Wieder Zulieferer von Hubers Landhendl

Putenmast: Brutale Tötungsmethode angeprangert

+
Mit einer Zange, die eigentlich für die Kastration von Pferden und Bullen gedacht ist, sollen Puten im Landkreis Dillingen ohne ausreichende Betäubung getötet worden sein.

Dillingen - Ein zweiter Putenmast-Betrieb im Raum Dillingen soll seine Tiere brutal behandeln. Wie die SOKO Tierschutz dokumentiert hat, wurden dort Puten mit einer Kastrations-Zange für Bullen getötet.

Wieder ein Fall von mutmaßlichen Tier-Misshandlungen im Landkreis Dillingen bei einem Zulieferer für Hubers Landhendl: Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass in einem Betrieb Tiere brutal niedergeknüppelt, lebendig weggeworfen und für den Verkauf auf dem Hof illegal geschächtet worden sein sollen. Nun haben die Tierschützer von SOKO Tierschutz die Zustände auf einem zweiten Hof im Landkreis Dillingen dokumentiert - die ebenfalls besorgniserregend zu sein scheinen.

SOKO Tierschutz ist ein gemeinnütziger Verein, der sich auf die Rechte von Tieren und auf Umwelt- und Verbraucherschutz spezialisiert hat. Die Tierschützer hatten im vergangenen Jahr die Tierquäler-Vorwürfe bei Wiesenhof publik gemacht. Im jüngsten Fall in Dillingen arbeiteten die Tierschützer mit einer verdeckten Ermittlerin - die sie auf den Hof schickten.

"Die haben zu dem Zeitraum Arbeitskräfte gesucht", sagt der SOKO-Vorsitzende Friedrich Mülln. Mehrere zehntausende Tiere hält der Hof, er ist einer der größten in der Region.

Betroffener Landwirt will sich nicht äußern

Neben verletzten Tieren im Stall dokumentierten die Tierschützer, dass auch in diesem Betrieb Puten nicht vorschriftsgemäß getötet wurden. Wie in einem Bericht von Spiegel TV vom Sonntag zu sehen ist, wurden nicht transportfähige Tiere in dem Mastbetrieb lediglich mit einem Hieb auf den Kopf betäubt - und einer großen Zange umgebracht. Eine Zange, die ursprünglich für die Kastration von Bullen und Pferden gedacht ist. 

Mit dem "Werkzeug" wird versucht, den Tieren das Genick zu brechen. "Eigentlich muss bei schweren Tieren wie Puten über fünf Kilogramm die Betäubung mit einem Bolzenschussgerät durchgeführt werden", sagt Friedrich Mülln. "Für das Töten wird ein Kehlschnitt empfohlen." Das versuchte Töten mit der Zange kann schwere Leiden bei den Tieren hervorrufen. Wird das Genick etwa nicht gebrochen, können die Puten ab dem Hals gelähmt sein.

Der Mästerin des Betriebs sei der Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bewusst gewesen, meint die SOKO Tierschutz. Sie habe der verdeckten Ermittlerin noch gesagt, dass eigentlich ein Bolzenschussgerät zur Betäubung verwendet werden müsse. "Ihr seid doch nicht von Peta (Anm.: weltweit größte Tierrechtsorganisation)?", sei die Tierschützerin gefragt worden, so Mülln.

SOKO Tierschutz will am Dienstag Anzeige gegen den Betrieb erstatten. Gegenüber unserem Online-Portal wollte sich der betroffene Landwirt nicht zu den Vorwürfen äußern.

Fraglich ist, wie die mutmaßlichen katastrophalen Zustände auf dem Zulieferer-Hof mit dem selbstgewählten Firmen-Image von Hubers Landlhendl zusammenpassen. Die österreichische Firma gibt sich bewusst familiär und tierfreundlich. Zu den Kunden von Hubers Landhendl gehören Rewe, Edeka, Netto, Penny Höhenrainer, Vinzenzmurr, viele Metzgereien und das Münchner Oktoberfest.

Betriebe im Landkreis Dillingen: Beziehung zu Hubers Landhendl ruht

Nach den Berichten über die katastrophalen Zustände in den Mastbetrieben hat laut Spiegel TV mittlerweile eine der belieferten Supermarkt-Ketten reagiert und die Produkte von Hubers Landhendl aus dem Sortiment genommen.

Hubers Landhendl arbeitet aktuell mit beiden betroffenen Betrieben in Dillingen nicht mehr zusammen, wie ein Presseprecher bestätigte. Auf der Firmen-Website weißt Hubers Landhendl in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Vertragslandwirte "selbstständige Familienbetriebe" und von daher auch Eigentümer der Tiere seien. Dennoch machten die Firma die Vorwürfe gegen die Zulieferbetriebe "betroffen", sie habe "hohes Interesse an einer Aufklärung der Vorwürfe" und wolle zusätzliche externe Kontrollen auf die Betriebe verstärken.

Als "vorläufig ruhend" beschreibt Hubers Landhendl die Zusammenarbeit mit den Höfen aus dem Lankreis Dillingen. Hubers Landhendl habe die "zuständigen Behörden um Prüfung des Sachverhaltes ersucht". SOKO Tierschutz-Vorstand Mülln vermutet hinter der Formulierung "vorläufig ruhend" einen Trick. "Wenn sich die Aufregung gelegt hat, wird die Zusammenarbeit wiederbelebt", sagt er.

Das Veterinäramt hatte bei seinen Kontrollen auf dem Hof im Landkreis Dillingen, der als erstes in die Schlagzeilen geraten war, in den Jahren 2013 und 2014 keine Missstände gefunden. Damit hatte sich auch der betroffene Bauer verteidigt. "In den Jahren 2013 und 2014 war der amtliche Tierarzt insgesamt 27 Mal vor Ort", sagt ein Pressesprecher des Landratsamtes Dillingen bei Spiegel TV. Bei diesen Untersuchungen seien "nie Hinweise aufgetaucht, dass es in der Haltung Missstände geben könnte".

Wie das sein kann? Friedrich Mülln hat da eine Theorie: "Das liegt daran, dass die Kontrollen der Veterinärämter angemeldet sind. Und wenn man sich vorher anmeldet, wird man auch nichts finden", sagt er.

In einer Pressemitteilung teilte das Landratsamt Dillingen am Montag nun mit, dass in beiden betroffenen Betrieben in den letzten Tagen auch unangemeldete Kontrollen stattgefunden haben. Vereinzelt seien verendete Tiere in den Ställen vorgefunden worden, sonst habe es keinerlei größere Missstände gegeben. Vom Amt angeordnet wurde, dass das "Töten und Schlachten der Puten ausschließlich durch nachweislich sachkundige Personen durchzuführen ist".

Spannend bleibt die Frage, ob der Skandal für die Höfe auch rechtliche Konsequenzen hat. Auf Anfrage unseres Portals bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg, dass in dem ersten Fall bereits ermittelt wird. Gegen den Mastbetrieb - aber auch die Tierschützer, weil sie sich unbefugt Zutritt zum Hof verschafft haben.

wei

auch interessant

Meistgelesen

Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen

Kommentare