So will die Spielbank das Rauchverbot umgehen

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Direktorin Antje Schura will mit dem Wintergarten den Rauchern eine Alternative in stilvollem Ambiente bieten

Bad Wiessee - Auch die neun bayerischen Spielbanken trifft das Rauchverbot hart. In Bad Wiessee will man nun die rauchenden Spieler mit einem qualmfreundlichen Angebot locken.

Noch immer gibt es Nachwehen wegen des Rauchverbots – Kneipen bleibt die Kundschaft aus, die Verluste lassen sich schwer kompensieren. Hart trifft es die, an die man zunächst am wenigsten denkt – die neun bayerischen Spielbanken. In Bad Wiessee will man die rauchenden Spieler, die ins Internet abgewandert sind oder die ihre Jetons inzwischen lieber in den qualmfreundlicheren Nachbarländern Tschechien und Österreich setzen, zurückholen: mit einem mit elek­trischen Heizstrahlern heizbaren Raucherwintergarten, der bald eröffnet werden soll. Direktorin Antje Schura will den Rauchern dabei zeigen, „dass sie uns wichtig sind“. Das sagte sie gegenüber der Tegernseer Zeitung. Doch der Wintergarten hat nicht überall Freunde. tz-Leser Hans-Peter W.: „Viele Wirte klagen ebenfalls über hohe Verluste, da gibt es keine Ausnahmen.“ Und Sebastian Frankenberger (ÖDP-Chef), Gallionsfigur der Nichtraucherbewegung, denkt: „So ein Wintergarten fällt unter das Rauchverbot!“

Spielbank Bad Wiessee: Links der Wintergarten mit Öffnungen für permanente Frischluftzufuhr

Die Beweggründe zum Bau des 200 000 Euro teuren Wintergartens, der auf der Terrasse vor dem Roulette-Spielsaal entstand, sind nachzuvollziehen. Die Gemeinde, die das Casino erst vor wenigen Jahren für 28 Millionen Euro neu errichten ließ, klagt über hohe Einnahmeverluste. Rathauschef Peter Höß berichtete der Bürgerversammlung letzte Woche von Mindereinnahmen seit 2008 von mehreren Millionen Euro. Dabei bleibt das Casino die beste Einnahmequelle für die Gemeinde: Sie erhält heuer 2,8 Millionen Euro aus dem Bruttospielertrag (BSE) plus 523 000 Euro vom Betreiber und Mieter – dem Freistaat Bayern. Doch auch der Freistaat klagt. Laut Direktorin Schura ist der Ertrag seit 2006 von 32,88 Millionen auf für 2010 hochgerechnete 19,7 Millionen Euro zurückgegangen – 40 Prozent Verlust. Einer der ausgemachten Gründe: die fehlenden Freunde des Nikotins.

Dabei hatte man mit den Entwicklungen gerechnet und früh auf ein Raucherrefugium gesetzt: Überlegungen für einen Wintergarten gibt es seit der ersten Einführung des Rauchverbots im Jahr 2008. Je nach Gesetzeslage wurden diese konkretisiert oder zurückgestellt. Mit Lockerung zum August 2009 durfte im Automatenbereich gar gequalmt werden, was zu einer Renaissance in der Spielkultur führte. Doch mit dem nun geltenden Rauchverbot ging es wieder bergab. Der Raucherwintergarten soll nun die Abtrünnigen mit den Gegebenheiten versöhnen: In der laut Staatliche Lotterieverwaltung „offenen Kons­truktion“ lässt sich über Anzeigetafeln das Spielgeschehen verfolgen. Entgegen einer ersten Ankündigung sei eine Bewirtung nicht vorgesehen.

Rauchverbote in den Bundesländern

Gesetze zum Nichtraucherschutz gibt es in allen Bundesländern. © dpa
Seit August 2010 gilt in Bayern wieder ein striktes Rauchverbot. Ein Überblick über die Bundesländer: © dpa
BADEN-WÜRTTEMBERG: Gaststätten müssen rauchfrei sein, können aber abgeschlossene Raucherräume einrichten. Rauchen in Einraumkneipen, ist erlaubt. In Diskotheken darf nur in vollständig abgetrennten Nebenräumen ohne Tanzfläche gequalmt werden, wenn sie nicht von Jugendlichen besucht werden. Das Rauchen in Festzelten ist erlaubt. © dpa
BAYERN: Von August an ist Qualmen in Gaststätten, Kneipen und Bierzelten ausnahmslos verboten. © dpa
Auf dem Oktoberfest darf in diesem Jahr noch geraucht werden, im nächsten nicht mehr. © dpa
BERLIN: Rauchen ist nur in abgetrennten Raucherräumen von Restaurants und Kneipen erlaubt sowie in Kneipen, die kleiner als 75 Quadratmeter sind. Clubs und Diskotheken, die auch von unter 18-Jährigen besucht werden, müssen rauchfrei sein. Wenn nur Erwachsene Zutritt haben, dürfen separate Raucherräume eingerichtet werden. © dpa
In Shisha(Wasserpfeifen)-Gaststätten ohne Alkoholausschank darf geraucht werden, wenn Minderjährige draußenbleiben. © dpa
BRANDENBURG: In Brandenburg darf geraucht werden, wenn die Gastfläche nicht größer als 75 Quadratmeter ist, kein abgetrennter Nebenraum existiert und keine zubereiteten Speisen angeboten werden. Das Lokal muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet sein. Bei größeren Einheiten darf ein Raum für Raucher abgetrennt werden. © dpa
BREMEN: In Gaststätten und Diskotheken sind separate Raucherräume erlaubt, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. In Einraumgaststätten bis 75 Quadratmeter darf geraucht werden, wenn sie als Raucherkneipe gekennzeichnet sind und unter 18-Jährige keinen Eintritt haben. In Festzelten, auf Jahrmärkten und Volksfesten müssen Nichtraucher den blauen Dunst ertragen. © dpa
HAMBURG: Bisher durfte nur in Kneipen geraucht werden. Doch nun ist in Hamburg auch die Zigarette zum Essen erlaubt. Voraussetzung: Ein abgetrennter Raucherraum. © dpa
HESSEN: In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in größeren Gaststätten und Diskotheken nur in Nebenräumen. In Festzelten, die nur vorübergehend betrieben werden, gilt das gesetzliche Rauchverbot nicht. © dpa
MECKLENBURG-VORPOMMERN: Tabakqualm ist in Kneipen und Restaurants nur in separaten Nebenräumen erlaubt. Für Einraumkneipen gelten Ausnahmen. In Diskotheken darf generell nicht geraucht werden. © dpa
NIEDERSACHSEN: In Restaurants, Kneipen und Diskotheken ist Rauchen nur in abgetrennten Räumen erlaubt. In Einraumkneipen darf geraucht werden, wenn dort kein Essen serviert wird. Die Kneipe muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet werden, Jugendliche unter 18 Jahren haben keinen Zutritt. © dpa
NORDRHEIN-WESTFALEN: Rauchen ist in Einraumgaststätten erlaubt, die nicht größer als 75 Quadratmeter sind. Sie müssen als Raucherkneipen gekennzeichnet sein, Jugendlichen unter 18 Jahren dürfen keinen Zutritt haben, und in solchen Kneipen dürfen keine zubereiteten Speisen serviert werden. In Diskotheken darf nur in abgetrennten Räumen gequalmt werden. © dpa
SAARLAND: Der blaue Dunst ist derzeit nur in separaten Nebenräumen, in einer inhabergeführten Gaststätte oder einer Gaststätte mit einem Schankraum unter 75 Quadratmetern ohne Speisenangebot erlaubt. Nach einem neuen Gesetz soll das Rauchen bald in allen Gastronomiebetrieben grundsätzlich verboten sein. Die Regel sollte ursprünglich von Juli an gelten, wurde aber Ende Juni vom Verfassungsgerichtshof nach Klagen von Gastwirten vorläufig gestoppt. Die Richter wollen im kommenden Jahr in der Sache entscheiden. © dpa
SACHSEN: Kneipen können einen separaten Raucherraum einrichten. Außerdem dürfen Einraum-Gaststätten, Spielhallen und Diskotheken ihren Gästen das Qualmen erlauben, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. Zulässig ist das Rauchen außerdem bei geschlossenen Gesellschaften wie bei Familienfeiern. © dpa
SACHSEN-ANHALT: Gaststätten können einen Raucherraum einrichten, Jugendliche dürfen diesen nicht betreten. In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in Nebenräumen von Diskotheken nur, wenn Minderjährige generell keinen Zutritt haben. © dpa
SCHLESWIG-HOLSTEIN: Gequalmt wird in Einraumkneipen und in Nebenräumen von Gaststätten. In diese Nebenräume dürfen nur Erwachsene. Vorübergehend aufgestellte Festzelte sind vom Rauchverbot ausgenommen. © dpa
THÜRINGEN: Thüringen hat sein Nichtraucherschutzgesetz im Juni abgeschwächt. Damit darf in Einraumkneipen wieder offiziell geraucht werden. In größeren Gaststätten ist der Griff zum Glimmstängel nur in separaten Raucherräumen erlaubt. © dpa

Genehmigt sind die Pläne für den Raucherwintergarten – vom Landrats­amt Miesbach. Behördensprecher Frank Skodczinski. „Als die Baupläne eingereicht wurden, wurden diese nach baurechtlichen Bestimmungen als Außen- und nicht als Innenbereich bewertet.“ Kurz: außen – kein Rauchverbot, drinnen – Rauchverbot im Sinne des Nichtraucherschutzgesetzes. Eine baurechtliche Besichtigung und Prüfung durch das Landratsamt, ob der Wintergarten nach den eingereichten Plänen umgesetzt wurde, soll in den nächsten Tagen erfolgen. Dabei wird etwa geprüft, ob die Fassade die großflächigen Öffnungen aufweist – eine der Grundlagen, damit Raucher draußen sind. Skodczinski: „Sollte es dazu kommen, dass das Landratsamt den Bereich als Innenraum einstuft, folgen rechtliche Schritte.“ Wie diese aussehen, mag man sich ausmalen. Rauchen bleibt nicht nur gesundheitlich ein Glücksspiel …

A. Wille und M. Christandl

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