Staatsanwalt watscht Richter Gnadenlos ab

Dr. Josef B. (88) darf wieder hoffen.

Garmisch-Partenkirchen - Nachdem ein harter Richter ihm den Führerschein entzogen hatte, darf ein 88-jähriger Rentner jetzt wieder hoffen.

Das ist eine deftige Watschn für Richter Gnadenlos: Die Staatsanwaltschaft wird gegen das Urteil von Amtsrichter Dieter Klarmann aus Garmisch-Partenkirchen, der Ende August den 88-jährigen Rentner Dr. Josef B. wegen eines Blechschadens zu vier Jahren Führerscheinentzug verurteilt hatte (tz berichtete), in Berufung gehen – und zwar zugunsten des Verurteilten!

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Oberstaatsanwältin Regina Sieh von der Staatsanwaltschaft am Landgericht München II bestätigte dies gestern gegenüber dem Garmischer Tagblatt und sagte: „Wir gehen davon aus, dass angesichts der Tatumstände die verhängte Sperrfrist unverhältnismäßig hoch ist.“ Rentner Dr. Josef B. hatte mit seinem Wagen ein anderes Auto touchiert und sich anschließend vom Unfallort entfernt. Weil er, wie er vor Gericht beteuerte, den Aufprall nicht bemerkt hatte. Bis zu diesem Vorfall war er 70 Jahre unfallfrei gefahren.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess ein dreimonatiges Fahrverbot und 1600 Euro Geldstrafe gefordert. Richter Dieter Klarmann verurteilte Josef B. schließlich aber zu vier Jahren Führerscheinentzug und 4000 Euro Strafe.

Dass die Staatsanwaltschaft zugunsten eines Verurteilten in die Berufung geht, ist relativ selten, aber nicht außergewöhnlich. 2007 gab es in Bayern 9835 Berufungsverfahren, davon waren immerhin 13 zugunsten des Beschuldigten angestrengt worden.

LH

Quelle: tz

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