Kinderpornos auf PC: Kassier der Bauernbühne verurteilt

Wolfratshausen - Schmierentheater um Kinderpornos: Der Ex-Kassier der Loisachtaler Bauernbühne und SPD-Stadtratskandidat Enrico S. ist vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der ehemalige Kassier der Loisachtaler Bauernbühne und SPD-Stadtratskandidat Enrico S. ist vom Amtsgericht Wolfratshausen zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Amtsrichter Helmut Berger sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der 39-Jährige mindestens 30 Mal in die Kasse der Bauernbühne gegriffen und nachweislich 22 810 Euro privat verwendet hat. Polizeibeamte stellten zudem bei einer Wohnungsdurchsuchung auf dem PC des Angeklagten umfangreiches Material mit Kinderpornos sicher.

Enrico S. ist blass. Nervös kaut er an seiner Unterlippe, als der Staatsanwalt die Anklageschrift verliest. Immer wieder frisierte Enrico S. das Kassenbuch, um die Veruntreuungen zu verschleiern. Wie der Isar-Loisach-Bote berichtet flog er im August 2008 auf: Bauernbühnen-Boss Ludwig Gollwitzer war stutzig geworden, hatte ohne Wissen des Kassiers Kontoauszug um Kontoauszug mit Revisor Bernd Kramlich penibel überprüft, die beiden stellten den Verdächtigen zur Rede.

Enrico S. räumte alle Vorwürfe ein. Auch in der polizeilichen Vernehmung im Herbst 2008 hatte der gebürtige Wittenberger die Veruntreuungen ohne Wenn und Aber zugegeben. Genau genommen bestätigte Enrico S. jedoch nur „den bereits geführten Tatnachweis“, gab Polizeioberkommissar Sebastian Bockhorni am Mittwoch zu Protokoll. Enrico S. sah sich nach einer Wohnungsdurchsuchung mit einem zweiten Vorwurf konfrontiert: Auf seinem PC hatten Ermittlungsbeamte 129 Kinderpornofotos entdeckt, darunter eine Bilddatei, die einen Mann mit einem zirka vierjährigen, weinenden Mädchen beim Geschlechtsverkehr zeigt.

Außerdem hatte Maier knapp 150 Fotos von nackten Mädchen und Buben auf der Festplatte gespeichert. „Grauenhafter Mist“, so der Kommentar von Richter Berger. Er habe eine „Riesendummheit“ gemacht, erklärte der Angeklagte.

Auf konkrete Nachfrage des Richters, wie man „auf solche Ideen kommt“, entgegnete der gelernte Dachdecker: „Das kann ich nicht beantworten. Vielleicht hatte ich zu viel Zeit, weil ich keine Arbeit hatte.“ Zwei Jahre Freiheitsstrafe – diese Forderung erhob der Staatsanwalt, der dafür plädierte, diese nicht zur Bewährung auszusetzen. Enrico S.’ Rechtsanwältin Ann-Charlott Wamsler wies darauf hin, dass der Angeklagte „nichts vertuscht und nichts beschönigt“ habe und eine günstige Sozialprognose vorweisen könne.

Das Urteil: Zwei Jahre Freiheitsstrafe, die Richter Berger für vier Jahre zur Bewährung aussetzte. Außerdem muss Maier 1000 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund überweisen und der Bauernbühne die veruntreuten gut 22 000 Euro in Monatsraten von mindestens 100 Euro zurückzahlen.

Carl Christian Eick

Rubriklistenbild: © dpa

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