Freigang, Alkohol und sehr viel Bargeld

Die Privilegien des Haderthauer-Patienten

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Es gibt schon wieder neue Vorwürfe in der Affäre Haderthauer.

Ansbach - Die Zustände im BKH Ansbach, wo zwischen 1990 und 2000 die teuren Modellautos von psychisch kranken Straftätern produziert wurden, waren auch dem Innen- und dem Sozialministerium bekannt.

Die skandalösen Zustände im Bezirkskrankenhaus (BKH) Ansbach, wo zwischen 1990 und 2000 die sündhaft teuren Modellautos von psychisch kranken Straftätern produziert wurden, waren auch dem Innen- und dem Sozialministerium bekannt. Das geht aus internen Unterlagen der Klinik und des Bezirks hervor, die der tz vorliegen.

Laut diesen Schreiben wurde zwischen der Klinikleitung, Ärzten und Pflegepersonal ein jahrelanger erbitterter Streit ausgetragen. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung standen die Modellauto-Geschäfte der Firma Sapor Modelltechnik, an der die heutige Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer und ihr Mann Hubert, Landgerichtsarzt in Ingolstadt, maßgeblich beteiligt waren (tz berichtete mehrfach).

Der Dreifachmörder, unter dessen Regie die Autos gebaut wurden, genoss offenbar einen mehr als ungewöhnlichen Freiraum. Post an ihn und die Firma Sapor Modelltechnik durften auf Anweisung der Klinkleitung nicht kontrolliert werden. Er durfte auch ohne Formalitäten den Hochsicherheitstrakt und das Klinikgelände verlassen. Konsequenzen, wie aus den Unterlagen weiter hervorgeht, wurden nicht einmal dann gezogen, als der Dreifachmörder offenbar alkoholisiert von Wochenendausflügen mit einem privat tätigen Polizisten zurückkam oder unerklärlich hohe Bargeldbeträge (in einem Fall 1500 D-Mark) bei ihm gefunden wurden. In einem Protokoll ist auch nachzulesen: „Herr Dr. M. erläutert hierzu, dass der Patient rund fünf Wochen flüchtig war.“

Fragen und Antworten zum Fall Haderthauer

Hubert Haderthauer, der zwischen 1986 und 1991 Arzt in der Forsensik war, eine Zeitlang auch den Dreifachmörder ärztlich betreute und eine ungewöhnlich enge Beziehung zu ihm hatte, genoss selbst nach dem Verlassen des BKH schwer erklärbare Sonderrechte. So habe der längst aus dem Klinikbetrieb ausgeschiedene Psychiater auch danach einen Generalschlüssel für die Forensik in Besitz gehabt und konnte die Klinik zu jeder Zeit betreten. Entsprechende Beschwerden der Stationsleitung bürstete die ärztliche Leitung ausgesprochen rüde ab. „Herr Dr. Haderthauer“, wird in einem Brief mitgeteilt, „hat das Recht, jederzeit Herrn S. (Anm.d.Red.: der Dreifachmörder) in Haus 9 zu besuchen. Es ist völlig unwesentlich, wie Herr Dr. Haderthauer von Seiten des Pflegepersonals „eingestuft“ wird.“

Zu den Dokumenten gehört auch eine Expertise, die vom Verband der Bezirke in Auftrag gegeben wurde, um die Situation im BKH und im Bereich des Automodellbaus zu durchleuchten. Darin wird Christine Haderthauer, die eine operative Rolle in der Firma Sapor Modelltechnik bestreitet, als Geschäftsführerin bezeichnet. Das erklärten in den letzten Tagen wiederholt auch frühere Mitgesellschafter. Briefe des früheren Landtagsabgeordneten Wolfgang Gartzke, der aus dem Landkreis Ansbach stammt, belegen außerdem, dass sich sowohl das Innenministerium als auch das Sozialministerium mit den Vorgängen beschäftigte. Erst im Jahr 2000 wurde die Modellautoproduktion nach Straubing verlegt. Auch der Dreifachmörder wurde dorthin verlegt.

HR

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