Nach den Anschlägen in Brüssel

Sicherheitslage in Bayern: Nervosität vor Oster-Reisewelle

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Schwerbewaffnete Polizisten mit Maschinengewehren am Flughafen Frankfurt: Auch in München wurden die Sicherheitsmaßnahmen gestern stark erhöht.

München – Nach den Anschlägen in Brüssel haben die Behörden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. Ein Überblick über die Situation in Bayern und Europa.

Am Flughafen München hat sich die Nachricht von den Terroranschlägen in Brüssel gestern rasend schnell herumgesprochen. Die meisten Passagiere seien wohl mit einem mulmigen Gefühl ins Flugzeug gestiegen, sagt Flughafen-Sprecher Robert Wilhelm. „Viele Reisende waren schockiert.“

Alle Flüge von und nach Brüssel wurden nach dem Anschlag gestrichen. „Geplant waren noch jeweils sechs Starts und Landungen an diesem Tag“, sagt Wilhelm. Wann der Flugverkehr nach Brüssel wieder regulär laufe, konnte der Flughafen-Sprecher gestern noch nicht abschätzen. „Momentan können wir auch noch nicht absehen, was auf die Osterurlauber zukommt.“

Bislang laufen die Sicherheitskontrollen regulär. Flugreisende dürfen weiterhin Flüssigkeiten in den üblichen Mengen im Handgepäck bei sich führen. Es könne aber sein, dass die Kontrollen in den nächsten Tagen verschärft werden, sagt Wilhelm. Diese Entscheidung trifft das Bundesinnenministerium.

Die Beamten der Bundespolizei waren gestern mit mehr Einsatzkräften auf Streife am Flughafen unterwegs, sagt Sprecher Christian Köglmeier. Seit den Attentaten in Paris ist die Bundespolizei in München wie auch am Flughafen Frankfurt mit Maschinengewehren ausgestattet. „Natürlich haben die Bundespolizisten gestern ganz besonders genau hingeschaut und jede Auffälligkeit noch intensiver überprüft“, sagt Köglmeier. „Es gab mehr Hinweise auf herumstehende Gepäckstücke als gewöhnlich.“ Alle Fälle haben sich jedoch als harmlos erwiesen.

In München gibt es nach Angaben der Sicherheitsbehörden keine erhöhte Gefahrenlage. „Es gibt keinen Grund zur Panik“, sagte ein Polizeisprecher. Es gehen nicht mehr Beamte Streife als vorher. „Die Polizisten sind angehalten, mit erhöhter Wachsamkeit unterwegs zu sein“, erklärte der Sprecher. „Im Moment kann es sein, dass wir die ein oder andere Personenkontrolle mehr machen.“ Sonst laufe der Betrieb an den Bahnhöfen wie immer. „Auch die U-Bahn-Wachen sind angehalten, wachsam zu sein“, sagt ein Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft. „Wir tun alles, damit sich die Münchner und die Reisenden in öffentlichen Verkehrsmitteln sicher fühlen können.“

Als Reaktion auf die Anschläge von Brüssel muss Deutschland nach Ansicht der Polizeigewerkschaft massiv in die innere Sicherheit investieren. Der Vorsitzende der Bundespolizei in der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ernst Walter, forderte in der „Welt“ ein „Milliardenprogramm“ zur Stärkung der Sicherheitskräfte – „damit wir nicht jedes Mal, wenn so etwas wie jetzt in Brüssel passiert, vor der bangen Frage stehen, wie wir das bewältigen können“.

In Deutschland wurden gestern die Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen sowie an der deutsch-belgischen Grenze verstärkt. Die Deutsche Bahn stoppte vorerst ihren Fernverkehr nach Brüssel. Schon kurz nach den Anschlägen wurde am Flughafen in Frankfurt die Sicherheit verschärft. Eingestellt wurde auch der Verkehr der Eurostar-Züge zwischen London und Brüssel. Züge, die schon unterwegs waren, wurden in Lille gestoppt.

In Frankreich und Großbritannien wurden die Sicherheitsvorkehrungen ebenfalls umgehend ausgeweitet. Vor allem in Paris, wo bei islamistischen Anschlägen im November 130 Menschen getötet worden waren, wurde die Polizeipräsenz an Flughäfen, Bahnhöfen und im öffentlichen Nahverkehr deutlich verstärkt.

Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve kündigte gestern an, 1600 zusätzliche Beamte an die Grenzen sowie an Verkehrsknotenpunkte zu schicken.

Mit Material von AFP

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