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Sportboothafen in Regensburg muss weg: Vereine fühlen sich in ihrer Existenz bedroht - Stadt verteidigt sich

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Die Flächen für die Anlegestellen der Motorbootvereine am Oberen Wöhrd
Die Flächen für die Anlegestellen der Motorbootvereine am Oberen Wöhrd wurden zum Jahresende gekündigt. © Stefan Aigner

Die Flächen für mehrere Motorbootvereine in Regensburg wurden vom Wasserwirtschaftsamt gekündigt. Sie müssen zum Jahresende weg. Sportbürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) hat sich nun auf die Seite der Vereine geschlagen. Das setzt sie und die Stadt unter Zugzwang.

Regensburg - „Ich finde natürlich, dass sie erst da weg können, wenn es einen Ersatzstandort gibt.“ Das sagt die Regensburger Sportbürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU*) zur Kündigung der Flächen des Sportboothafens am Oberen Wöhrd. Betroffen davon sind vor allem zwei Motorbootvereine, die die Flächen seit den 60er Jahren vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg gepachtet haben.

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Regensburger Wasserwirtschaftsamt zur Auflösung des Sportboothafens: „Kündigung steht nicht zur Debatte.“

Dass die Vereine das Areal verlassen und ihre Anlegestellen, Zäune und Bauten entfernen müssen, ist eigentlich keine Neuigkeit. Bereits seit dem Jahr 2010 gibt es ein Flussraumkonzept für Regensburg, das eine Verlegung des Bootshafens und eine Renaturierung der Flächen vorsieht. Wörtlich heißt es dort: „Die Sportbootanlegestellen am Oberen Wöhrd liegen in einem für die Naherholung sehr wertvollen Bereich, sie sind nur Vereinsmitgliedern zugänglich. Bei Hochwasser stellen die Anlegestellen ein erhöhtes Risiko dar, weil nicht evakuierte Boote durch die Strömung verdriftet werden und mit Brückenbauwerken kollidieren könnten.“

Beim Wasserwirtschaftsamt Regensburg* kann man die Kritik an der nun erfolgten Kündigung zum Jahresende daher auch nicht nachvollziehen. Die Kündigung sei „rechtmäßig und vertragskonform“ erfolgt, sagt Behördenleiter Josef Feuchtgruber. Sie stehe nicht zur Debatte. Man habe diese „mehrfach und frühzeitigst“, erstmals im Mai 2015, angekündigt und den Vereinen „ein knappes Dutzend“ eigene Flächen innerhalb und außerhalb von Regensburg als Ausweichmöglichkeit angeboten. „Wie ernsthaft und nachdrücklich diese Prüfungen durchgeführt worden sind, wissen wir nicht.“

Vereinsvertreter bestätigen, dass ihnen mehrere Flächen angeboten worden seien. Doch diese seien alle ungeeignet, heißt es. Sie fordern entweder eine geeignete Fläche oder Bleiberecht. Der Staat könne den Vereinen doch nicht so einfach die Existenzgrundlage entziehen, so die Argumentation.

Ersatzflächen für Sportboothafen: Aus der Marina im Marinaquartier wurde nichts

Ursprünglich gab es Pläne, den Bootshafen zum Alten Schlachthof zu verlegen, dem heutigen Marinaquartier. Im Zuge der Planungen für dieses Viertel wurden mehrfach Bootsanleger in Aussicht gestellt – in einer sogenannten Außenmarina. Doch zunächst wurden die dafür vorgesehenen Flächen aus dem Planungsverfahren herausgenommen. Dafür werde es einen eigenen Planungs- und Genehmigungsprozess geben, hieß es. Im Juni 2017 wurde das Projekt Außenmarina – eigentlich namensstiftend für das Marinaquartier – komplett beerdigt.

Die Erschließung sei zu schwierig, das Ganze sei wirtschaftlich nicht tragfähig und auch einen Betreiber für die Marina hätte man wohl kaum gefunden, so die damals vorgetragenen Argumente. Stattdessen soll dort ein zusätzliches Hafenterminal für Personenschifffahrt entstehen. Insider sagen: „Das war eine Fehlplanung, bei der mit großem Aufwand jede Menge Geld in den Sand gesetzt wurde.“ Vier Jahre ist das her. Seitdem hat die Stadt keinen anderen Ausweichstandort mehr ins Spiel gebracht.

Vereine haben Ersatzflächen im Auge - eine gehört der Stadt Regensburg

Das könnte sich nun ändern. Die Motorbootvereine haben noch zwei Flächen im Auge, die aus ihrer Sicht geeignet wären. Eine davon gehört der Stadt Regensburg. Wenn sich also die Vereine Anfang Dezember noch einmal mit allen Behörden an einen Tisch setzen, um eine Lösung zu finden, dürfte insbesondere Sportbürgermeisterin Astrid Freudenstein gefragt sein. Zumindest hat sie mit ihrer Aussage, dass die Vereine die Fläche erst verlassen könnten, wenn Ersatzflächen gefunden seien, sowohl sich persönlich als auch die Stadt Regensburg unter Zugzwang gesetzt. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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