45-Jährige in den USA

Als Sexsklavin missbraucht: Fassungslosigkeit in Oberfranken

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Konradsreuth - Eine Kontaktanzeige im Internet, ein paar Chats: Ein US-Amerikaner lockt eine Frau aus Oberfranken nach North Carolina. Der Mann macht sie zur Sexsklavin. In ihrer Heimatgemeinde sind die Dorfbewohner fassungslos.

Der Rasen ist akkurat geschnitten. Vor der Eingangstür steht eine Blumenschale. Unauffällig wirkt das Zweifamilienhaus mitten in der 3500-Seelengemeinde Konradsreuth im Landkreis Hof, das Ausgangspunkt für ein unglaubliches Martyrium war.

Anfang Juni war die im Obergeschoss wohnende Frau in die USA geflogen. Doch die Reise nach North Carolina wurde zum Horrortrip: Der Amerikaner, der sie eingeladen und das Flugticket bezahlt hatte, nahm ihr nach der Ankunft Handy und Bargeld ab und ließ sie fortan nicht mehr aus den Augen. Nach Angaben amerikanischer Polizeibehörden hielt er die Frau in der US-Kleinstadt Zebulon fast eine Woche lang in einem Lagerhaus als Sexsklavingefangen.

Am Montag befreite die Polizei die Frau aus den Fängen ihres Peinigers. Dem 45-Jährigen werden sexuelle Ausbeutung einer Erwachsenen und zweifache Körperverletzung vorgeworfen. Bei der Durchsuchung des Lagerhauses in North Carolina fand die Polizei zahlreiche Waffen, Kondome und Sexspielzeug. Außerdem entdeckten die Ermittler hinter einer Wand ein verstecktes Schlafzimmer.

Die schreckliche Nachricht hat sich in Konradsreuth in Windeseile herumgesprochen. Dorfbewohner Herbert Rank ist fassungslos: „Eine schlimme Sache ist das. Die Welt wird immer verrückter“, sagt er. „Es bleibt nur zu hoffen, dass die Frau nach ihrer Rückkehr alles seelisch und psychisch verarbeiten kann.“ Als freundlich, aber zurückhaltend, beschreiben Nachbarn die 33-Jährige.

Über das Internet hatte die gebürtige Russin den Amerikaner laut US-Behörden kennengelernt. Der Mann hatte auf einer Dating-Plattform eine Kontaktanzeige aufgegeben und gezielt nach einer Frau aus Deutschland oder Russland gesucht. Auf diese Anzeige habe die Frau geantwortet.

„Da sieht man mal, wie gefährlich das Internet sein kann, wenn man nicht vorsichtig ist“, sagt Kerstin Zurner. Die 45 Jahre alte Verkäuferin in der Metzgerei am Marktplatz von Konradsreuth sorgt sich um ihre Tochter: „Sie war auch schon in sozialen Netzwerken aktiv und wurde von Fremden angeschrieben.“ Der 70 Jahre alte Werner Hoffmann hat eine klare Meinung: „Ich kenne mich mit dem Internet zwar nicht aus, aber man kann doch nicht einem vertrauen, den man noch nie gesehen hat.“

Die 33-Jährige wohnt seit Jahren mit ihrem Ex-Mann in dem Haus in Konradsreuth - sie oben, er unten. Der EDV-Fachmann wurde am Ende sogar zu ihrem Retter. In einem unbeobachteten Moment konnte die Frau einen Hilferuf per E-Mail nach Hause schicken. Der Mann leitete die Nachricht von Konradsreuth aus an die Polizei in Zebulon weiter. Dort musste der deutsche Text zunächst übersetzt werden.

Der mutmaßliche Kidnapper bestritt bei seiner ersten Anhörung vor Gericht die Vorwürfe und sprach von einem Missverständnis. Laut amerikanischen Medienberichten hat der 45-Jährige mittlerweile aber zugegeben, die Oberfränkin bedroht und mit einer Glasflasche geschlagen zu haben.

Roland Beck/dpa

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