Veith am Wallberg verunglückt

Ex-Ski-Star schwer gestürzt: „Ich hatte einen großen Schutzengel“

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Michael Veith (60) kann nach seinem schweren Sturz im Krankenhaus schon wieder lachen.

München - Michael Veith ist Stammgast beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel, doch diesmal konnte er nicht dabei sein. Er war am Wallberg schwer gestürzt und musste operiert werden.

Bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel ist Michael Veith eigentlich Stammgast. Doch diesmal konnte der Ex-Abfahrtstar (Vizeweltmeister 1978 in Garmisch) die Rennen nur im Fernsehen verfolgen. Wie berichtet, stürzte er beim Skifahren am Wallberg schwer. Der Tegernseer wurde am Freitag, an seinem 60. Geburtstag, im Klinikum Harlaching operiert. Warum er trotzdem viel zu feiern hat, erzählt Veith im tz-Interview.

Herr Veith, was ist genau passiert?

Michael Veith: Ich war mit einem Spezl auf einer Tiefschneeabfahrt und bin Kopf voraus auf einen Baumstamm in einem Bachbett gestürzt. Es hat einen Knack im Genick gemacht, die ersten 15 Minuten hatte ich kein Gefühl in den Armen und in den Beinen, auch das Atemzentrum war betroffen. Das alles bei vollem Bewusstsein zu erleben, war kein schönes Gefühl.

Die Bergwacht hat Sie dann nach Harlaching geflogen, richtig?

Veith: Ja, ich bin allen Helfern sehr dankbar. Nach den ersten Untersuchungen war klar, dass ich ein Riesenglück hatte. Meine Bandscheibe zwischen dem vierten und fünften Halswirbel ist gerissen, das Rückenmark hat einen ordentlichen Becker abbekommen. Der Arzt sagte zu mir: Viel Platz war nicht mehr.

Sie sind knapp der Querschnittslähmung entgangen?

Veith: Es war ziemlich eng, ich hatte einen großen Schutzengel. Als nach einer Viertelstunde das Gefühl in den Armen und Beinen zurückkam, war ich heilfroh. Seinen Geburtstag stellt man sich anders vor, aber durch dieses Geschenk war es trotzdem einer der schönsten Geburtstage in meinem Leben.

Wie geht es weiter, wie beeinträchtigt sind Sie?

Veith: Die Stelle ist verschraubt, gebrochen ist nichts. Ich muss sieben Wochen eine Halskrause tragen, aber sonst geht es mir gut, ich war schon wieder spazieren. Der brennende Schmerz in den Händen lässt nach. Aber den nehme ich gerne in Kauf, wäre er nicht da, würde ich ja gar nichts mehr fühlen. Als klar war, dass es glimpflich ausgegangen ist, habe ich auch gleich einige blöde Sprüche abbekommen. Werner Grissmann (ehemaliger Abfahrer, d. Red.) meinte: „Veith, wann lernst du endlich das Skifahren?“

Sie sind an der gleichen Stelle schon einmal in eine Lawine geraten, oder?

Veith: Ja, mit dem Werner König, das war nur ein paar Rinnen weiter. Aber die Situation war diesmal eine ganz andere. Mein Sport ist kein Hallenhalma, aber wir haben auch nicht hasardiert. Man muss aufpassen, ein Restrisiko gibt es immer, aber ich werde meine Hobbys auch nicht aufgeben, es kann mir auch in ganz anderen Situationen etwas passieren.

Und Kitzbühel darf sich 2018 wieder auf Sie freuen?

Veith: Natürlich. Ich werde vielleicht nicht auf den Barhocker springen, sondern das ganze Treiben etwas ruhiger verfolgen, aber ich werde nächstes Jahr wieder dabei sein.

DSV-Statistik: Trotz Helm mehr Kopfverletzungen

Das Unfallrisiko beim Skifahren liegt trotz immer besserer Sicherheitsausrüstung bei einem Prozent, teilt der Deutsche Skiverband (DSV) mit. In der vergangenen Saison verletzte sich einer von Hundert Skifahrern so schwer, dass er sich ärztlich behandeln lassen musste. Der DSV geht davon aus, dass 4,2 Millionen Deutsche regelmäßig Ski fahren. Rund 42.000 hätten demnach hochgerechnet 2015/2016 wegen Skiverletzungen einen Arzt aufgesucht, heißt es in einer vom DSV herausgegebenen Statistik der Stiftung Sicherheit im Skisport, die auf Daten der Versicherung Arag beruhen.

Es bedürfe der gemeinsamen Anstrengung aller beteiligten Institutionen, aber auch einer Verhaltensänderung der Skifahrer, um die Pisten noch sicherer zu machen, fordert der DSV. Die Unfallzahlen seien bereits gefallen. Es gebe 50 Prozent weniger Verletzungen als 1980. Als Grund nennt DSV-Sicherheitsexperte Andreas König bessere Pisten, moderne Bindungen und Schutzkleidung wie Protektoren und Helme, die laut König 85 bis 90 Prozent der Skifahrer tragen. Außerdem sind die Ski kürzer als früher, die Hebelwirkung damit geringer. „Die Leute fahren teils bis zu 40 Zentimeter kürzere Ski.“

Beinbrüche und Knieverletzungen gingen damit zurück, auch wenn das Knie weiter in mehr als einem Viertel der Fälle betroffen sei. Trotz der Helme gebe es allerdings mehr Kopfverletzungen. Dazu zählen aber laut König auch blutende Nasen oder ein aufgeschürftes Kinn. Auf und neben den Pisten verunglücken laut Alpenverein übrigens vor allem junge Menschen.

Mathias Müller

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