Nach Tankstellen-Panne in Nürnberg

Sprit für 6 Cent: So billig ist's sonst nur in Syrien

Nürnberg - Nach der Tankstellen-Panne im Raum Nürnberg hat sich jetzt ein Verantwortlicher der Mineralölfirma gegenüber der tz geäußert. Am Freitag war auf Grund eines technischen Fehlers der Sprit für zwei Stunden lang für 6 Cent pro Liter zu haben.

Es hatte sich in Windeseile herumgesprochen: Bei Avia gibt’s günstigen Sprit, der Liter Super Plus kostet dort nur sechs Cent! Was sich nach einer spektakulären Werbeaktion oder dem Fehler eines dusseligen Tankwarts anhört, war jedoch eine simple Computerpanne, und nach einer guten Stunde waren die Zapfhähne mit dem Billigbenzin in Franken zum Leidwesen vieler Autofahrer schon wieder abgestellt.

Um etwa 20 Minuten nach 21 Uhr sprang am Freitagabend an den 30 Tankstellen der Nürnberger Firma Ernst Braun Mineralöle die Preisangabe an der Zapfsäule des Edeltreibstoffs Super Plus von 1,279 Euro für einen Liter auf gerade mal sechs Cent. „Wir wissen nicht, wie das passiert ist“, sagte Peter Luber, verantwortlich für Finanzen und Rechnungswesen bei der Mineralölfirma und selbst Pächter einer Avia-Tankstelle, im Gespräch mit der tz. Sicher ist, dass es kein menschliches Versagen, sondern ein Computerfehler war: „Irgendwas am System war kaputt.“

Autofahrern in Franken dürfte das ziemlich egal gewesen sein, in kürzester Zeit bildeten sich lange Schlangen. Wobei an den Stationen, in denen am Freitagabend noch ein Tankwart Dienst tat, das Problem schnell erkannt und bereinigt wurde. „Unsere Leute haben schnell reagiert und korrigiert“, sagt Peter Luber, in zwei, drei Minuten seien die Zapfsäulen gesperrt gewesen. An Stationen mit Tank­automaten dagegen „ging’s rund“. Da wurde getankt, was reinging, zu einem Preis, der ansonsten in Syrien für einen Liter Sprit gezahlt werden muss.

Aber nach einer guten Stunde war’s dann wieder vorbei, die sprudelnden Billigspritquellen versiegten, weil in Nürnberg der Hahn zugedreht wurde. „Das wurde von der Zentrale aus abgedreht, nach 80 Minuten waren die Preise wieder umgestellt“, sagt Peter Luber. Rund 4000 Liter, so die erste Bilanz, dürften zum Dumpingpreis geflossen sein. Etwa 5000 Euro, schätzt der Finanzexperte des Unternehmens, betrage der Schaden. Das sei überschaubar, aber natürlich trotzdem ärgerlich.

Denn er kann sich beim besten Willen nicht erklären, wie das passieren konnte. „Wir haben eigentlich ein System, das sich selbst kontrolliert und überwacht.“ So sei es unmöglich, dass jemand aus Versehen per Handeingabe einen falschen Preis einspeise. „Und trotzdem macht das System Murks!“, ärgert er sich, dass es von der technischen Seite aus Probleme gab. Am Montag werde man das Computersystem eingehend prüfen und die Ursachen erforschen. „Wir müssen wohl zusätzliche Kontrollen einbauen.“

Dass die Billigpreis-Panne für die Firma Braun auch durchaus einen Werbeeffekt haben kann, räumt er mehr oder weniger zähneknirschend ein. So ausgiebig ist wohl noch nie über die im Jahr 1931 in Nürnberg gegründete Firma berichtet worden. Geplant sei es aber keinesfalls gewesen, betont Peter Luber, „wir würden unsere Werbung doch gerne selbst steuern“.

Volker Pfau

Rubriklistenbild: © dpa

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