Wirbel um Projekt im Bayerwald

Stadtwerke wollen Windräder bei Nationalpark bauen

München - 24 Windräder wollen die Stadtwerke München im Bayerwald errichten. Die Türme sollen  in der Nähe des Nationalpark Bayerischer Wald stehen. Viele Niederbayern sind nicht begeistert.

Das Projekt ist zweifelsohne groß – richtig groß: Gleich 24 Windräder zur Stromgewinnung wollen die Stadtwerke München im Bayerwald aus dem Boden stampfen. Wie jetzt bekannt wurde, sollen die Türme ganz in der Nähe des Nationalparks Bayerischer Wald in den Himmel ragen. Gibt es nur ein Pro­blem: Viele Niederbayern sind von dem Projekt wenig begeistert.

Der Tenor ist immer gleich: „Sollen die Oberbayern doch woanders die Gegend verschandeln, um ihren Strom zu bekommen.“ Der Wirbel um die Fernsehturm hohen Riesen – er musste ja kommen.

Fakt ist: Die Landesregierung hat beschlossen, dass in Zukunft ein gewisser Teil des bayerischen Stroms aus regenerativen Energiequellen gewonnen werden muss. Und so werden nun eben von den Stromanbietern Standorte im ganzen Freistaat unter die Lupe genommen. Auch mitten im Bayerwald. „Wir kommen hier halt nicht aus“, sagt Alois Wildfeuer, Bürgermeister von Kirchdorf im Wald, gegenüber der tz.

Ganz in der Nähe seines Ortes mit 2121 Einwohnern sollen die Windräder aufgebaut werden. Und zwar am Hang des Wagensonnriegel (959 Meter hoch). „Alle Kommunen hier sind sich einig, dass dieser Hang am besten geeignet wäre.“ Die Stadtwerke München verhandeln derzeit schon mit den Besitzern der Grundstücke.

„Maximal sollen dann nach meinem Kenntnisstand 24 Windräder dort errichtet werden.“ Sie sollen 150 bis 200 Meter hoch werden. Genau das sorgt bei vielen Anwohnern im Ort für blankes Entsetzen. „Dann sind wir hier umzingelt von hässlichen Windrädern“, schimpfte beispielsweise gestern ein Kirchdorfer im Internet. „Das ist doch Wahnsinn!“

Ein Mann aus Spiegelau (eine Gemeinde ganz in der Nähe) fragte: „Warum müssen wir denn hier den Strom für die Münchner liefern? Sollen die sich doch Windräder in den Englischen Garten stellen!“ Zwiesels parteifreier Bürgermeister Franz Xaver Steininger kämpft – noch – alleine auf verlorenen Posten gegen das Projekt: „Das Ganze ist eine fatale Fehlentscheidung der Politik.“

Ein Teil des Windparks läge auf dem Gebiet der Stadt. „Wir würden damit aktiv unsere Kulturlandschaft zugrunderichten und uns alle Chancen im Tourismus verbauen.“ Der Windpark wäre fast im ganzen Bayerwald zu sehen. Steininger: „Wer zu uns kommt, will unverbaute Landschaft.“

Ein Trost dürfte vielen Waldlern sein: Noch ist es nicht so weit mit dem Windpark. Erst muss das Areal auf „Artenschutz“ und „Windstabilität“ geprüft werden. In anderen Worten: Werden dort irgendwelche seltenen Tiere oder Pflanzen gefährdet, und bläst der Wind auch immer zuverlässig? Wie lange das dauert? Noch mal gut zwei Jahre …

Die Stromprojekte der Stadtwerke

Die Münchner Stadtwerke haben große Ziele: Bis 2025 will das Unternehmen so viel Ökostrom in eigenen Anlagen produzieren, wie ganz München verbraucht. Das sind rund 7,5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. München wäre damit weltweit die erste Millionenstadt, die dieses Ziel erreicht.

Genau dafür investiert das Unternehmen in Anlagen im In- sowie Ausland. So wurde beispielsweise in Andalusien (Spanien) von den SWM mit Partnern das Solarthermie-Großkraftwerk Andasol 3 gebaut. Es hat eine Leistung von 50 Megawatt (siehe Foto unten). Anfang 2012 nahm das Kraftwerk den kommerziellen Betrieb auf.

Gemeinsam mit Vattenfall wird derzeit ein Windpark in der Nordsee, etwa 70 Kilometer westlich der Insel Sylt, errichtet. Zudem wurden im Sommer 2009 fünf Windparks in Deutschland (Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt) erworben. Auch In Biogas- sowie Erdwärme-Anlagen wird seit Jahren investiert.

A. Geier, J. Welte

Rubriklistenbild: © dpa

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