Aufklärung oder Pranger? Kritik an Aktion

Stadt stellt Raser des Monats ins Netz

„Blitzerhighlight“ im September – ein viel zu schneller Audi

Abensberg - Dient es der Aufklärung? Oder ist es einfach nur ein öffentlicher Pranger? Die Stadt Abensberg stellt den "Raser des Monats" ins Internet - und sieht sich dafür Kritik ausgesetzt.

Das Blitzen auf den Straßen geht weiter, und wer so richtig dahinbrettert, kann sich sogar im Internet bewundern. Voraussetzung: Der Raser muss in Abensberg (Kreis Kelheim) die Radarfalle der Verkehrsüberwachung auslösen. Denn in der Stadt, die durchs Volksfest Gillamoos über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist, wird seit Dienstag der Raser des Monats gekürt. Dazu gibt es eine Würdigung, auf die man auch gut verzichten könnte: Der oder die Viel-zu-Schnellfahrer(in) wird auf der Facebookseite der Stadt veröffentlicht – als „Messungshighlight“ im Zuge einer „Gefahrenprävention“. Doch statt Lob müssen die Initiatoren einiges einstecken.

Immerhin: Fahrer und Nummernschild werden unkenntlich gemacht. „Die Stadt hat die Aktion datenschutzrechtlich geprüft“, berichtet Sprecherin Carolin Wohlgemuth. Die Intention: Man wolle durch die Veröffentlichung mit Geschwindigkeitsangaben und dazugehörigem Strafmaß Konsequenzen zeigen, die Rasern drohen.

Bußgeld und Fahrverbot für diesen Motorradfahrer

Der erste, dem die Stadt die zweifelhafte Ehre angedeihen ließ, ist ein Motorradfahrer. Er war innerorts mit 113 Stundenkilometern durch die Regensburger Straße gejagt. Ihm drohen gemäß Veröffentlichung ein Bußgeld von rund 350 Euro und ein zweimonatiges Fahrverbot. Der Titel Blitzerhighlight September 2013 steht über dem neuesten Fall. Hier wurde wieder­um auf der Regensburger Straße gemessen, erwischt hat es einen Audi mit knapp 100 km/h. Folge: 250 Euro Buße und Fahrverbot.

Eine eindeutige Zeichnung als Kommentar – der Pranger

Vielen gefällt dieses Vorgehen nicht: „Internet-Pranger“, heißt es etwa. Es wird auch bezweifelt, ob das Zeigen von Rasern tatsächlich rechtlich einwandfrei ist. So kommentiert Jurist Udo Vetter (lawblog): „ … Unabhängig von möglichen Klagen Betroffener und der Frage des guten Geschmacks können sich die Verantwortlichen in Abensberg damit sogar strafbar machen.“ Es handele sich bei den Fotos um „amtliche Schriftstücke eines Bußgeldverfahrens“.

Inzwischen rast, wie inzwischen üblich, ein Shitstorm auf die Abensberger zu. Dabei hatte man im Ort selbst Zuspruch der Bürger vernommen. Die Frage ist nur, wie lange sich Abensberg dem Internet-Hurrikan widersetzen kann und mag. Im Rathaus wurde bereits über einen Rückzug nachgedacht …

mc

Die größten Shitstorms

Die größten Shitstorms

Auch interessant

Meistgelesen

Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Allerheiligen 2017: Wie lange dauert das Tanzverbot in Bayern?
Allerheiligen 2017: Wie lange dauert das Tanzverbot in Bayern?
„Es war nicht die erste Alte, die ich umgenietet habe“
„Es war nicht die erste Alte, die ich umgenietet habe“
Wagen geriet auf Gegenfahrbahn: Frauen bei Frontal-Crash schwer verletzt
Wagen geriet auf Gegenfahrbahn: Frauen bei Frontal-Crash schwer verletzt

Kommentare