Aus Protest gegen das bayerische Schulsystem

Seid’s deppert?! Eltern schicken Kinder zum Lernen nach Österreich

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Flucht nach Tirol: Maxi, Papa Andreas und Stiefmutter Simone mit ihrer Tochter Alina sind gespannt, wie es auf der neuen Schule läuft.

Mittenwald - Die Klassen sind riesig, Schüler werden kaum noch individuell gefördert, die Lerndefizite werden immer größer.

Überall in Bayern klagen die Menschen über das Schulsystem. Vielen Eltern im grenznahen Mittenwald reicht es jetzt mit der Bildungsmisere: Sie lassen ihre Kinder in Österreich die Schulbank drücken! Im vergangenen Jahr haben drei Familien ihren Nachwuchs in die Privatschule „Benediktum“ nach Scharnitz/ Tirol geschickt, heuer sind es zwei Kinder aus Garmisch und sieben aus Mittenwald.

Einer von ihnen ist Maxi Reiter (11). Er wechselt nach den Sommerferien und freut sich nach einem ersten Gespräch mit Rektor Alois Krug auf seine neue Schule. Die Idee entstand, weil Maxis Klassenlehrerin in Mittenwald, Jutta Wreschniok, Vater Andreas (38) und Stiefmutter Simone (28) ins Gewissen geredet hat: Maxi sei ein Schüler, der viel Aufmerksamkeit brauche, um nicht unterzugehen. „Nach Rücksprache mit Rektor Krug vom Benediktum haben wir uns gegen die Realschule in Garmisch-Partenkirchen und pro Scharnitz entschieden. Hier wird Maxi in den kleineren Klassen die Aufmerksamkeit bekommen, die er braucht.“ Und die 500 Euro Gebühr? „Die bezahlen wir gerne.“

Das Benediktum, eine für 115 Schüler ausgelegte Privathauptschule mit Tageshort und Internat, hat einen guten Ruf, vor allem, weil die Kinder individuell betreut werden können. Rektor Krug: „Wir können in Österreich seit zwei Jahren Klassen mit 16 Schülern anbieten.“ Diese werden jahrgangsweise noch einmal unterteilt – in die Gruppen Mathematik, Deutsch und Englisch sowie in die Leistungsgruppen Gymnasium, Real- und Hauptschule. „Dadurch können sich unsere Lehrer intensiver um die Schüler kümmern.“

Bei den Eltern im Grenzgebiet kommt das gut an: „Unsere Kinder können sich in eine höhere Leistungsklasse hocharbeiten“, sagt Papa Andreas. „Maxi kann zur Realschule wechseln, ohne die Schule verlassen zu müssen.“ Für Florian Rauch hat sich dieser Schritt bereits ausgezahlt: Er besucht das Benediktum seit 2007. In dieser Zeit hat er seinen Notendurchschnitt verbessert. Und seine Eltern stellen fest: „Florians persönliche Entwicklung hat große Fortschritte gemacht.“

W. Kunz

Quelle: tz

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