tz zeigt drei Beispiele

So werden Flüchtlinge in unseren Arbeitsmarkt integriert

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Pfleger Nizamudin Mirzazada ist bei den Heimbewohnern in Neuötting – hier mit Seniorin Edith Koch – höchst beliebt.

München - Pfleger, Klempner, Touristiker: So werden Flüchtlinge in Bayerns Arbeitsmarkt integriert. Die tz zeigt drei Beispiele.

Afghane Nizamudin Mirzazada liebt seine Arbeit im Seniorenheim

Die Angst war groß, wenn die Taliban wieder an die Haustür hämmerten: „Wo ist dein Sohn? Wir brauchen ihn als Kämpfer“, schrien die bewaffneten Männer dann Nizamudins Vater an. „Nur der hatte mich vorher immer versteckt“, erzählt der junge Afghane (28) heute lächelnd. „Ja, Vater rettete mir zigmal das Leben – in unserem kleinen Dorf im Kundus.“ Heute ist das Leben in Furcht vorbei, heute lacht Nizamudin Mirzazada, so sein ganzer Name, viel und gerne. Meist mit den Bewohnern des BRK-Seniorenheims in Neu­ötting. Denn dort arbeitet der junge Afghane seit drei Jahren als Pflegehilfskraft. „Ich liebe meinen Beruf, bin Deutschland dankbar, dass ich das hier machen darf“, fügt er bescheiden an. Mittlerweile ist sein Deutsch so gut, dass Nizam, so sein Spitzname, der „Geschichtenerzähler“ im Haus ist. „Ich lese den Menschen gerne vor oder erzähle ihnen von meiner Heimat. Das tut auch mir gut.“ Der Weg in ein normales Leben war steinig: Vor fünf Jahren schlich sich der gelernte Schneider nachts aus dem heimatlichen Dorf – nur sein Vater wusste Bescheid. Dann ging es nach Pakistan, weiter über den Iran in die Türkei und von dort nach Europa. Wochenlang war Nizamudin alleine unterwegs. „Aber die Mühe hat sich gelohnt. Ich liebe mein Heimatland, aber sich dort etwas aufzubauen, ist einfach unmöglich“, stellt der Afghane fest. „Es gibt keine Rechte, keine Gerechtigkeit. Da habt es ihr Deutschen so gut, glaubt mir.“ Als Nizamudin sein Bleiberecht gewährt wurde, suchte er sich sofort Arbeit: Erst werkelte er als Putzkraft, dann bei McDonald’s. Den Job als Pfleger sieht er als seine Berufung: „Das möchte ich unbedingt weitermachen.“ Manchmal telefoniert Nizam mit seinem Vater, dann erzählt er ihm von dem fernen Land und dem Frieden hier. „Er weint dann oft vor Freude.“

Armin Geier

Asfaw Selato Wogame: Stark motiviert!

Umut Ulus zeigt Asfaw Selato Wogame die Arbeit im Reisebüro.

Das Projekt „Integration durch Arbeit“ (IdA) der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft bietet 120 Asylbewerbern mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit Sprach- und Integrationskurse und daran anschließend Schnupperpraktika in bayerischen Unternehmen. Asfaw Selato Wogame bekam so die Chance, ein Praktikum im Nürnberger Reisebüro Türkis Tour Travel zu machen. „Frau Wogame möchte auf eigenen Füßen stehen können und ein Leben führen wie jeder andere in Deutschland. Dies motiviert sie sichtlich dazu, sich viel mehr anzustrengen“, lobt ihr Chef Ulus Ulmut die 19-Jährige. Türkis-Tour-Leiter Yücel Stoiber hält es für wichtig, dass die Asylbewerber dank IdA in verschiedene Branchen hineinschnuppern können: „Die Menschen dürfen nicht gezwungen werden, das zu nehmen, was gerade frei ist. Sie müssen ihre eigene Begabung erkennen und einsetzen können.“ Die Kunden der Reisebranche seien besonders offen für Migranten, findet Stoiber: „Wer gerne reist, hat keine Angst vor fremden Kulturen und freut sich, wenn eine gut Deutsch sprechende Äthiopierin ihn berät!“

KR

Zwei Flüchtlinge in Neuhauser Sanitärbetrieb

Angela Globig leitet einen Sanitärbetrieb.

Seit 35 Jahren bildet der Neuhauser Sanitärbetrieb Globig junge Leute aus – und hat es wie viele im Handwerk schwer, geeignete Auzubis zu finden. Mittlerweile gehören zur Mannschaft zwei Flüchtlinge: Sawi aus Afghanistan und Basar aus dem Irak. ­„Sawi ist jetzt seit 3,5 Jahren bei uns und wird die Ausbildung heuer beenden. Basar ist seit Februar im Betrieb“, erzählt Angela Globig der tz. Die Chefin ist von den beiden äußerst angetan. „Sie sind sehr motiviert und wollen wirklich etwas lernen.“ Auch die Sprache hätten sie sich schnell angeeignet. So gut, dass der junge Iraker seine Führerscheinprüfung auf Deutsch mit null Fehlern bestanden habe. Trotzdem seien in der Berufsschule besonders die Textaufgaben eine Herausforderung. „Da brauchen die beiden einfach ein wenig länger“, so Globig. Für die Fachsprache hat sich die Chefin des Heizungshandwerksbetriebs was besonderes einfallen lassen: „Wir haben einen Werkzeugkatalog auseinandergeschnitten. Die einzelnen Begriffe mussten die beiden dann lernen.“ Sie kümmert sich bewusst um Lehrlinge, die es sonst schwer haben, und findet ihre Azubis oft an Mittelschulen oder bei Berufsinfoabenden. Globig ist überzeugt: Auch diese jungen Menschen brauchen ein Chance!

tz

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