Mysteriöser Fund erregt Aufsehen

Skelett in der Untersberg-Höhle entdeckt

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Alpinpolizist Oliver Anzböck mit Teilen des Skies und der Lederschuhe.

Berchtesgaden - Fünf Monate nach der Riesending-Rettung gibt ein Knochenfund im sagenumwobenen Untersbergmassiv  Rätsel auf. Sind es die Überreste eines vermissten Wintersportlers? Wer ist der Mann?

Im Oktober wurden dort im Bereich des Salzburger Hochthrons in einer erst vor fünf Jahren entdeckten Höhle Knochen gefunden. Erste Teile lagen in etwa 150 Metern Tiefe. Dann tauchten Lederschuhe auf, „genagelt, mit Eisenzacken“, berichtet der einheimische Geologe und Forscher Georg Zagler. Und Fragmente eines Holzskis, dazu Überbleibsel eines Stocks, Reste einer alten Riemenbindung. Hundert Meter weiter unten lagen wieder Skelettteile in dem Schacht. So, wie sich nun der Fund darstellt, dürfte es sich dabei um Ausrüstung und die sterblichen Überreste eines in den Bergen vermissten Skitourengehers handeln. Doch wann verunglückte der Wintersportler, und um wen handelt es sich?

Zunächst hieß es, er könnte vor 40 bis 50 Jahren verschollen sein, aufgrund der Beschaffenheit der Ausrüstung dürfte das Opfer aber noch wesentlich früher verunglückt sein. Der Mann könnte sogar 80 Jahre in der Höhle gelegen haben. Wie er überhaupt dorthin kam, da hat Zagler eine Vermutung: Demnach könnte der Skibergsteiger in eine der zahllosen Spalten und Dolinen gefallen sein, die den Untersberg wie natürliche Fallen durchziehen. Der Mann stürzte rund 50 Meter ab und kam auf einer Schräge zum Liegen. Zagler: „Es ist anzunehmen, dass er auf der Stelle tot war.“

Das Absturzopfer verweste, im Laufe der Jahre rissen Schmelz- und Regenwasser den Toten immer weiter nach unten.

Nach einer kräftezehrenden Bergung durch drei Höhlenretter und zwei Polizisten wurden das Skelett und die Fundstücke gestern vom Berg geflogen. Die Überreste sollten später obduziert werden. Fraglich ist, ob sich die Identität feststellen lässt. Die Vermisstendatenbank im Land Salzburg reicht nur bis ins Jahr 1964. Falls die Überreste älter sind, helfen vielleicht frühere Chroniken in Polizeiinspektionen. Doch es könnte auch sein, dass der Tote aus Bayern stammt.

Die Höhle liegt am Massiv auf der gegenüberliegenden Seite der Riesending-Schachthöhle. Aus dieser war vor fünf Monaten der verletzte Höhlenforscher Johann Westhauser gerettet worden.

Höhlen-Drama: Neue Bilder der Rettungsaktion

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mc

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