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Augsburg: Wer sind nur diese teuflischen Brüder?

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München - Sie zögerten keine Sekunde, zogen ihre schweren Waffen und feuerten auf Mathias Vieth: Die mutmaßlichen Mörder vom Siebentischwald – Rudi R. (56) und sein Bruder Raimund M. (58).

Nun stellt sich jeder die Frage: Wer sind diese Männer? Wie konnten sie nur so kaltblütig handeln?

Fest steht: Die treibende Kraft des Bruder-Paars ist und war Rudi R.

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Die Vita des arbeitslosen Augsburgers liest sich wie das Drehbuch eines Gangsterfilms: Schon mit 16 wird er das erste Mal mit einer Waffe – einem Colt – erwischt. Dann 1975 – im Alter von nur 19 Jahren – der Mord an dem Polizisten Bernd-Dieter Kraus: Rudi R. überfällt mit einem Kumpan erst die Wache der Ritter-von-Leeb-Kaserne in Landsberg, zwingt dort einen Soldaten, ihm seine Waffe auszuhändigen. Danach wird ihr Fluchtwagen an der A 8 zufällig von dem Polizisten († 31) kontrolliert, und Rudi R., ein damals muskulöser Typ mit dunklen Haaren, schießt sofort.

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Mehr als 18 Jahre lang muss er dafür in den Knast. Doch Rudi R. ändert sich nicht – ganz im Gegenteil: „Er war immer ein sehr wütenden Typ“, sagt ein Nachbar des Killers aus dem Augsburger Stadtteil Lechhausen. „Jeder ist ihm lieber aus dem Weg gegangen.“ Mit gutem Grund: 2003 muss Rudi nämlich wieder ins Gefängnis. Warum? Er etikettiert in einem Supermarkt heimlich Sektflaschen um, um sie für wenig Geld kaufen zu können. Als die Kassiererin das bemerkt und den Hausdetektiv ruft, flippt der rabiate Mann wieder mal aus: Er zückt ein Pfefferspray, geht auf die Angestellten los. Auch die Polizei kann ihn kaum bändigen. Die Quittung: Er muss wieder ins Gefängnis, diesmal für zwei Jahre. „Dort war er mittlerweile eine bekannte Größe“, erzählt ein Insider der tz. „Vor dem Rudi hatte fast jeder Angst.“

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Hatte auch sein älterer Bruder Raimund Angst? Der führte nämlich bis zu dem Mord im Siebentischwald ein relativ unauffälliges Leben – jedenfalls im Vergleich zu seinem schwerkriminellen Bruder. Raimund M. lebt in Friedberg, hat dort ein Haus mit seiner Ehefrau (die als Standesbeamtin im Ort arbeitet) und ist stolzer Vater einer erwachsenen Tochter. Zudem ist er auch sportlich aktiv. „Der Raimund war lange bei uns im Tennisverein“, erzählt Trainer Jiri Z vom TC Friedberg. „Er war auch unser Platzwart, kümmerte sich um alles.“ Als hilfsbereit und freundlich gilt der Mann. Keinem im Verein fiel irgendetwas Ungewöhnliches auf. „Er spielte zudem in der Seniorenmannschaft – bis vor gut zwei Jahren.“ Da kam Raimund nämlich plötzlich nicht mehr. Manche munkelten, dass er schwer krank sei.

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Auch in der Gastwirtschaft, nur wenige Meter vom Tennisclub entfernt, kennt man Raimund gut – und jeder wusste von dessen Bruder. „Es war bekannt, dass der einen Polizisten erschossen hat. Daher hatte Raimund ja wohl auch seinen Familiennamen abgelegt und den seiner Frau angenommen“, erzählt die Wirtin.

Als was Raimund arbeitete? „Er war als Schlachter und Metzger früher viel im Einsatz. Da habe ich in Augsburg auch einmal mit ihm zusammengearbeitet“, so die Gastronomin. Aber auch sie ist sich sicher, dass es dem Familienvater in den letzten Jahren gesundheitlich nicht mehr gut ging. „Es gibt das Gerücht, dass er an Parkinson erkrankt sei.“

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Aber Raimund war nicht so harmlos, wie viele glaubten. Was zudem fest steht: Er benutzte den Bauerhof seines Schwiegervaters, der nur ein paar hundert Meter von seinem Wohnhaus entfernt ist, als Versteck für die Waffen seines Bruders Rudi. Hier bunkerten die zwei Maschinenpistolen, Gewehre und Munition – teils unter dem Holzboden im Schuppen. Eine Nachbarin zur tz: „Das ahnte hier niemand. Schon alleine bei dem Gedanken daran bekommt man Angst.“

age

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