der vor 200 000 zu sprechen begann, über die Erfindung der Schrift und des Buchdrucks hin zur heutigen digitalen Revolution.

Schon bei der Erfindung des Buchdrucks vor rund 570 Jahren habe sich gezeigt: „Wenn sich die Medien ändern, ändert sich die Gesellschaft.“ Die digitale Revolution mit Facebook, Google und Co. biete den Menschen heute zwar unendliche Chancen und Möglichkeiten. Doch die nur vermeintlich kostenlosen Angebote im Internet haben doch ihren Preis: „Wir zahlen mit Informationen über uns. Wir bezahlen, indem wir die Privatheit unserer Person aufgeben“, mahnte Dirk Ippen.

All den Schwarzmalern, die schon das Totenglöckchen für die gedruckte Zeitung läuten, hielt der Verleger entgegen: „Wir überschätzen die kurzfristigen und unterschätzen die langfristigen Folgen der digitalen Revolution.“

Die Zeitung sei noch lange nicht tot – aber die langfristigen Auswirkungen der Computer-Revolution auf Medizin oder Industrie seien den meisten Menschen noch gar nicht klar: „Es ist längst keine Utopie mehr, sondern Wirklichkeit, dass nicht nur Menschen, sondern Maschinen miteinander reden.“

KR

Jetzt ein Bayer!

"Jetzt ist meine Inkulturation in Bayern endgültig erfolgreich und positiv abgeschlossen!"

Der in Westfalen geborene Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, wurde unter anderem dafür ausgezeichnet, dass er sich „unermüdlich um den Dialog zwischen Christen und Menschen anderen Glaubens bemüht“.

Dialekt-Botschafter

"So genau weiß ich auch nicht, wofür ich geehrt wurde – aber ich denke, es hängt mit meiner Rolle als Kommissar Kluftinger zusammen, mit der ich geholfen habe, den Allgäuer Dialekt wieder hoffähig zu machen. Ich lebe ja in Berlin, bin nun schon seit 14 Jahren Exil-Bayer – aber den Dialekt kann ich wie mit einem Schalter anknipsen – der isch sofot wida do. Leider ist meine Mutter dieses Jahr gestorben – mit der wäre ich gerne den Starnberger See rauf und runtergefahren, jetzt, wo ich als Ordensträger umsonst auf den bayerischen Seen fahren darf. "

Schauspieler Herbert Knaup, der „insbesondere durch seine TV-Rolle als Kluftinger ein großartiger Botschafter Bayerns ist“, wie es in der Ehrung heißt.

Ein Geschenk!

"Der Bayerische Verdienstorden bedeutet mir so viel, weil ich ihn im Kreise von so vielen, tollen Menschen bekomme. Was diese Menschen, die hier geehrt wurden, leisten, ist unglaublich – und nicht nur in so einem Tralala-Beruf, obwohl auch die Schauspielerei sehr schwer ist und vielen Menschen Freude bereitet. Dass ich in einer Schar von Menschen ausgezeichnet werde, die in meinen Augen so Bewundernswertes leisten, das hat mich sehr gefreut. Diese Ehrung ist mein schönstes Weihnachtsgeschenk!"

Die Wiener Kammerschauspielerin Christiane Hörbiger wurde unter anderem für ihre hervorragenden Verdienste um den Medienstandort Bayern geehrt.

Die Ausgezeichneten

Rudolf Arlt, Neuendettelsau

Inge Aures, Kulmbach

Peter Bantlin, Chieming

Wladyslaw Bartoszewski, Warschau

Alois Berger, Ottobeuren

Edith Berger, Ottobeuren

Johann Berger, Bad Reichenhall

Maria Biermeier, Hengersberg

Rabbiner Dr. h.c. Henry G. Brandt, Augsburg

Johann Donauer, Pilsach

Leokardia Donauer, Pilsach

Otto Eckart, München

Professorin Dr. Monika Führer, München

Georg Grabner, Teisendorf

Christa Brigitte Güntermann, Grünwald

Doris Hallermayer, Augsburg

Dr. h.c. Walter Haupt, Aschheim

Heinz Hausmann, Kronach

Ingrid Heckner, Kastl

Dr. Wolfgang Heubisch, München

Christiane Hörbiger, Wien

Dr. Marcel Huber, Ampfing

Marlies Jäger-Glantschnig, Übersee

Waldemar Kindler, Oberschleißheim

Herbert Knaup, Berlin

Schwester M. Christine Köberlein, Bad Staffelstein

Annemarie Leutzsch, Hummeltal

Jutta Lowag, München

Maria Magerl, Perkam

Christine Marino, Traunstein

Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, München

Dr. Peter Motsch, Würzburg

Franz Olbert, München

Dr. Georg Pachta-Reyhofen, Niederpöcking

Gerda Pamler, München

Ursula Pfeiffer, Nürnberg

Elisabeth Pustet, Regensburg

Margarete Quell, Mammendorf

Bernd Rauch, Berg

Angelique Renkhoff-Mücke, Marktheidenfeld

Monsignore Ludwig Rösler, Bayreuth

Claudia Roth, Augsburg

Peter Schmalz, München

Prof. Dr. Georg Schmuttermayr, Pfaffenhofen a.d. Ilm

Karin Schöllhorn, Welden

Prof.Dr. h.c. Hermann Schoenauer, Neuendettelsau

Stephanie Spinner-König, Gräfelfing

Lothar Strehl, Regensburg

Burkhard Szech, Bayreuth

Ulrike Szech, Bayreuth

Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, Regensburg

Helmut Völkel, München

Cornelia Wohlhüter, Deggendorf

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