Ein Rausch mit Folgen

"Sieg Heil"-Rufe: Weilheimer erhält spezielle Strafe

Weilheim - Ein Weilheimer (20) hat im betrunkenen Zustand mehrfach "Sieg Heil" geschrien. Nun stand er vor Gericht - und erhält eine ziemliche spezielle Strafe.

Wegen Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen musste sich ein 20-jähriger Weilheimer vor dem Weilheimer Amtsgericht verantworten. Laut Anklage soll er angetrunken am 4. Juli 2014 - damals waren Fußballweltmeisterschaft und „Französische Woche“ - in der Weilheimer Innenstadt zweimal den verbotenen Ausdruck „Sieg Heil“ gerufen haben. Unter anderem muss er deshalb nun an einer Führung im Konzentrationslager in Dachau teilnehmen. 

An dem Abend, an dem Deutschland gegen Frankreich spielte, war der 20-Jährige mit zwei Freunden unterwegs. Sie haben sich in einer Weilheimer Kneipe das Fußballspiel angesehen und dabei mehrere alkoholische Getränke zu sich genommen. Anschließend gingen sie auf die „Französische Woche“.

Dort soll der Angeklagte zu einem der Sicherheitsmänner gesagt haben: „Was willst du jetzt machen, wenn ich gegen die Hauswand pisse?“. Daraufhin entgegnete der, dass sich darum dann die Polizei kümmern werde. Zufällig kamen in diesem Moment zwei Polizisten vorbei, die auf Fußstreife waren. Sie hörten, wie der Angeklagte zweimal den verfassungswidrigen Ausdruck gerufen hat. So schilderten sie den Vorfall bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht. Auf ihrer Fußstreife vernahmen sie demnach zunächst die auffälligen Rufe, ohne sie zuordnen zu können. Beim zweiten Mal konnten sie den Täter sofort feststellen: Es war der Angeklagte.

"Ich bin kein Nazi. Sonst hätte ich eine Glatze, ein Bärtchen und würde den Hitlergruß machen."

Der bestritt jedoch, den Nazi-Gruß verwendet zu haben. Er habe „Sieg, Deutschland!“ gesagt, da andere Fußballfans und Besucher der „Französischen Woche“ diesen „Schlachtruf“ ebenfalls verwendeten. Als die Polizeibeamten ihn vor Ort befragten, soll der Angeklagte gesagt haben: „Ich bin kein Nazi. Sonst hätte ich eine Glatze, ein Bärtchen und würde den Hitlergruß machen.“ Dabei habe er nach Aussage der Polizisten den rechten Arm in die Höhe gestreckt.

Während der Verhandlung sagte der junge Mann erneut, dass er kein Nazi sei und fast „nur Freunde mit ausländischen Wurzeln“ habe. Einer seiner Freunde, der als Zeuge geladen war, will von dem ganzen Vorfall nichts mitbekommen haben. Allerdings sei er zum Zeitpunkt der Tat ebenfalls stark unter Alkoholeinfluss gestanden, sagt er.

Der Vorfall bei der Fußballweltmeisterschaft 2014 war nicht der einzige, den der 20-Jährige sich zu Schulden kommen ließ: Er soll 2012 nach einem Spiel der Fußballeuropameisterschaft gegen die Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt uriniert haben. Dabei kam es zu einer spektakulären Prügelei zwischen Polizisten, dem Angeklagten und weiteren Jugendlichen, bei der ein Polizeibeamter in das Schaufenster eines Geschäftes fiel (wir berichteten). Es kam damals zum Prozess wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Im Bundeszentralregister liegen noch weitere Einträge vor.

Bei der nächsten Fußball-EM will er die Spiele lieber zuhause anschauen

Angesichts dessen ordnete Richter Michael Eberle unter Anwendung des Jugendstrafrechts Jugendarrest in Form von Freizeitarrest an. Zudem muss der Angeklagte 250 Euro an die psychosoziale Beratungsstelle von Herzogsägmühle zahlen, Beratungsgespräche zum Thema „Alkohol“ absolvieren und an einer Führung im Konzentrationslager in Dachau teilnehmen.

Zum Schluss der Verhandlung zeigte der Angeklagte dann Reue: „Alkohol hat eine große Rolle gespielt. Ich wollte die Polizisten provozieren“, sagte er und kündigte an, bei der nächsten Fußball-EM die Spiele zu Hause anzuschauen.

jum/sk

Rubriklistenbild: © dpa

auch interessant

Meistgelesen

Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen

Kommentare