Stern als Last: Bayerischer Starkoch schließt Lokal

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Erich Schwingshackl vorm Reblinger Hof. Das Bild entstand vor drei Wochen, nachdem er sich den zweiten Stern erkocht hatte.

Bernried - Seit wenigen Tagen ist Niederbayern wieder für die Gourmet-Gemeinde ein weißer Fleck. Das höchstdekorierte Restaurant - Schwingshackls Esskultur - existiert nicht mehr.

Koch Erich Schwingshackl und seine Lebensgefährtin Katarina Krauß haben bereits ihr Restaurant nahe Bernried (Kreis Deggendorf) geschlossen. Dies kommt überraschend, da das Restaurant vor nur drei Wochen mit dem zweiten Michelin-Stern ausgezeichnet worden war. Über die Hintergründe der Schließung wird heftig spekuliert - spielt der zweite Stern eine Rolle?

Schwingshackls Esskultur hatte 2006 im Reblinger Hof, dem Hotel der Familie Krauß, seine Türen geöffnet. Der ehemalige Küchenchef von Heinz Winklers Residenz in Aschau im Chiemgau sorgte rasch für Furore. Die Tester des Michelin wurden auf das kleine, edle Restaurant am Fuß des Bayerwaldes aufmerksam und zeichneten es mit dem ersten der begehrten Sterne aus. Anfang November kam der zweite Stern hinzu, damit gehörte das Restaurant nach Meinung der Michelin-Tester zu den acht besten Bayerns. „Eine hervorragende Küche, verdient einen Umweg“ - so erklärt die Gourmetbibel zwei Sterne, bei dreien heißt es: „Eine der besten Küchen, eine Reise wert.“ Nur neun Restaurants dürfen sich in Deutschland so geehrt fühlen, keines davon liegt in Bayern.

Hotel-Betrieb läuft wie gewohnt weiter

War es der zweite Stern, der zum Ende führte? Erich Schwingshackl lässt „familiäre Gründe“ verlauten, Sein Schwager Peter Krauß wird ein wenig deutlicher: „Wir hätten ausbauen müssen, wir hätten investieren müssen und wir hätten auch teurer werden müssen, aber ob uns das hier jemand bezahlt, wage ich zu bezweifeln“, sagte er gegenüber der Passauer Neuen Presse. Und weiter: „Diese hochwertige und hochpreisige Küche ist auf Dauer an einem kleinen, abgeschiedenen Ort wie Rebling nicht machbar.“ Der Hotelbetrieb läuft im Vier-Sterne-Haus wie gewohnt weiter. Doch auf die Strahlkraft eines Sterne-restaurants, für das Gäste sogar weite Wege in Kauf nehmen, wird es verzichten.

Wie geht es für Erich Schwingshackl und Katharina Krauß weiter? Eine bessere Referenz als zwei Sterne im eigenen Restaurant ist eigentlich nicht denkbar, zudem ist Katharina Krauß vom Bertelsmann Guide zur Sommelière des Jahres gekürt worden, beide haben zudem Erfahrung in der Spitzengastronomie, bei Heinz Winkler haben sie sich kennengelernt. Kenner der Gourmetszene sind sich sicher, dass die beiden in nicht allzuferner Zukunft in einem deutschen Spitzenhaus aktiv sein werden. Schwingshackls Schmankerl jedenfalls gelten in Gourmetkreisen als einzigartig, mit Grund: So verwendet er nur beste, teuerste Lebensmittel wie Trüffel und Hummer. Aber auch mal Fische aus der Donau. Alles bereitet er dann mit Liebe zum Detail zu. Als nahezu unerreicht gilt sein Hirschrücken, von Tieren, die vor dem Hotel aufgewachsen sind.

Freitod nach Punktabzug

Spitzenköche - sie sind exakt wie Handwerksmeister, doch auch sensibel wie Künstler. Während die einen Kritik wegstecken, nehmen andere es sich zu Herzen, wenn nicht gelobt wird. Der bekannteste Fall ist der Freitod des französischen Sternekochs Bernard Loiseau (52). Der Küchenchef war in Frankreich so bekannt wie Paul Bocuse. Drei Sterne gab ihm der Michelin, der fast so wichtige Gourmetführer Gault Millau zog ihm aber 2003 zwei Punkte ab, von 19 auf 17. Höchstpunktzahl sind 20.  Nach der Degradierung ging der Haute-Cuisine-Koch mit dem Gewehr in den Wald und nahm sich das Leben. Starkoch Bocuse warf dem Gault Millau eine Mitschuld am Tod des Kollegen vor. Eine Zeitung titelte: „Bravo Gault Millau, Sie haben gewonnen!“ Der Feinschmeckerführer wies diese Vorwürfe zurück, Loiseau müsste andere Probleme gehabt haben.

Jol

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