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Sicherungsverwahrung: Er hat zwei Frauen getötet und will raus

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Gerhard B. ermordete 1990 seine schwangere Frau Gudrun. Wenige Monate nach seiner Haftentlassung erwürgte er seine Freundin, die 25-jährige Ramona S., Mutter von zwei Kindern © dpa

Bayreuth - Nach den Buchstaben des Gesetzes müsste Gerhard B. (55) am 4. April dieses Jahres aus dem Gefängnis entlassen werden. Doch alle Gutachter sind sicher: Der zweifache Totschläger aus Oberfranken ist eine tickende Zeitbombe.

Daher ringen seit Dienstag Staatsanwaltschaft Bayreuth und der Verteidiger des Malers aus Coburg um die nachträgliche Verhängung einer Sicherungsverwahrung! Es ist ein politisch brisanter Fall: Erst in der vergangenen Woche rügte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg diese Praxis der deutschen Justiz. Diese Maßnahme könne nur ausgesprochen werden, wenn sie im Urteil bereits angedroht worden ist!

Doch nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat Gerhard B. erst im Knast sein wahres Gesicht gezeigt. Seine Taten: Am 9. Juni 1990 hatte er seiner schwangeren Ehefrau Gudrun B. (31) aufgelauert, als sie sich von ihrem Liebhaber nach Hause begleiten ließ. Er stach ihr ein Küchenmesser zehnmal in die Rippen. Sie verblutete. Ein Jahr darauf verurteilte ihn das Landgericht Coburg wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft, entließ ihn aber schon im Februar 1995 auf Bewährung. Der Gutachter damals: „Es war eine Tat mit Ausnahmecharakter.“

Ein verhängnisvoller Irrtum: 11. Januar 1996, wieder war Alkohol im Spiel, wieder wollte sich eine Frau von ihm trennen. Die zweifache Mutter Ramona S. (25) kannte zwar die Vorgeschichte von Gerhard B., doch sie erwiderte zunächst seine Gefühle. Doch als sie wieder zu ihrem Ex zurückkehren wollte, rastete B. aus. Bei einer Aussprache packte er Ramona S. an der Schulter. Sie wollte fliehen, doch B. schlug ihr einen Aschenbecher auf den Kopf. Dann erwürgte er die benommene Frau. Er legte sie in die Badewanne, ließ Wasser ein und räumte die Wohnung auf. Dann brach er den Wohnungsschlüssel in der Tür ab – damit der Sohn seine tote Mutter nicht tot auffindet. Der damals Achtjährige entdeckte sie dennoch. Und ist bis heute so schwer traumatisiert, dass er keine Badewanne mehr benutzen kann.

In der Haft lehnte Gerhard B. laut Staatsanwaltschaft alle Hilfsangebote ab. Therapeuten attestierten ihm fehlende Auseinandersetzungsbereitschaft, keine ausreichende Reflektionsfähigkeit. Daher denkt die Staatsanwaltschaft: „Auch die Anordnung der Führungsaufsicht mit entsprechenden Weisungen kann nicht verhindern, dass der Verurteilte erneut eine gleichgerichtete Straftat begeht.“

Gerhard B. hingegen bestreitet, sich nicht mit seinen Taten auseinandergesetzt zu haben: „Auch in der Zelle ist nicht täglich Sonnenschein“, sagte er Richter Michael Seidling. „Ich denke darüber nach, was ich anderen angetan habe.“ Nach seiner Haftentlassung wolle er nach Bamberg ziehen, wieder als Maler arbeiten und irgendwann wieder eine Beziehung eingehen. „Aber das steht ganz weit hinten.“ Am Mittwoch will das Landgericht Bayreuth über sein Schicksal befinden.

Und bei diesen zwei Killern steht die Entscheidung an

Joggerin erwürgt: In 3 Wochen frei?

Gleich vier Fälle von Sicherungsverwahrung werden am 8. Februar in Karlsruhe vom Bundesverfassungsgericht behandelt. Einer davon betrifft Daniel I. Der heute 32-jährige Schreiner erwürgte 1997 bei Kelheim die 31-jährige Joggerin Margit Ruhstorfer und befriedigte sich über ihrer Leiche. Für die Tat wurde I. als Jugendlicher zu zehn Jahren Haft verurteilt, 2009 wurde dann die nachträgliche Sicherungsverwahrung angeordnet. Dagegen legte sein Anwalt Verfassungsbeschwerde ein. Nach der europäischen Rechtsprechung hat diese gute Erfolgsaussichten.

Westparkmörder auf der Warteliste

Dieses Verbrechen erschütterte die gesamte Region München: Im Oktober 1993 bringt der damals 18-jährige Serienstraftäter Gorazd B. im Westpark aus Mordlust den Architekten Konrad H. (40) um. Der gebürtige Slowene wurde später zu einer zehnjährigen Jugendstrafe verurteilt – die Höchststrafe. Im März könnte er wieder freikommen, denn ob sich Argumente finden lassen, die eine nachträgliche Sicherheitsverwahrung rechtfertigen, ist fraglich. Denn es gilt: Es müssten „neue Tatsachen“ gegen ihn vorliegen. Neue Tatsachen, die seine Gefährlichkeit belegen.

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