So dreist hinterging Ex-AUB-Boss Schelsky das Finanzamt

Siemens-Prozess: Unterhalt wurde zur Betriebsausgabe

Nürnberg - Er fühlt sich im Recht. Im Prozess um Millionenzahlungen des Siemens-Konzerns an die Gewerkschaft AUB hat deren früherer Vorsitzender Schelsky die verdeckte Finanzierung eingeräumt und sich vor dem Landgericht Nürnberg mit einem „gesellschaftspolitischen Auftrag“ der Organisation gerechtfertigt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schelsky und dem früheren Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer vor, mit verdeckt geflossenen Geldern die AUB als innerbetriebliche Gegenkraft zur IG Metall aufgebaut zu haben. Dazu kommt bei Schelsky Steuerhinterziehung.

Sein Anwalt Jürgen Lubojanski erklärte, Schelskys Aufgabe sei es gewesen, ein „demokratisches Gegengewicht“ zur IG Metall zu schaffen. Über einen Beratervertrag mit Schelsky floss so laut Staatsanwaltschaft von 2001 bis 2006 die unglaubliche Summe von 30,3 Millionen Euro an die AUB.

Zu Vorwürfen, er habe einen Großteil des Geldes für Sportsponsoring ausgegeben, meinte Schelsky, durch Trikotwerbung etwa sei für die AUB geworben worden. Er habe aber die vereinbarten Leistungen wie etwa Beratertätigkeiten „in großem Umfang erbracht“.

Vorwürfe der Anklage, er habe als Privatperson Steuern im oberen sechsstelligen Bereich hinterzogen, räumte er aber ein: „Die Verantwortung habe ich, davor will ich mich nicht drücken.“ So wurden etwa die Unterhaltszahlungen an seine Ex-Frau als Betriebsausgaben verbucht. Die Frau arbeitete bei Bedarf auch im Unternehmen mit, das Monatsgehalt von 11 100 Euro brutto habe jedoch in keinem Verhältnis zur Arbeitsleistung gestanden. Auch weitere Vorwürfe der Anklage wie die betriebliche Abrechnung von Zahlungen an seine Tochter, private Reise- sowie Telefonkosten gab Schelsky zu. Einige Punkte wies die Verteidigung jedoch zurück. So seien Zigarren im Wert von 2000 Euro und Wein für 6000 Euro als Referentengeschenke richtig verbucht worden.

Der Prozess dauert an.

Quelle: tz

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