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Stichwahl in Regen: Jetzt wird es dreckig!

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Regen - Der Wahlkampf zwischen Helmut Plenk (41, CSU) und Michael Adam (26, SPD) in Regen: Er ist zur Schlammschlacht geworden. Da werden beispielsweise über den bekennenden Schwulen Adam diskreditierende Gerüchte gestreut,.

Nur zwölf Tage ist es her, da lächelten die zwei Gegner um den Landratsposten in Regen, Helmut Plenk (41, CSU) und Michael Adam (26, SPD) gemeinsam in die Kameras. Sie beschworen einen fairen Stichwahlkampf und wurden nicht müde, das freundschaftliche Verhältnis untereinander zu loben. Mittlerweile sieht die Sache anders aus: Der Wahlkampf – er ist zur Schlammschlacht geworden. Da wird Adam von Gegnern als Stalin bezeichnet, da werden über den bekennenden Schwulen diskreditierende Gerüchte gestreut …

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Dieser Brief ging an alle VdK-Mitglieder im Landkreis - VERGRÖSSERN

Dass der SPD-Kandidat, der Bürgermeister von Bodenmais Michael Adam, im ersten Wahlgang fast 43 Prozent der Stimmen holte, scheint die im Kreis erfolgsverwöhnte CSU hypernervös gemacht zu haben. Zudem aktuelle Umfragen Adam himmelweit vorne sehen. Eine erste, fast kindisch zu nennende Attacke ritt die Junge Union via Anzeige. Darin wird dem SPD-Hoffnungsträger unter dem Titel Was Michael Adam wirklich will perfide unterstellt, er plane neben Kirchen auch Moscheen. Als Beweis kramte die JU ein Thesenpapier der Jusos Niederbayern aus dem Jahr 2008 hervor, das Adam mitgeschrieben hatte. CSU-Kandidat Plenk verteidigte die JU-Anzeige. „Das Papier wurde ja schriftlich verfasst, die Junge Union zitiert nur daraus, die Anzeige soll zeigen, für was Adam steht.“

Noch wilder wurde es wenige Tage später: So formierte sich eine Facebookgruppe namens DiePanik, die ein Bild von Adam als Joint rauchenden Stalin ins Internet stellte. Dazu kam: Der Kreisvorsitzende des Sozialverbands VdK, dessen Geschäftsführer übrigens Helmut Plenk höchstpersönlich ist, verschickte einen Brief an alle Mitglieder, in dem offen für Plenk Partei ergriffen wird. Satte 10 000 Mitglieder wurden so erreicht. Alles o.k., findet Plenk. „Das ist nur die persönliche Ansicht des VdK-Vorsitzenden.“ Sein Verhältnis zu Adam bezeichnet er trotz der Entwicklung so: „Ich schätze ihn, er schätzt mich.“

Die peinlichsten Facebook-Pannen der Welt!

Adam kann bei all dem nur noch den Kopf schütteln: „Es geht doch schon lange nicht mehr um Inhalte, sondern um meine Vernichtung als Politiker.“ Und er fügt an: „Ich fühle mich wie der Stürmer, der alleine aufs Tor zuläuft, und jetzt versuchen sie mich umzuhauen.“

Was im Kreis Regen passiert, betiteln die örtlichen Medien inzwischen als schlechte Realsatire. Zum Lachen ist da vielen nicht mehr zumute, zumal die von den Schwarzen losgetretene Kampagne durchaus Wirkung zeigt. So rief etwa ein Herr K. im SPD-Büro in Deggendorf an und wollte wissen, wie nahe sich der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold und Adam sind. Denn auch das Gerücht, die zwei Politiker seien liiert, wurde offenbar gezielt gestreut. Florian Pronold konterte im Wochenblatt elegant: „Hoffentlich bringt das jemand schonend meiner Freundin bei.“

Markus Christandl und Armin Geier

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