Haßfurt, Straubing, Schweinersdorf

Das steckt hinter den bayerischen Ortsnamen

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Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein erforscht die Mysterien und Geheimnisse rund um Haßfurt, Jammer und Christusgrün.

Christusgrün, Schweinersdorf, Jammer: Viele Orte im Freistaat haben kuriose Namen. Was dahinter steckt verrät Namensforscher Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein.

So manche bayerische Ortsnamen sorgen bei den einen für Entsetzen, bei anderen für ein Schmunzeln. Für Namensforscher Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein sind sie eine Lebensaufgabe. Der 74-Jährige erforscht seit Studententagen die Mysterien und Geheimnisse rund um Haßfurt, Jammer und Christusgrün. An der Universität München lehrt er Ortsnamenkunde seit mehr als 40 Jahren.

Über 40 000 Ortsnamen gibt es in Bayern

Über die Jahre hat er tausende Ortsnamen erforscht - und ihre Bedeutung in drei Lexika bayerischer Ortsnamen zusammengetragen. Darin erfährt man etwa, dass sich hinter Schweinersdorf keine Passion für Fleisch verbirgt, sondern die Ortsgründerin Swanahilta für den ungewöhnlichen Namen verantwortlich ist.

In Archiven, in Ortschroniken - Reitzenstein hat überall seine Fühler ausgestreckt, um den Ortsnamen auf den Grund zu gehen. Oft hat er es dabei mit jahrhundertealten Aufzeichnungen zu tun, deren Handschriften nur schwer zu entziffern sind.

Insgesamt gibt es in Bayern über 40 000 Ortsnamen. Die meisten haben ihre Wurzeln im Keltischen, Römischen und Germanischen - und dabei liegt auch die Besonderheit des süddeutschen Raumes. Schicht für Schicht legt Reitzenstein die sprachlichen Veränderungen und Einflüsse frei.

Kempten bedeutet schiefe Burg

Besonders die Kelten haben erstaunliche Spuren in der bayerischen Namenskultur hinterlassen: Der älteste Ort Bayerns, Kempten, war einst als das keltische Kambodounon bekannt - und findet eine interessante Übersetzung: Es bedeutet 'schiefe Burg'.

Ortsnamen, die heute etwa auf -ing enden, stammen aus der Zeit der Völkerwanderung. So kürzte sich etwa das Suffix -ingen in den Jahrhunderten auf -ing ab. Die Endungen deutet daher auf eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder einem Herrscher hin. Reitzenstein hat auch dafür eine Erklärung parat: „Da ist wohl die Maulfaulheit der Altbayern schuld.“ Schwabing, Freising, Straubing: Das Ing hat im restlichen Bayern für einen regelrechten Boom gesorgt.

Doch nicht immer muss Reitzenstein für seine Forschung so weit in die Jahrhunderte zurückgehen. Die Ortsnamen haben sich auch in den vergangenen Jahren noch weiterentwickelt. So führte etwa ein Protest der Bewohner von Eselsdorf in der Oberpfalz in den 1970er Jahren zu einer Abänderung in das weniger auffällige Hohendorf. Brunzendorf findet man auf der Landkarte heute ebenfalls nur mehr als Brunnendorf wieder. Christliche Ortsnamen hatten im Mittelalter ebenfalls Hochkonjunktur. Damit wird sich Reitzenstein in seinem nächsten Buch beschäftigen.

dpa

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