Hinterlassenschaft auf Rottacher Wiese

So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt

Ob Aufregung oder Magen-Darm-Verstimmung: Ausgerechnet am Tatort - eine Wiese in Rottach-Egern - verrichtete der Chef einer Diebesbande seine Notdurft. Der erste Prozesstag.

Ein Panzerknacker aus Kroatien, Serbien und Bosnien leistete sich in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 2015 eine ziemlich beknackte Aktion. Seitdem geistert er als so genannter „Panzerkacker“ durch die Medien. Diesen Titel handelte sich Edvin D. (40), Gartenarbeiter aus Kroatien, bei einem Einbruch ein, den er mit einem Komplizen in einem Hotel in Rottach-Egern begangen haben soll. Sie rissen einen Möbeltresor aus einem Büroschrank, schleppten ihn ins Freie, brachen ihn auf und stahlen Bargeld in Höhe von 8300 Euro – dann ließen sie den Tresor neben einem Stadel liegen. Doch D. ließ noch etwas anderes am Tegernsee zurück: eine Stuhlprobe.

Offenbar verspürte der Kroate beim Knacken des Tresors ein so großes Bedürfnis, dass er sich gleich auf der grünen Wiese, unmittelbar am Tatort, erleichterte. Damit erleichterte er aber auch den Ermittlern die Arbeit. Die hatten nun eine perfekte DNA-Spur, die sie beim Abgleich mit der Gen-Datenbank zu Edvin D. führte. Der soll der Chef einer ganzen Diebesbande sein, deren Mitglieder nach und nach ausfindig gemacht wurden. Seit Ende des Jahres 2015 sitzen fünf Männer und eine Frau (zwischen 35 und 55 Jahre alt) aus Kroatien und Serbien in Untersuchungshaft – seit Dienstag müssen sie sich wegen schweren Bandendiebstahls vor dem Landgericht München II verantworten.

Im Prozess wurde das Detail mit der Hinterlassenschaft bisher nicht erwähnt. Zu Beginn schilderte Staatsanwältin Constanze Schneider die 24 Einbrüche, die der Bande vorgeworfen werden. Sie soll sich in München, am Tegernsee, Erding, Garmisch-Partenkirchen, Augsburg und Neu-Ulm sowie in Baden-Württemberg vor allem in Hotels und Gastronomiebetrieben zu schaffen gemacht haben. Dabei erbeutete sie rund 171.000 Euro und richtete großen Sachschaden an.

In München hat die Bande vom Balkan laut Anklage dreimal zugeschlagen. Demnach brach sie 2015 in eine Apotheke im Olympiaeinkaufszentrum (OEZ) ein und stahl 1075 Euro Bargeld, aus einer Privatwohnung in Sendling sogar 30.000 Euro. Auch ein bekanntes Münchner Gesicht soll den vier Männern der Bande zum Opfer gefallen sein: Im Oktober 2015 drangen sie laut Anklage gewaltsam in den Gastronomiebetrieb von Wiesn-Wirt Siegfried Able ein, der das Marstall-Festzelt betreibt. Die Beute fiel mit 20 Euro zwar mager aus. Dafür war der Sachschaden umso größer: Er lag bei rund 20.000 Euro.

Am meisten hatten es die Täter auf Tresore abgesehen. Oft schleppten sie diese in sichere Entfernung, um sie erst dort aufzubrechen und auszunehmen. So stiegen sie etwa am 13. September 2015 in ein Hotel in Ohlstadt (Kreis Garmisch-Partenkirchen) ein, entwendeten einen Tresor und trugen ihn zwei Kilometer weit in ein Bachbett, um ihn dort zu knacken. Sie erbeuteten Wertgegenstände in Höhe von 100 Euro.

Einer der Angeklagten, Lazar D. (45), muss sich auch noch wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag verantworten. Er soll seine Schwester in Serbien telefonisch beauftragt haben, seine Noch-Ehefrau und deren Familie „erledigen“ zu lassen. Sie sollte sich nach den Kosten für einen Auftrags-Killer erkundigen. Angeklagte und Verteidiger haben sich bisher noch nicht geäußert.

Der Prozess dauert an.

gut

Rubriklistenbild: © dpa

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