Sexbestie vom Brauneck

Auch nach sieben Jahren geht die Suche weiter

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Das Phantombild des Sextäters

Lenggries - Fast 10 000 Hinweise, eine DNA-Spur sowie die Arbeit einer 17-köpfigen Soko haben den Fall nicht geklärt. Heute vor sieben Jahren hat ein brutaler Sextäter am Brauneck zugeschlagen.

Der Mann hatte damals eine 67-jährige Wanderin überfallen, vergewaltigt und an einen Baum gefesselt zurückgelassen.

„Es gibt leider nichts Neues“, sagt der Leiter der Weilheimer Kriminalpolizei, Markus Deindl, zu dem Fall. Er hat im Jahr 2010 die rund 60 Aktenordner mit Zeugenaussagen, Protokollen und Ermittlungsergebnissen von seinem Vorgänger übernommen. Es ist ein einzigartiges Verbrechen, das Deindls mittlerweile verstorbenen Vorgänger Bernd Putzer fast einen Schwur ablegen ließ: „Wenn er nicht ausgewandert ist, kriegen wir ihn.“

Der Sextäter spricht in der Oberlandbahn zunächst eine andere Frau an und fragt sie freundlich und unaufdringlich, ob sie ihn beim Wandern am Brauneck begleiten wolle. Sie hat ein schlechtes Gefühl, sucht Ausreden und steigt schließlich in Tölz aus dem Zug. Ihr Glück. Sie wird später die wichtigste Zeugin der Polizei.

Opfer wird eine Münchner Wanderin, die der Täter am Leitenberg in eine Falle lockt. Er vergeht sich an ihr, fesselt sie halbnackt mit Handschellen an einen Baum und überlässt sie in 1200 Metern Höhe bei November-Temperaturen ihrem Schicksal. Dass die 67-Jährige überlebt, verdankt sie einem Jäger. Der Mann (39) sieht eineinhalb Stunden nach der Tat durchs Fernglas einen roten Fleck. Es ist das knallrote Klebeband, mit dem der Täter der Frau Mund und Augen verschloss. Der Jäger denkt, es sei ein verletzter Waldarbeiter und steigt auf. Ihm verdankt die Frau ihr Leben.

Die Kälte und Skrupellosigkeit des etwa 45-jährigen Mannes werden auch daran deutlich, dass er direkt vom Tatort zur Wohnung der Münchnerin fährt und daraus Schmuck und Bargeld raubt. Um 17.45 Uhr verlässt er das Haus und hat unverschämtes Glück. Etwa zehn Minuten nach ihm trifft die Polizei ein.

Die Jahre vergehen. Als im Juni 2009 Spaziergänger im Egmatinger Forst die Leiche einer 73-jährigen Münchnerin finden, werden sofort Erinnerungen an die „Bestie vom Brauneck“ wach, wie die Medien den Täter nennen. Das alte Phantombild wird erneut gezeigt und es gehen laut Deindl wieder „viele fantasievolle Hinweise“, bei der Kripo ein. „Geholfen hat uns das nicht.“ Die Polizei geht ohnehin davon aus, dass der Mann sich optisch längst verändert hat und vielleicht auch schon ganz woanders lebt.

2011 wird der Fall nochmals polizeiintern aufgerollt. „Andere Kollegen mit anderer Denke“, so beschreibt es der 47-jährige Kriminaloberrat, nehmen sich nochmals alle Tatbestände und wichtigen Zeugenhinweise vor. Auch das führt zu keinen neuen Erkenntnissen. Seitdem ist es ruhig um den Leitenberg-Fall. Im vergangenen Jahr, sagt Deindl, sind ein, zwei Hinweise eingegangen. Nichts Neues.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf Kommissar Zufall. „Vielleicht prahlt er irgendwann mal mit seinem Täterwissen“, sagt Deindl. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein Verbrecher selbst ans Messer liefert.

Und es gibt die DNA-Spur des Sextäters. „Vielleicht wird er irgendwann mal gespeichelt“, sagt Deindl. „Die DNA liegt als Joker in unserer Datenbank und wartet darauf gezogen zu werden.“ (cs)

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